Äthiopien

Reise auf dem „Historical Circuit“ Äthiopiens, März/April 2013

Auf der Suche nach einem interessanten Reiseziel für den Frühjahrstrip 2013 erinnerten Jürgen und ich uns an die begeisterten Erzählungen unseres Freundes Karsten, der auf dem Weg zum Kilimanjaro ein paar Tage in Äthiopien Station gemacht und den Norden bereist hatte. Da Ostafrika auf unserer „Reiseweltkarte“ noch ein weißer Fleck war, fiel die Entscheidung für Äthiopien recht schnell, zumal im angepeilten Zeitraum März/April Trockenzeit ist, die Flüge ab Frankfurt mit Ethiopian Airlines (Star Alliance) knapp 550 EUR ziemlich günstig und vor allem non-stop waren und es nur eine Stunde Zeitverschiebung gibt.

Für die Reise hatten wir diesmal knapp 3 Wochen zur Verfügung, was sich als perfekt für unsere angepeilte Route erweisen sollte, so waren ausreichend Tage für unvorhergesehene Verzögerungen oder Rumhängtage übrig.

Der Flug mit Ethiopian Airlines war ganz okay,  nur beim In-Flight-Entertainment besteht da Nachholbedarf. Die Airline ist einer der größten und modernsten Carrier in Afrika und Addis Abeba fungiert als Drehkreuz für zig andere Destinationen in Afrika. Und weil wir nach Äthiopien flogen, waren natürlich auch 2 Leichtathletik-Teams mit an Bord, die wegen der recht frischen Temperaturen in der Kabine den kompletten Flug in michelinmännchenmäßigen Daunenjacken verbrachten, was irgendwie kurios wirkte.

Addis Abeba Zentrum

Addis Abeba
Addis Abeba empfing uns am frühen Morgen mit strahlendem Sonnenschein. In der Halle des modernen Bolé International Airports gönnten wir uns erstmal frischen Kaffee, schließlich waren wir im Ursprungsland des Kaffees (Der seinen Namen von der süd-äthiopischen Provinz Kaffa ableitet). Wir hatten vorab Zimmer im ersten Hotel Äthiopiens, dem Iteque Taitu Hotel, gebucht. Das Hotel selbst ist innen recht mondän mit viel Holz gestaltet, insgesamt aber recht abgeranzt, aber doch mit Charme. Vor allem hat es eine mehrstufige Außenterrasse (zeitweilig mit WLAN), auf der sich Touristen, Locals und zahlreiche Ex-Pats treffen. Dort lernten wir am ersten Nachmittag Mihiretabte, einen Studenten der Touristik, kennen, der ziemlich gut Englisch sprach und schnell unser Reiseführer und Freund wurde. Direkt nach der Ankunft – die Zimmer waren noch nicht frei – hatten uns vor dem Hotel zwei Youngsters angesprochen und uns zum Zeittotschlagen in ein sehr schönes Coffee Haus geleitet. Die beiden erwiesen sich aber sehr schnell als ziemlich aufdringliche Amateur-Guides, die sofort ein umfangreiches Besichtigungs- und Tourprogramm präsentierten, das wir auf jeden Fall mit ihnen machen sollten. Den beiden ging es ganz offensichtlich um schnellen Reibach, so daß diese Bekanntschaft von kurzer Dauer war. Mihiretabte dagegen war offenbar einfach nur auf der Suche nach Gelegenheiten, sein Englisch zu verbessern und nicht nach „Kunden“. Gerade wegen seiner unaufdringlichen Art fragten wir ihn am Abend, ob er uns am nächsten Tag die Stadt zeigen wolle. Das in Aussicht gestellte Honorar lehnte er (letztlich erfolglos) ab.

Am ersten Abend fuhren wir mit dem Taxi ans – wie sich herausstellen sollte – falsche Ende der Hauptstraße von Addis, der Bolé Road. Die Straße war in diesem Abschnitt eine einzige riesige Baustelle, so daß wir kilometerlang über eine fast stockdunkle Lehmpiste wandern mußten, bis wir zu Bars und Restaurants am anderen Ende gelangten. Immerhin erheiterten einige der Schilder entlang der Piste (s. Fotos).

Am nächsten Morgen holte uns Mihiretabte im Hotel für die Tour dé Addis ab. Addis Abeba ist der Sitz zahlreicher internationaler Institutionen, u.a. der Afrikanischen Union, so daß neben den ganzen Botschaften im Zentrum auch noch weitere NGOs residieren. Viele der Verwaltungsbauten und die städtebauliche Anlage des Zentrums versprühen einen „sozialistisch angehauchten“ Charme, nicht zuletzt durch zahlreiche Monumente und wegen der ausschließlich aus Ladas bestehenden Taxiflotte. Addis Abeba ist keine wirklich schöne, aber eine interessante Stadt, wegen der Höhe von rund 2.400m ist das Klima sehr angenehm. Es macht Spaß, die Stadt zu erkunden, an jeder Ecke sind fliegende Händler, es gibt viele Parks, Kirchen, Märkte. Die Gegensätze sind allerdings recht dramatisch, Neubauviertel mit Glitzerfassaden, Shopping Malls liegen oft nur eine Straße von Slums oder abgerockten Gegenden entfernt, überall wird gebaut, allerdings gibt es auch viele Bauruinen. Aber insgesamt ist die Stadt recht „proper“, zum Beispiel vom Müll her überhaupt nicht mit Grpßstädten in Indien oder China zu vergleichen, auch sieht man relativ wenig Bettler.

Auf dem Programm standen neben der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit natürlich das Nationalmuseum, wo „unser aller Ahnin“, die weltberühmte Lucy, ausgestellt ist (na gut, eine Kopie, das Original ist seit Jahren zu Forschungszwecken in den USA).

Mercato
Nach dem „Kulturteil“ wollten wir natürlich noch etwas „Lokalkolorit“ von Addis erleben. Den gab es im „Mercato“ geballt zu sehen, denn der Mercato gilt als der größte Bazar von ganz Afrika. Auf einer riesigen Fläche, die wie ein eigener Stadtteil wirkt, gibt es von einfachen Bretterverschlägen über Markthallen bis hin zu Bürogebäuden mit Import/Export alle möglichen Arten von Geschäften. Wie auch auf asiatischen Märkten sind die einzelnen Handelswaren immer in einzelnen Bereichen konzentriert, damit alle ihre Konkurrenz im Auge haben. Einen Großteil der Stände machen Textilhändler aus, die Klamotten und Schuhe meist chinesischer Provenienz verkaufen. Die Methoden, Markenpiraterie zu „verschleiern“ waren teilweise recht amüsant, wie z.B. „Adidos“ oder „Adipas“. Auf dem Mercato kann man Stunden verbringen, auch ohne was zu kaufen, nur im Obst- und Gemüsemarkt am Rand hält man es nicht lange aus, weil überreife Ware einfach auf Bergen in der Mitte der Straße zusammengekippt wird und dort verrottet.

Eigentlich sollten wir am 3. Tag schon nach Lalibela fliegen, aber da uns die Komiker von Ethiopian Airlines in der Bestätigungsmail für den Flug nur ganz unten im ganz klein Gedruckten mitteilten, daß der Flug um 2 Stunden nach vorn verlegt wurde, ansonsten aber den ursprünglichen Flug „bestätigten“, mußten wir die Abreise in den Norden um einen Tag verschieben. Wir trafen wieder Mihiretabte und flanierten mit ihm die andere Hauptstraßes von Addis, die Churchill Road, runter. Hier erwies sich die Freundschaft zu Mihiretabte als besonders wertvoll, denn Jürgen wurde von zwei Straßenkindern das Smartphone aus der vorderen (!!!) Hosentasche geklaut. Er hatte es nicht bemerkt, wohl aber Mihiretabte, der ruhig den beiden Kids hinterherlief, sie kurz und laut anschrie, woraufhin sie das Handy aus der Tasche zogen, vorsichtig ablegten und dann türmten. Große Klasse!

Am späten Nachmittag landeten wir zufällig bei einem 1. Liga-Spiel im Nationalstadion von Addis. Für 1,50 EUR ein schönes Erlebnis, auch wenn keiner „Schiri, wir wissen, wo Dein Auto steht“ oder „Kniet nieder, wenn die Hauptstadt kommt“ gesungen hat.

HIER geht´s weiter nach Lalibela und Aksum

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