Inlé Lake

I. Rübermachen zum Inlé Lake

Von Bagan aus mußten wir irgendwie Richtung Osten zum Inlé Lake, unserer letzten Station, kommen. Da immer noch Thingyan-Woche war, fuhren keinerlei öffentliche Busse. Wie gesagt, in dieser Woche ist Burma quasi lahmgelegt, was Public Services angeht. Also haben wir den Kleinbus, der uns vorher durch Bagan kutschiert hatte, für die ca. 5stündige Fahrt gemietet. Die Strecke war landschaftlich die schönste, die wir in Burma gesehen haben, weil es viel durch die Berge ging. In einigen kleinen Dörfern wurde immer noch munter auf der Straße mit Wassermassen gefeiert, in einer Provinzstadt standen wir im Stau, weil eine sehr lange Prozession von Mönchen abgehalten wurden, die sich von den Laien Lebensmittel in ihre Gefäße geben ließen. Schöner Lokalkolorit. Kurz vor dem Inlé Lake kamen wir noch an einer verkehrstechnischen Rarität vorbei, einem Eisenbahn-Kreiskehrviadukt. Das bedeutet, dass die Bahnstrecke zur Überwindung einer großen Steigung/des Gefälles in einem Kreisel gebaut ist und dabei die Strecke ihre eigene Trasse kreuzt. Da wir gerade einen Zug überholt hatten, wollten Frank und ich das ansehen, was für Karsten und Jürgen aber zu langweilig wurde, da wurde massiv gedrängelt. Und ignoriert :-)

II. Inlé Lake

Der malerische Inlé Lake liegt im Osten Burmas im Shan State. Er gehört mit Bagan zu den absoluten touristischen Highlights, was hauptsächlich an seiner malerischen Lage, umgeben von Bergen, und an Menschen dort liegt. Es gibt zahlreiche Siedlungen auf dem Wasser, entweder auf Floßen oder auf Pfahlbauten, dazu gibt es floating markets, die tageweise um die Dörfer am See rotieren, außerdem bauen die Leute hier Gemüse in schwimmenden Gärten an.

Der Hauptort am Inlé Lake ist das Örtchen Nyaungshwe, das sehr, sehr lauschig ist. In dem kleinen Ort gibt es wenig Verkehr, viel Grün, sehr gute Lodges, es herrscht eine sehr entspannte Atmosphäre. Ich gehe jede Wette ein, daß der Ort in 2-3 Jahren ein Backpacker-Mekka sein wird, in dem viele Leute längere Zeit „abhängen“ werden. Wir fanden im Inlé Inn eine klasse Unterkunft.

Was dem Ort zum Traveller-Paradies noch fehlt, sind ein, zwei Läden, in denen man abends gemütlich sitzen und was trinken kann. Heute war das besonders „dringend“, denn wir wollten in meinen Geburtstag reinfeiern. :-) Wir landeten letztlich in der einzigen Kneipe am Markt, einer neon-beleuchteten „Burmesen-Pinte“, die dann aber doch ziemlich nett war. Zur Feier des Tages gab es u.a. ´ne Runde burmesischen Whisky ausgegeben. Überhaupt nicht zu empfehlen.

III. Geburtstagsbootstour auf dem See
Über unser Guest House charterten wir ein Longtail Boat, das uns einen Tag zu den Sehenswürdigkeiten am und auf dem See schippern sollte. Weil ich ja das Geburtstagskind war, durfte ich natürlich vorn im Boot sitzen :-)

Ein-Bein-Paddel-Fischer

Zunächst fährt man ein kurzes Stück den Fluß hinauf, dann öffnet sich der breite See, der am nördlichen Rand noch schlammbraun ist, was sich aber bald „auswächst“. Und direkt an der Mündung warteten auch die ersten Fischer und führten ihre besondere Technik des Fischfangs vor: Die Fischer stehen nämlich auf einem Bein, das Paddel wird quasi mit der Kniekehle eingeklemmt, sie paddeln also mit dem anderen Bein, so haben sie beide Hände zur Verfügung, um das kegelförmige Netz über Fische zu stülpen. Eine Abbildung dieser kuriosen Technik ziert auch das Cover des aktuellen Lonely Planets für Myanmar. Auf dem See, der überwiegend flach ist, haben die Shan ein paar Dörfer angelegt, die komplett aus Pfahlbauten bestehen, sogar die Gärten bestehen aus Wasserpflanzen, auf denen wiederum andere Pflanzen gesetzt werden, deren Wurzeln ins Wasser reichen.

Obwohl der Tourismus in Burma ja im Vergleich zu den Nachbarländern noch in den Kinderschuhen steckt, haben die Seebewohner den Draht schon ganz gut raus. Jeder Bootstour führt unweigerlich zu ein paar Shops mit angegliederter Werkstatt, von Töpferhandwerk (mittelspannend) über eine Schmiede (schon besser) bis hin zur Herstellung von Cheroots, den klassischen Zigarren Burmas, die in Maisblättern gerollt werden und relativ mild schmecken.

Im idyllischen Shwe In Tha fuhren wir einen schmalen Fluss nach Inthein hinauf. Durch die Landschaft kam schon fast ein bißchen Apocalypse Now Felling auf, dazu mußte das Boot mehrere kleine Staustufen im Fluss aufwärts überwinden, was mit ein bißchen Speed aber problemlos war. Inthein selbst liegt an einer Fluss“kreuzung“ und ist so ultra-idyllisch, daß ich jede Wette eingehe, daß der Ort in 3-5 Jahren ebenfalls ein Backpacker-Magnet sein wird.

Touristen kommen hier aber nicht nur wegen der schönen Lage her, sondern vor allem wegen der Pagoden-Felder, die sich hinter dem Dorf den Hang hoch ziehen. Das erste Feld direkt hinter dem Dorf weckt Erinnerungen an Angkor Wat, denn die Pagoden sind halb zerfallen und von Pflanzen überwuchert, es gibt aber sehr filigrane Reliefs, alles sehr pittoresk. Das obere, gut erhaltene Areal scheint aber von den Erbauern nach dem Motto „je mehr desto besser“ angelegt worden zu sein, dicht an dicht stehen weiße und vergoldete Pagoden nebeneinander.

Zum Abschluss der Bootsfahrt stoppten wir noch bei der „Jumping Cat Monastery“ (Nga Hpe Kyaung), die ebenfalls auf Stelzen im See steht. Dort lungerten tatsächlich im großen Hauptraum ein Dutzend Katzen herum, die dann von einer Dame mit etwas gutem Zureden zum Springen durch einen Reifen überredet werden konnten. Mir hat´s gefallen :-)

Interessant war außerdem eine Reihe von Werbepostern von Louis Vitton, die offenbar mal eine Kampagne am Inlé Lake geschossen hatten und dabei u.a. die Ein-Bein-Paddler verwurstet hatten.

Am nächsten Tag hatten wir nicht so richtig was vor, also besuchten wir das erste Weingut Burmas, das Red Mountain Estate, etwas oberhalb von Nyaungshwe von drei Franzosen gegründet. Der Weinbau steckt definitiv noch in den Kinderschuhen, die Pflanzen brauchen ja etliche Jahre, bis sie wirklich „ready“ sind. Die technische Ausrüstung des Weinguts war aber schon topmodern. Etwas irritiert haben uns allerdings die großen Kübel mit Holzchips, die zum „Würzen“ des Weins verwendet werden (wobei das auch anderswo auf der Welt praktiziert wird). Selbstverständlich haben wir eine Verkostung mitgemacht und jeder eine Flasche mit nachhause geschleppt. Der Wein war aber noch „gewöhnungsbedürftig“.

III. Back to Rangoon
Da die Bus- und Bahnverbindung vom Inlé Lake nach Rangoon sehr zeitaufwendig gewesen wäre (ca. 14h), sind wir nach Rangoon geflogen (40min) und kamen pünktlich am Freitag zur Happy Hour im The Strand wieder zurück, um so zwei großartige Wochen ausklingen lassen zu können.

Zur Happy Hour am Freitag kommen viele Ex-Pats ins The Strand kommen, an der Bar kam man schnell ins Gespräch, die meisten waren im Tourismus tätig und berichteten aus erster Hand, daß die Besucherzahlen in den Jahren 2011 und 2012 um jeweils 100% gestiegen waren. Alle schienen regelrecht aufgeregt über die rasend schnellen Veränderungen, die sich in Burma zeigten, seitdem die Militärs auf einen „liberaleren“ Kurs eingeschwenkt waren. Ich unterhielt mich länger mit einem freundlichen Herrn, der insgesamt im Vergleich zu den anderen Gästen fast ein bißchen zu leger für die Bar des The Strand wirkte. Irgendwann fragte ich ihn, was er denn so mache. „Oh, I run this hotel“. Oha, der Herr Hoteldirektor des feinsten Ladens von ganz Burma. :-) Er gab uns auch den Tipp, nachher noch ins 50th Street Café zu gehen, ein sehr, sehr netter Laden, der – Überraschung! – so „zivilisiert“ war, daß man ihn ohne weiteres nach New York oder London hätte stecken können. Leider konnten wir da keine großen Sprünge mehr machen, da uns das Bargeld ausging und – Ihr erinnert Euch? – Geldautomaten in Burma mit westlichen Karten ja nicht funktionieren.

IV. Résumé:
Burma ist definitiv eine Reise wert! Wir haben gerade mal die bekanntesten Highlights besuchen können, den „Trampelpfad“ sozusagen. Die Menschen sind unheimlich freundlich, hilfsbereit und kontaktfreudig, eben ohne aufdringlich zu sein. In Burma wirst Du (erstmal) nicht in nervige Situationen kommen, in denen Du non-stop von Leuten belagert wirst, die Dir etwas verkaufen wollen. Wenn in Burma jemand auf Dich zukommt, dann interessiert er sich dafür, wo Du herkommst und wie es Dir in Burma gefällt, nichts weiter. Man merkt dem Land die Aufbruchstimmung an jeder Ecke an. Und gerade diese Mischung aus vollkommen veralteten Strukturen (siehe Bahnfahrt nach Mandalay oder die „okkupierten“ Kolonialgebäude in Rangoon), burmesischen Besonderheiten (z.B. das Mopedverbot in Rangoon) oder vielen Einschränkungen, die auf die jahrzehntelange Isolation wegen der internationalen Sanktionen (cash only Wirtschaft, Bankomaten nutzlos für Ausländer), großartiger Kulturschätze und wunderschöner Landschaft machen Burma – gerade jetzt – so reizvoll. In Burma hat man an vielen Orten das Gefühl einer Zeitreise, aber an der nächsten Ecke ist es auch schon wieder überraschend modern. In den Gegenden abseits der touristischen Hauptrouten, schon ein paar Kilometer außerhalb von Mandalay z.B., fühlt man sich aber um 30 oder 40 Jahre zurückversetzt.

Wurde bis vor 3 Jahren an vielen Stellen (z.B. in den meisten Reiseführern) aus gutem Grund noch von Reisen nach Burma abgeraten, weil die Touristen-Dollars überwiegend in den Taschen der Militär-Diktatur landeten, hat sich das anscheinend nachhaltig geändert. Jetzt wird man wohl sagen können, daß je mehr Ausländer das Land besuchen desto schwieriger würde es für die Militärs, den eingeschlagenen Pfad der Öffnung wieder zu verlassen. Also, nichts wie hin!

So, das war´s. Ich hoffe, Ihr habt Euch gut unterhalten bei meinem Bericht. 

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