Norwegen

Als Weltmeister von Berlin zu den Lofoten und zurück.

I. Die Idee

Norge!

Auf derselben langen Autofahrt im Januar 2014, auf der Simone und ich die Idee zu dem Kurztrip nach Florida hatten, hatten wir uns auch entschieden, im Sommer mit dem Auto von Berlin aus nach Norwegen zu fahren. Wir wollten beide unbedingt auf die Lofoten, sozusagen ein „Sehnsuchtsort“ für beide. Ich war schon 2x vorher in Norwegen, einmal nur im südlichen Teil bis zum Geirangerfjord, einmal im nördlichsten Teil, am Nordkapp, wohin ich auf der Karelien-Motorradtour 2013 von Russland aus einen Abstecher gemacht hatte. Aber auf die Lofoten hatte ich es bislang nicht geschafft. Daher stand der Plan fest, diese subarktische Inselkette als erstes anzusteuern und uns dann wieder Stück für Stück nach unten durch Norwegen zu „arbeiten“. Als Gefährt sollte Simones A-Klasse, a.k.a. Der CESL, dienen. Das Auto hat sich auf dem Trip bestens bewährt, ein echtes Raumwunder, sehr sparsam und bekanntermaßen „elcherfahren“, genau das richtige für Norwegen also.

II. Die Umsetzung

WM-Feier am KuDamm/Kranzlereck in Berlin

Ich hatte mir ein Zeitfenster von 3 Wochen weitestgehend freigehalten, nur eine Verpflichtung ließ sich zunächst nicht lösen, aber mit gutem Zureden an die Beteiligten eine Woche vor der geplanten Abreise war auch dieses Problem gelöst und die 3 Wochen standen voll zur Verfügung ab dem 11.7.2014. Aber gegen die Abreise direkt am Freitag, den 11.7.2014 sprach definitiv, daß am Sonntag, den 13.7.2014 das WM-Endspiel gegen Argentinien anstand, was ich definitiv nicht irgendwo im Ausland, sondern in Berlin sehen und feiern wollte. Das Finale 1990 (auch gegen Argentinien, auch 1:0) hab ich auf meiner ersten großen Reise um ca. 9.00 morgens auf Tahiti gesehen, umgeben von lauter Engländern. Sowas durfte mir nicht nochmal passieren! Also entschieden Simone und ich uns, erst noch schnell Weltmeister zu werden und dann am Montag loszufahren. Hat ja dann geklappt :-) Etwas spannend hat es noch DHL gemacht, die unser Paket mit der Luftmatraze, den Klappstühlen, der Lampe und dem Campingtisch erst am Montag angekündigt hatten. Aber wir haben den DHL-Mann auf der Straße gesucht und gefunden und ihm die Pakete entrissen.

Am Strand von Hirtshals/DK

Von Berlin aus ging´s über Hamburg, Flensburg nach Dänemark und dort bis an die Nordspitze nach Hirtshals. Von der Tour durch Dänemark gibt´s nix zu berichten, öde. Von Hirtshals aus fährt eine Highspeed-Fähre in 2h15min übers Skagerrak nach Kristiansand. Die Fähre ist in zweierlei Hinsicht interessant: Erstens die geniale „Schneckenkonstruktion“, die es erlaubt, Hunderte Autos ohne zu rangieren auf und aus dem Schiffsrumpf fahren zu lassen, zweitens die schiere Geschwindigkeit der turbinengetriebenen Katamarans, über 50km/h. Von der Überfahrt haben wir nach dem Ablegen nicht mehr viel mitbekommen, die WM-Feierlichkeiten der vorigen Nacht forderten ihren Tribut.

 

III. Velkommen til Norge!

Bei der Ankunft in Norwegen, es war schon kurz nach 2.00 Uhr morgens, stellten wir uns – mit einigen wenigen anderen Autos – brav in die Schlange für die „vereinfachte Verzollung“, um unsere zusätzlich eingeführten Biervorräte zu verzollen. Man kann nämlich über die (niedrigen) Freigrenzen noch weiteren Alkohol mitbringen und zahlt dann pro Liter einen ermäßigten Steuersatz, bei Bier waren es ca. 2,20 pro Liter. Klingt viel, ist aber im Vergleich zu den Preisen im Supermarkt (mind. 3 EUR für 0,5 Dose) ein Schnäppchen. Weitere Infos gibt´s hier. Außerdem: Das Risiko, beim Schmuggel erwischt zu werden, war uns schlicht zu hoch, das hätte in Norwegen sicher ein Vermögen gekostet.

Erste Übernachtung auf norwegischem Sand

Wir sind dann ein paar Kilometer an der Küstenstraße Richtung Oslo gefahren, irgendwo auf eine kleine Straße Richtung Meer abgebogen und haben uns dann für den Rest der Nacht einen Campingspot auf einem kleinen Sandstrand gesucht. Das Zelt aufzubauen war trotz mangelnder Übung überhaupt kein Problem. Wir hatten uns von meinem Freund Gilbert dessen riesiges „Wurfzelt“ ausgeliehen, bei dem man nur ein paar Strippen lösen muss und schwuppdiwupp steht das Zelt, man muss nur noch Häringe setzen und ein paar Leinen straffen. Am Ende der ersten Nacht lernten wir aber die Lektion, daß Häringe im Sand _nicht_ gut halten, denn am frühen Morgen wurde uns das Zelt (mit uns darin) fast weggeweht. Nach notdürftiger Sicherung wurde Kaffee gekocht, so langsam kam trotz verhangenen Himmels Urlaubsstimmung auf. Die endete dann jäh, als es schlagartig zu regnen begann und wir – mangels Übung – doch arge Schwierigkeiten hatten, die komplizierte Falttechnik zum Zusammenlegen des Zelts anzuwenden. Lautes Gefluche und allgemeines Eingesaue.

Anschließend fuhren wir die Küste Richtung Osten hoch und machten einen kurzen Zwischenstop in Skien, wo mein alter Freund Markus seit ein paar Jahren lebt. Die Metropole Oslo streiften wir nur an der Peripherie und bogen dann auf die E6 Richtung Norden ab. Die E6 ist große Überlandstraße, die sich einmal durch ganz Norwegen zieht, bis kurz vor´s Nordkapp. So ziemlich jeder, der in den Norden will, reist auf der E6, denn die kleineren (küstennäheren) Straßen kosten viel mehr Zeit, da sie weniger ausgebaut sind und man immer wieder mal eine Fähre nehmen muss. Die E6 hat auf ihrer Länge nur eine einzige Fährpassage, kurz vor Narvik. So richtig schnell kommt man aber auch auf der E6 nicht voran, denn es gilt – wie überall in Norwegen –  ein Tempolimit von 80km/h, nur an ganz wenigen Stellen sind 90km/h erlaubt. Von der Fähre in Kristiansand hatte wir erstmal rund 1.600km bis auf die Lofoten zu fahren.

Unser Etappenziel für den ersten Tag war Lillehammer, Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1994. Dort fanden wir einen gut ausgebauten Campingplatz direkt am See, nichts besonderes, aber ganz nett.

IV. Lillehammer

Am nächsten Morgen wollten wir uns ein bißchen in Lillehammer umsehen, zur Vorbereitung hatten wir die amüsante Serie „Lillyhammer“ auf Netflix gesehen. :-) Nein, natürlich interessierten uns vor allem die Olympia-Stätten. Es ist schon beeindruckend, wie bescheiden und unprätentiös die Norweger in diesem kleinen Städtchen Olympia gestemmt haben, gerade wenn man sich die monströsen Veranstaltungen der letzten Male wie in Sochi, Turin oder Salt Lake City in Erinnerung ruft.

Olympiaschanze in Lillehammer

Man kann ein paar der Hallen von außen ansehen, das Olympische Dorf, aber so richtig interessant ist eigentlich nur die Schanze oberhalb der Stadt. Wir standen gerade am (erloschenen) Olympischen Feuer, als 2 junge Männer mit Ski, Helmen und Overalls an uns vorbeimarschierten. Da der Hang mit einer Art Kunstrasen belegt ist, kann die Schanze auch im Sommer genutzt werden und tatsächlich trainierte an diesem Tag die norwegische Nationalmannschaft. Es war schon ein bißchen kurios, bei  25 Grad plus in einem Skilift zu sitzen, während im Minutentakt Skispringer an einem vorbeifliegen. Oben am Schanzenturm hatte man einen schönen Blick über ganz Lillehammer und die Schanze hinunter. Ich muss sagen, die ist richtig, richtig steil….Man kann sich die Springer aus allen möglichen Perspektiven ansehen, von oben vom Turm, von der Treppe, die direkt an der Schanze hinunterführt, am spannendsten ist es aber, direkt unter dem Schanzentisch zu stehen und die Springer direkt über den Kopf hinweg fliegen zu lassen. 

V. Peer Gynt Vegen

Etwa 15km nördlich von Lillehammer bogen wir von der E6 ab, um den berühmten Peer Gynt Vegen, eine ungeteerte Straße über ein Hochplateau, abzufahren. Auf dieser Strecke zeigte sich Norwegen zum ersten Mal (auf diesem Trip) von seiner rauen Seite. Die Straße führt über eine weite Hochebene mit niedriger Vegetation, die mit zig Seen und zahlreichen Schafen auf der Straße verziert ist. Dazu traumhaftes Wetter, das war mal eine schöne Abwechslung zur bis dahin „ganz netten“ E6.

Am Abend passierten wir dann Trondheim und suchten uns bei Levanger einen Campingplatz. Offenbar war der Campingplatz beliebt bei „Dauercampern“ aus Trondheim, überall fest installierte Wohnwagen, alles etwas spießig, nicht so ganz unser Geschmack von Camping, aber wir nahmen den ersten Platz, den wir finden konnten.

VI. Über den Polarkreis

Am 3. Tag unserer Reise galt es richtig Strecke zu machen, wir lagen mit unserem Zeitplan schon zurück, denn eigentlich hatten wir gehofft, am 3 Tag schon die Lofoten zu erreichen. Mit ein paar kleinen Stops entlang der Strecke und einer Mittagspause an einem sehr, sehr schönen Fluß war auch schon wieder der Vormittag rum, am Nachmittag, ca. 100km vor Mosjoen, begann sich die Landschaft dann deutlich zu ändern: Die Berge waren nun blanker Fels, kahl, und sahen schon richtig subarktisch aus, man konnte gut die Einflüsse der Gletscher der letzten Eiszeiten sehen. Wir waren mittlerweile in „Nord Norge“ angekommen, wie uns ein großes Schild über der E6 verriet.

Am Polarkreis

Auch in dieser Gegend gilt die „Regel“ von Reisen in Norwegen: Du weißt nie, was Dich hinter der nächsten Kurve erwartet, vielleicht sieht es ganz anders aus. Eben fährst Du noch durch ein bewaldetes Tal, dann geht es eine Paßstraße hoch und innerhalb von Minuten fährst Du über eine Hochebene mit Tundra und schneebedeckten Bergen an den Rändern, die aussieht als wärst Du in Grönland. So zum Beispiel ca. 50km nördlich von Mo I Rana, man fährt hoch auf das Saltfjellet und ist in einer anderen Welt. Aber man ist nicht allein, denn kurz hinter dem Beginn des Fjells steht das „Polarsirkelensenteret“, das Polarkreiscenter, ein Pflichtstopp für Touristen. Es gibt ja die Äquatortaufe, für Simone war das sozusagen die Polarkreistaufe. Das Center besteht eigentlich nur aus einem großen Gebäude mit Souvenirshop und zwei „Markern“, vor denen man die Pflichtbilder machen kann/muss, aber die Landschaft drumherum ist schon sehr schön, gerade in der Abendsonne.

Der Polarkreis umschreibt die imaginäre Linie, unterhalb derer die Sonne zur Sommersonnenwende (21. Juni) gerade nicht untergeht. Das heißt, am Polarkreis hat man genau einen Tag „Mitternachtssonne“ und eben auch, daß dieses Phänomen mit der weiteren Reise Richtung Norden (im Sommer) zunehmen würde. Ach, laßt es Euch doch hier genauer erklären! :-) Auf jeden Fall kann man schon hier feststellen, daß das Licht soweit im Norden sehr stimmungsvoll und gut zum Fotografieren ist.

Abends fanden wir einen netten Campingplatz an der E6 bei Storjord. Hier wurde auch zum erstenmal der 10€ Grill von amazon getestet und bei dieser Gelegenheit gleich das grandiose Gericht „Köttbollar Dürüm mit geschmorten Zucchini und Paprika“ kreiert, das ein Klassiker dieser Reise werden sollte (zumindest bis die Packung Dürüm leer war).

Der ganze nächste Tag führte uns bei Kaiserwetter durch wunderschöne Landschaft. Ich hab ja wirklich ein Faible für „nordische“ Landschaften und hier war es wie ein einziger „Best of“-Film. Am frühen Nachmittag erreichten wir Bognes, die einzige Stelle, an der die E6 durch eine Fähre unterbrochen wird. Hier kann man entweder übersetzen und dann weiter nach Narvik und von dort aus auf die Lofoten fahren oder man nimmt die Fähre direkt zur Mitte der Lofoten-Kette, nach Lodingen. Wir hatten nach 3 Tagen Fahrt erstmal genug vom Autofahren (obwohl die Strecke phantastisch war mit Ausnahme der Ecke um Oslo) und nahmen die direkte Fähre, der Umweg über Narvik hätte noch einmal 250 km bedeutet. Also stellten wir uns in Bognes brav in die Schlange und warteten ca. 1h auf die Fähre quer rüber auf die Lofoten.

HIER geht´s weiter auf die Lofoten

 

 

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