Moskau

1. Anreise nach Moskau

Anders als einige, die wir später in der TransSib kennenlernten, reisten wir mit dem Flugzeug nach Moskau an und nicht schon ab Berlin mit dem Zug. Erstens hieß es, die Strecke durch Weißrussland und das Westliche Russland sei ziemlich langweilig, zweitens hätte man dafür noch ein weiteres (Transit-) Visum für Weißrussland besorgen müssen und drittens war unser Zeitbudget eng, so daß wir uns die 2 Tage Zugfahrt von Berlin nach Moskau sparten und mit Germanwings nach Moskau-Vnukovo flogen. Unsere späteren Zugnachbarn, die Franken, sind allerdings hard-core ab Schweinfurt mit dem Zug bis Peking gefahren.

In Moskau die erste Überraschung: Wir waren in Berlin bei recht frischen Temperaturen (es war ja schon September) losgefahren, in Moskau erwarteten uns Temperaturen knapp unter 30 Grad und T-Shirt-Wetter! Mit der wegen ihrer prachtvollen Bahnhöfe weltberühmten Metro fuhren wir ins Zentrum, wo wir ein Hotel ganz in der Nähe des Kremls gebucht hatten.

– Kleiner Exkurs zum Russischen bzw. zum kyrillischen Alphabet:

„Burger King“ auf Kyrillisch, easy :-)

Schon auf diesem Stück hatten wir große Freude am Entziffern von kyrillischen Buchstaben. Am Flughafen und dem dazugehörenden Bahnhof stand fast alles noch in englischer Übersetzung (und lateinischen Buchstaben) auf den Schildern. Das ändert sich dann schlagartig: Es gibt so gut wie keine nicht-kyrillischen Schilder. Wer also überhaupt keine kyrillischen Buchstaben lesen kann, wird teilweise Schwierigkeiten haben, sich zurechtzufinden. Mein Russisch ist sehr rudimentär, ich kann ein paar wenige Brocken, mit denen man von A nach B kommt und was zu Essen bestellen kann, aber ich kann die Schrift mittlerweile ziemlich gut lesen (bis auf ein paar seltene Buchstaben, die aber meistens eh nur Diphtonge oder Stummzeichen sind). Das hilft auf jeden Fall weiter, denn sehr, sehr viele Wörter, die für Touristen interessant/wichtig sind, sind Lehnwörter aus dem Deutschen (z.B. Kartoffelnoje Pjure, Marschrut, Butterbrot. Wer mehr dieser teilweise kuriosen Wörter lesen möchte, wir HIER fündig), Englischen (Bisnesmen) oder Französischen (z.B. Restoran, Biljet, Bagasch, Tualet), Lateinischen, so daß man auch ohne größere Russisch-Kenntnisse recht viel entziffern kann. 

Es lohnt sich also, sich das kyrillische Alphabet anzueignen, das habt ihr in zwei Stunden drauf! Und dann habt Ihr auch immer kleine Erfolgserlebnisse, wenn Ihr wieder was entziffern könnt!

2. Moskau, Zentrum

Roter Platz und Basilius-Kathedrale

Nach dem Einchecken sind wir dann natürlich sofort los Richtung Kreml, den wir im Uhrzeigersinn umrunden wollten, um so auf den Roten Platz und zur Basilius-Kathedrale zu gelangen. Überall wimmelte es von Leuten, halb Moskau schien auf den Beinen zu sein, um die Sonne zu genießen. Eine herbe Enttäuschung war allerdings, daß der Rote Platz GESPERRT war wegen eines dämlichen Military Tattoo Festivals (Tattoo= an sich: Zapfenstreich, aber hier stellten russische, britische und andere Soldaten ihre Uniformen zur Schau). Klasse: Das Festival sollte DREI Tage dauern und währenddessen blieb der Rote Platz gesperrt für Besucher. Damn! Aber auch so gab es in der Gegend einiges zu sehen, nicht zuletzt das Kaufhaus Gum.

Unsere Spontan-Freunde in der Unterführung

Am Abend besuchten wir die “Flaniermeile” Arbat im historischen Zentrum von Moskau. Dort reiht sich Restaurant an Bar, außerdem war gerade ein Treffen des Honda GoldWing MC Moskau im Gange, soviele peinliche Motorräder mit blinkenden Girlanden hab ich noch nie gesehen. Wie in Berlin erschien auch in Moskau das Flanieren mit Bierflasche in der Hand schwer angesagt, wird dort aber auch von Männern in Anzug und herausgeputzten Frauen praktiziert. Insgesamt herrschte dort eine sehr lockere Atmosphäre. Hier erfüllte sich auch das Klischee von den Russen und dem Wodka: Fast alle, selbst die 3 älteren Damen im Kostüm am Nachbartisch bestellten sich zum Essen eine 0,375l Wodka-Flasche, was immerhin auf 6 “Kurze” pro Dame hinauslief. Viele der Moskauer Straßen sind so breit, daß es keine Fußgängerampeln gibt, sondern man durch Unterführungen muß. Bei der, die zum Arbat führte, hatten wir auf dem Hinweg eine Band beim Aufbauen ihres Equipments gesehen, auf dem Rückweg war das Konzert in vollem Gange, es standen sicher 150 Leute in der Unterführung, um russischer Rockmusik zu lauschen. Da nebenan praktischerweise ein Kiosk war, stellten wir uns mit einem Bier dazu. Sofort fanden wir “neue Freunde”, die auch gleich einen jungen Mann aus einer anderen Gruppe rekrutierten, der des Englischen mächtig war, um mit uns kommunizieren zu können. Die Völkerfreundschaft wurde sehr ausgiebig besprochen, dazu wurde das Tanzbein geschwungen und schräge Gruppenfotos gemacht. Netter Ausklang des ersten Abends.

3. Im Kreml

Der Rote Platz

Den nächsten Tag begannen wir mit der obligatorischen Kreml-Besichtigung. In der riesigen Anlage mit sehr hohen und sehr dicken Mauern findet sich ein spannendes Konglomerat von Museen, Kirchen, Palästen aus mehreren Jahrhunderten. Neben den historischen Gebäuden findet man hier auch einige neuere Gebäude aus Sowjetzeiten, in denen tatsächlich ein beträchtlicher Teil der russischen Regierung arbeitet und den Präsidentenpalast. Allein in den beiden großen Museen kann man Tage verbringen, wir haben uns die „Armoury“, die Rüstkammer der Zaren, angesehen, in der man Juwelen, Kutschen, Kleidung, Gastgeschenke anderer Herrscher, Fabergé-Eier und allerlei Geschmeide mehr findet. Zwar wurde der Großteil der Sammlung mit dem Umzug der Zarenhauptstadt nach St. Petersburg eben dorthin gebracht, aber das ganze ist immer noch sehr prachtvoll. Unbedingt besuchen!

Abends trafen wir unseren Freund Anton, einen Studenten meiner Mutter, mit seiner Frau Evgenia zum Essen in der Nähe des Arbats, so daß wir dank deren soliden Englischs endlich mal Anschluß an Locals hatten. Anton war so nett und kaufte für mich eine russische SIM-Karte, damit die Erreichbarkeit (und das Internet!) auf der TransSib gesichert war. Lustigerweise gibt es wegen der immensen Größe Russlands innerhalb des Landes Roamingzonen, d.h. mit einer in Moskau gekauften Karte zahlt man in Sibirien geringfügig (1ct pro Minute oder so) mehr für Gespräche und Datenverkehr.

4. Nochmal Roter Platz und Kaufhaus GUM

Am nächsten Morgen: So schnell wollten wir nicht aufgeben, was den Roten Platz anging. Aber keine Chance, der Platz war immer noch abgesperrt für die dämliche Militärshow. Also blieb uns nichts anderes übrig, als ins Kaufhaus GUM zu gehen, dort einen Laden mit großen Fenstern zu suchen und von dort aus endlich ein paar Bilder vom Roten Platz und der Basilius-Kathedrale zu machen. Das Kaufhaus selbst ist kein einheitlicher Laden, sondern ca. 100 einzelne Geschäfte, man findet alles was Rang und Namen in der Welt der Mode und des Luxus hat. 

5. Ticket Pick-Up am Jaroslawer Bahnhof

Am Leningradskaya Woksal

Wir hatten unsere Tickets über eine englischsprachige Seite in Russland gebucht, die grundsätzlich einen sehr professionellen Eindruck machte. Nur der Umstand, daß wir lediglich eine Emailbestätigung für die gebuchten Tickets hatten und diesen Wisch vor Ort dann in richtige Tickets umtauschen sollten, machte uns irgendwie nervös, denn es bestand immer noch das Risiko, daß die Dame am Schalter uns fragend ansehen oder auslachen würde. Unser Zug ging erst um 23.30 Uhr, aber wir wollten nicht ohne Ticket in der Hand am Zug stehen, Nachlösen im Zug gibt´s nicht bei so einem Trip. Daher entschieden wir uns, vom Roten Platz aus zum „Bahnhofsplatz“, Ubahn-Station Komsomolskaya, zu fahren. Auf dem Weg dorthin konnten wir die Pracht der Moskauer Metro („Die Kathedralen der Arbeiterklasse“) bewundern. An der Komsomolskaya stehen vier Kopfbahnhöfe, von denen aus die Hauptlinien in verschiedene Richtungen starten: Es gibt den Leningradskaya Woksal (Woksal=Bahnhof), den Kasaner Bahnhof, Moskwa Passaschirsky und den Jaroslawer Bahnhof, von dem aus die Züge gen Sibirien starten (Außerdem gibt´s u.a. noch den Kursker, Kiewer, Rigaer und Smolensker Bahnhof). Das ganze Ensemble ist schon recht beeindruckend, es weht der Wind der weiten Welt (und der Zarenzeit und der der Sowjetunion) für Reisende. Im Jaroslawer Bahnhof fanden wir schnell den Schalter für die Internet-Tickets. Jetzt wurde es spannend! Und ganz schnell wieder entspannt, denn unser ausgedruckter Voucher wurde vollkommen problemlos umgetauscht und wir hielten originale Tickets in den Händen.

Check-In

Nachdem wir uns noch ein bißchen vor dem Bahnhof umgesehen hatten, machten wir noch ein bißchen Sightseeing an der Moskwa und trafen dann abends nochmal Anton und Evgenia, die uns zum Proviantkauf fuhren und anschließend eine kleine Stadrundfahrt mit uns machten. Gegen 22.30 fuhren die beiden uns zum Bahnhof und ließen es sich nicht nehmen, uns bis ins Abteil zu bringen. Während wir darauf warteten, daß der Zug geöffnet würde, lernten wir schonmal auf sehr kuriose Weise ein paar unserer Nachbarn kennen: Aus einer 3er-Gruppe von Franzosen erlitt einer auf dem Bahnsteig einen epileptischen Anfall und lag zuckend auf dem Bahnsteig. Juliane half ihm soweit es ging und schnell war der Anfall vorbei. Die Schaffnerin unseres Waggons, ein grimmig dreinblickender „Drachen“, der sich aber als recht umgänglich entpuppte, fragte besorgt, ob der Franzose wirklich mitfahren wolle, was dieser natürlich bejahte, er wolle nur noch kurz liegenbleiben. Juliane sorgte sich, daß sie als Ärztin während der 3,5 Tage bis Irkutsk im Dauereinsatz sein müßte, glücklicherweise blieb der Franzose aber gesund.

Im unserem Abteil lernten wir Olga aus Irkutsk kennen, die ein klein wenig Deutsch sprach und in den 80ern mal in Berlin war, eine sehr nett und sehr schüchterne Frau. Die mit dem eingangs erwähnten Kaviar :-). Das vierte Bett im Abteil blieb leer, praktisch für die Gepäckablage. Es gibt zwar genug Stauraum, aber so war es praktischer. Im Nachbarabteil fuhren die 3 Franken, Vater Helmut, ein pensionierter Eisenbahner, mit seinen beiden Söhnen Tobias und Andreas. Rechts von uns dann noch insgesamt 5 Schweden. Das versprach lustig zu werden. Und das wurde es! :-)

HIER geht´s weiter auf die Strecke nach Irkutsk

 

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