Simien Mts. und Gonder

I. Von Aksum nach Debark

Im Hochland

Für unser nächstes Ziel, eine Wanderung in den Simien Bergen, mußten wir erst einmal von Aksum in die am Rande des Simien Mountains National Park gelegene Stadt Debark, ca 250km weiter südlich, gelangen. Es gibt nur eine einzige, bekanntermaßen spektakulär schöne aber auch atemberaubend schlechte Straße vom Norden nach Debark.

Trotz seiner Wichtigkeit für die Region liegt Aksum leider etwas ab vom Schuss, was die Hauptrouten angeht, es gibt keine direkte Verbindung von dort nach Debark. Die Angebote verschiedener Leute, mit denen wir in Aksums Straßencafés sprachen, uns einen Lkw-Fahrer zu vermitteln, der uns bis Debark mitnehmen würde, erwiesen sich als Humbug und kosteten uns einen kompletten Tag in Aksum (was aber nicht das schlechteste war). Letztlich mußten wir einen Mini-Bus chartern, der uns bis zur 30km entfernten nächsten Stadt brachte, von wo aus der Bus nach Debark starten sollte. Zwar mußten wir für den „Zubringer“ um 5.00 Uhr früh starten, letztlich erwies sich diese Anreise aber als Glücksfall, denn durch Vermittlung des Fahrers des Mini-Buses kamen wir vor Öffnung des Busbahnhofs schon aufs Gelände und konnten so im Bus die Logen-Plätze belegen.

Und bei dieser Strecke war das Gold wert, denn die Straße ist eine der schönsten, die ich je gefahren bin! Zwar brauchten wir fast 11 Stunden für die 220km bis nach Debark, aber jeder Kilometer war sehenswert. Zunächst geht es durch leicht bergiges Terrain, oft am Tekeze Fluss entlang, dann tauchen linkerhand die Simien-Berge auf, die einen ein paar Stunden begleiten. Und schließlich klettert die (in den 1930ern von den Italienern gebaute) Straße mitten in diesen Tafelberg-ähnlichen Gebirgsstock hinein. Weite Teile der Strecke sind derzeit Baustelle, manchmal mußte der Bus warten bis ein Bulldozer die hüfthohen Felsbrocken auf der Straße beiseite geräumt hatte.

Nach der Mittagspause in einem Straßennest, in dem aber immerhin die ungeteerte Straße mit Wasser besprenkelt wurde, wurde es dann richtig spektakulär, als sich die Straße hinauf in die Simien Mountains schlängelte.

II. Debark

In Debark machten wir (aufgrund einer wenig nachvollziehbaren Empfehlung des Lonely Planet) Quartier im Giant Lobelia Hotel, das sich als versifftestes Hotel der gesamten Reise herausstellen sollte. Besonderen Spaß hatten wir mit dem Manager, der unsere Nachfrage, ob es ein Zimmer gäbe, in dem das Bad nicht vollkommen desolat sei, mit Verwunderung quittierte, es sei doch nicht schlimm, wenn das Wasser ca. 1cm tief auf dem Boden stehen würde, wir hätten das Zimmer doch vorher besichtigt. Na ja, wir mußten ja flott unsere 2-3tägige Wanderung in den Simien Mountains organisieren.

Bei der Suche nach Transport, Koch, Mulis etc. wurde es wieder nervig, denn alle „Tour Operators“, die in der Lobby bereit standen, teilten uns mit, dies und das oder jenes sei nicht möglich/zu diesem Preis nicht möglich/nicht erlaubt, blabla. Wir gingen also los zur Nationalpark-Verwaltung, um zumindest mal das Permit und den obligatorischen Scout zu buchen. Im Office stand dann bereits wieder der Tour Operator aus dem Hotel, der schließlich sehr enttäuscht war, daß wir den Papierkram allein hinbekamen. Auf dem Weg zum Office hatten wir Anna und Severin, zwei Studenten getroffen, die ihre Tour für den nächsten Tag bereits klargemacht hatten. Die waren leicht wieder im Ort aufzutreiben und schnell waren wir uns einig, uns zusammenzutun, was Transport und Essen anging. Nach kurzen Nachverhandlungen mit deren Fahrer stand der Deal.

III. Trekking in den Simien Mountains

Simien Mountains

Die Simien Mountains sind, wie gesagt, ein Tafelgebirge mit Höhen zwischen 2.600m bis 4.600m. Man starten den üblichen 3-Tagetrek mit einer kurzen Busfahrt, auf der es Dutzende der Dschellada Paviane zu sehen gab (die sich aber später nicht mehr blicken ließen) bis an den Rand des „Kliffs“, wo das Gepäck von Muli-Treibern übernommen und ins angepeilte Camp gebracht wird. Die Treiber nehmen hierfür die Straße, die teilweise parallel in einigem Abstand zum Trekking-Pfad verläuft. Man wandert dann einige Stunden entlang der „Tafelberg-Kante“ und hat phantastische Ausblicke in das knapp 1000m-1500m tiefer gelegene Hügelland. Anschließend biegt man in ein sehr weites Hochtal nach Osten ab zum Geech Camp. Die Landschaft in den Simien-Bergen ist schon sehr speziell, eine ähnliche Gebirgslandschaft hab ich zumindest noch nirgendwo sonst gesehen.

Kurz vor dem Geech Camp machten wir Station in diesem sehr, sehr urigen „Café“. Es handelte sich um die Wohnhütte einer siebenköpfigen Familie. Die Wände waren grob mit Lehm verputzt, der Boden bestand aus gestampftem Lehm, die Menschen schliefen auf Holzemporen, darunter hausen zeitweilig Ziegen, Hühner und Schafe. Gekocht wird auf offenem Feuer, irgendwelchen Luxus (außer einer alten Ausgabe von „Illu der Frau“, siehe Bilder) hatte die Familie offenbar nicht. Hier haben wir das einzige Mal in den 3 Wochen die vollständige äthiopische Kaffeezeremonie mitverfolgt: Waschen der grünen Kaffeebohnen, Rösten, Mahlen, Brühen. Heraus kommt ein Kaffee mit einem sehr deutlichen Röstaroma, das man so nicht kennt. Ich fand´s großartig.

Die Nacht verbrachten wir nicht im Zelt, wir buchten uns in die sehr einfache „Lodge“ ein, deren Angebot schlicht gekalkte Zimmer mit 5 einfachsten Betten umfaßte. Da wir aber die einzigen Gäste waren, konnten wir jeder 2 der sehr dicken Polyester-Decken benutzen.

Auf dem Weg zum Imet Gogo

Wir haben unter den doppelten Decken in der „Lodge“ hervorragend geschlafen, während Anna und Severin wegen zu dünner Schlafsäcke wohl leider keine gute Nacht hatten, die Stimmung beim Frühstück war trotzdem gut. Zusammen wollten wir auf den Aussichtspunkt Imet Gogo steigen, von wo aus  Jürgen und ich zur Straße abbiegen wollten, während Anna und Sev noch zwei Tage weiter wandern wollten.

Der Trail zog sich vom Geech Camp aus ganz gemächlich an großen Lobelien vorbei nach oben, bis man dann am Imet Gogo auf 3.960m wieder an der Kante steht und die wirklich atemberaubende Aussicht genießen konnte. Ganz kurz nach Verlassen des höchsten Punkts des Treks bin ich dann mit dem linken Fuss umgeknickt. Das ist mir auf fast jeder längeren Wanderung schon passiert, immer mit links, gab leichte Schwellungen und farbenfrohe Hämatome, aber das war´s in der Regel auch. Nach kurzer Pause konnte ich auch hier einigermaßen gut weiterlaufen. Aber am Ende des Treks, als wir im Bus saßen, ging die Schwellung dann schlagartig richtig los und zwei, drei Tage verschärftes Humpeln waren angesagt. In Berlin stellte sich das ganze dann als kompletter Abriss des Außenbands heraus.

Da Anna und Severin ja noch weiter gingen, hatten wir uns beim Mini-Bus von 2 Amerikanern „eingebucht“, nach der Ankunft in Debark fuhren wir sofort mit dem nächsten Mini-Bus weiter ins ca. 2 Stunden entfernte Gonder.

IV. Gonder

Downtown Gonder

Das auf 2.100m Höhe gelegene Gonder war zwischen 1635 und 1852 äthiopische Hauptstadt. Insbesondere Kaiser Fasilidas legte hier ein großes Palast-Ensemble an, in dem der Hofstaat residierte. Heute noch stehen die Paläste des Königs, verschiedene Fürstenhäuser, die Banketthalle, mehrere Kirchen, die Bibliothek und Ställe, wobei man nicht alle Gebäude betreten kann. Diese sog. „Royal Enclosure“ gehört auch wieder zum UNESCO-Weltkulturerbe (hört das denn nie auf hier!?!). Einige der Gebäude ähneln trotz der geographischen Spanne viel eher europäischen Ritterburgen als in der näheren Umgebung gelegenen arabischen Festungen und Prachtbauten.

In den Jahren 1936 bis 1941 hatte das faschistische Italien Äthiopien besetzt und (zusammen mit Eritrea und Britisch-Somaliland) der Kolonie Africa Orientale Italiana einverleibt. Den deutlichsten Stempel dieser kurzen Kolonialherrschaft haben die Italiener der Region in Gonder aufgedrückt, hier besteht das Stadtzentrum aus Zweckbauten im Stil der italienischen Moderne und auch im Rest der Stadt findet man Villen italienischer Prägung. Bei unserem Hotel Fogera handelt es sich laut Lonely Planet ebenfalls um eine „former fascist villa“. Zu dem eigentlichen Hotel gehören noch ein Dutzend Bungalows, die einen deutlich besseren Standard haben, wir landeten im ziemlich abgerockten, aber doch irgendwie „kultigen“ Room No.3, das wegen seiner explizit im Lonely Planet genannten 70 Jahre alten Tapeten besonders empfohlen wird. Die Tapeten wurden zudem irgendwann mal mit folkloristischen Motiven bemalt (s. Fotos).

Nachdem wir die Royal Enclosure besucht und Verbandszeug für den Knöchel aufgetrieben hatten, schauten wir uns am frühen Abend noch die Kirche Debre Birhan Selassie an, die berühmt für ihre Innendekoration ist. Die meisten orthodoxen Kirchen hier sind reich mit Bildern biblischer Szenen verziert, meist in einem sehr „naiv“ wirkenden Mal-Stil. Wie schon erwähnt, dürfen Frauen manche Kirchen überhaupt nicht betreten, hier gab es spezielle Eingänge für Männlein/Weiblein, zudem war draußen auf einem Schild zu lesen, daß Frauen während der Menstruation vom Betreten Abstand nehmen sollte und ebenso Frauen und Männer, die am Tag zuvor Sex hatten. Die Religion, immer auf Höhe der Zeit….

HIER geht´s weiter nach Bahir Dar und zum Lake Tana

HIER geht´s zurück nach Lalibela und Aksum

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.