Lofoten

I. Auf die Lofoten

Schon die Fähre von Bognes nach Lødingen auf der (Lofoten-)Insel Hinnøya war ein Erlebnis für sich. Bei (wieder mal) strahlendem Sonnenschein überquerten wir den Vestjford, der die Inselgruppe vom Festland trennt. Auch hier war das Meer zu unserer Überraschung sehr ruhig und die Temperaturen mit über 20 Grad sehr angenehm. So richtig nach „300km nördlich des Polarkreises“ fühlte sich das alles nicht an, aber das konnte uns nur recht sein. Kurz nach dem Ablegen in Bognes konnte man bereits die gesamte Lofot-Kette bis runter zur letzten Insel Moskenes sehen, man versteht beim Anblick dieser von der schmalen Küste steil aufragenden Berge (bis 1.200m hoch) sofort, daß die Lofoten nichts anderes sind als ein „abgesoffenes Gebirge“. Auf dem Festland standen nicht weniger spektakuläre kahle Berge an der Küste Richtung Narvik.

Ein paar Fakten zu den Lofoten:

Reine, Lofoten

Zur Inselgruppe der Lofoten (eigentlich: Der Lofot. Übersetzt: „Luchsfuß) zählen rund 80 Inseln, die sich in einem großen Bogen von der norwegischen Küste wegziehen, nach Nordosten schließen sich die Vesterålen an. Es leben nur insgesamt ca. 24.000 „Lofotinger“ auf den Inseln, die meisten (4.000) davon im Hauptort Svolvær auf der Insel Austvagøya. Neben dem Tourismus ist der Fischfang die bedeutendste Industrie auf den Lofoten, vor allem Kabeljau/Dorsch wird dort zwischen Januar und Mai gefischt, der dann auf riesigen Holzgestellen zu Stockfisch/Klippfisch getrocknet wird und anschließend zumeist in katholische südliche Länder wie Spanien, Portugal und Italien verkauft wird (wie uns erklärt wurde), wo er in Bacalao oder anderen Gerichten Verwendung findet. Die Dorsch-Köpfe werden angeblich nach Nigeria exportiert, wo sie für eine landestypische Fischsuppe verwendet werden.

Trotz ihrer Lage weit oben im Nordatlantik herrscht auf den Lofoten ein ziemlich mildes Klima, selbst im Dezember und Januar (wenn die Sonne überhaupt nicht aufgeht!) liegen die Temperaturen meist bei um die 0 Grad, kälter als -10 Grad wird es nur sehr selten. Dafür sind die Sommer überraschend warm, mit Höchsttemperaturen knapp an der 30 Grad-Marke. Der Grund für diese Klima ist der nördliche Golfstrom, der sich schräg über den Atlantik zieht und dann nördlich von Norwegen in ein Tiefseebecken stürzt. Ohne dieses Phänomen sähe es in Norwegen (und den Britischen Inseln und weiten Teilen Europas) ganz anders aus. Ich habe den Polarkreis schonmal in Kanadas Northwest Territories (jetzt „Nunavut“) überquert und DA war es genau so wie man es vom Polarkreis erwartet: Kalt, grau, regnerisch windig (aber toll). Und das Nordwetter legte für uns anscheinend extra noch ein Schippe drauf, laut Zeitungsberichten war der Lofot-Sommer 2014 der heißeste Sommer seit 80 Jahren.

II. Svolvær und Umgebung

Aussicht vom Campingplatz in Svolvaer

Angekommen in Lødingen fuhren wir Richtung Westen nach Svolvær, um dort Quartier zu machen für die weiteren Erkundungen. Schon diese knapp 120km Strecke waren landschaftlich schlicht ein Traum. Ja, das hab ich schon ein paarmal geschrieben, aber bei den Lofoten stimmt es einfach überall. Fast die gesamte Strecke (und so gut wie alle anderen Straßen auf den Lofoten) führt an der Küste entlang, zur einen Seite das Meer, zur anderen Seite die steilen Berge, teilweise mit Schneefeldern bedeckt, dazwischen kleine schmucke rote Häuser auf den Felsen, pittoreske Fischerhäfen, Seen, Wald, alles wie im Bilderbuch und das Wasser ist stellenweise so klar, daß man mehrere Meter tief bis auf den Grund sehen kann. Die Inseln sind untereinander mit teilweise spektakulär geschwungenen Brücken verbunden, was den Fahrspaß nochmal erhöht.

Den Hauptort Svolvær ließen wir erstmal „links liegen“ und bogen kurz vor der Stadt von der E10, wie die Hauptstraße der Lofoten heißt, zu Hammerstad Camping ab. Die Campingplätze in Norwegen sind oft so gebaut, daß möglichst viele Wohnmobile auf Kiesplätzen nebeneinander Platz haben, teilweise werden Gäste mit Zelt ein wenig „stiefmütterlich“ behandelt, gerade wenn insgesamt nicht viel Platz ist. So auch bei Hammerstad Camping: Für die Zelte war nur ein kleines Stück am Ufer freigegeben. Aber WAS für eins! Ich glaube, das war von der Aussicht her einer der schönsten Campingspots, die ich je gesehen habe! Wir konnten gerade noch die allerletzte Nische am Ufer mit unserem monströsen Zelt belegen, danach war der Platz eigentlich dicht. Schnell das Zelt aufgebaut, Tisch und Stühle vors Zelt, ein „Feierabendbier“ und dann nur noch freuen und die Aussicht genießen! 

III. Wanderung auf Austvågøya

Am nächsten Morgen wollten wir uns endlich mal die Beine vertreten! Nichts gegen „Autowandern“ in Norwegen, aber nach mehreren Tagen „on the road“ brauchten wir doch dringend Abwechslung. Wir hatten uns vorher aus dem Internet eine Wanderung auf der Nordseite von Austvågøya, ca 20km nördlich von Svolvær, ausgesucht, die uns über den immerhin 788m hohen Gipfel Matmora von der Straße FV888 an der Westküste zu dem kleinen Ort Delp führen sollte. Aber es kam ein bißchen anders….

Wanderung zur Matmora

Zunächst ging es von Meereshöhe in Serpentinen durch den Wald relativ steil bergan. Nach ca. 400 Höhenmetern erreichten wir ein Plateau, das leicht anstieg zu den Geröllhängen von Stornestinden und Matmora. Nachdem wir ca 2h gegangen waren, machten wir eine Pause, bevor wir den steilen Anstieg zur Matmora in Angriff nehmen wollten. Bei dieser Pause warf Simone einen Blick auf ihre Wanderschuhe, die sicher 15 Jahre alt waren und bis kurz vor dem Urlaub bei ihren Eltern im Keller gelagert hatten. Offenbar hatte der Zahn der Zeit recht heftig an den Schuhen genagt bzw. dem Weichmacher in der Sohle zu schaffen gemacht. Beide Sohlen hatten sich beim stetigen Bergauflaufen fast vollständig abgelöst, sie wurden nur noch durch ein bißchen porösen Schaum in der Mitte gehalten. Mit diesen Schuhen war die weitere Tour, deren „spaßiger“ Teil gerade erst beginnen sollte, nicht zu beenden, also versuchte Simone die Sohlen mit ausgefeilter Schnürtechnik unter den Schuhen zu fixieren, was nur bedingt klappte, aber immerhin bis zurück zum Auto reichte. Die Schuhe wurden fachgerecht entsorgt. :-)

IV. Henningsvær und Umgebung

Da die Wanderung wegen der „technischen Probleme“ bedeutend kürzer ausgefallen war als geplant, fuhren wir nachmittags noch einen großen Schlenker über die Insel Austvågøya. Auch hier zeigten sich die Lofoten von ihrer prachtvollsten Seite, hinter jeder Kurve eine neue schöne Aussicht, der (merkwürdigerweise) türkisfarbene Atlantik, dazwischen immer wieder Fischerdörfer, rote Häuschen und Stockfischgestelle.

Wir machten noch einen Abstecher nach Henningsvaer, einem kleinen Ort, der sowas wie die „High Society Zentrale“ der Lofoten ist mit seinem Yachthafen und schicken Restaurants. Der Ort liegt auf einer kleinen Insel, die wiederum über ein halbes Dutzend anderer Inseln zu erreichen ist, auch so eine Art „Overseas Highway“ mit flott geschwungenen Brücken dazwischen. Der Ort war schon ganz hübsch, zumal auch jede Menge „echte“ Fischerboote an den Molen mitten im Ort lagen, aber die Lage, so fast ohne Berge, war doch ziemlich „unlofotig“.

V. Auf dem Weg nach Moskenes, Nusfjord

Nach 2 Nächten auf dem Campingplatz bei Svolvær ging es weiter mit dem „Inselhopping“. Zuerst durchquerten wir Vestvågøy, das im Gegensatz zu den bisherigen Inseln über weite Strecken recht „lieblich“ erschien mit seinen sanften Hügeln und Feldern. Auf der nächsten Insel, Flakstadøya, besuchten wir den Fischerort Nusfjord, der als „Inbegriff der Lofoten“ gilt. Der Ort selbst ist winzig, liegt in einem tief eingeschnittenen Tal an der Küste und hat einen pittoresken Naturhafen, der die Boote perfekt vom offenen Meer abschirmt. Und weil der Ort so berühmt ist, kostet es Eintritt, ihn überhaupt betreten zu dürfen (wie übrigens fast alles in Norwegen Eintritt kostet, hier war es eben der ganze Ort). Der Eintrittspreis hat sich aber wirklich gelohnt, nicht nur wegen des pittoresken Orts, sondern auch weil Simone in einem Touri-Shop eine (sogar für norwegische Verhältnisse) extrem günstige und stylische Regenjacke von Didriksons1913 fand. :-) Kurz vor Moskenes konnten wir schon einen ersten Blick auf den Fischerort Reine werfen, der auf so ziemlich jedem Cover von Reiseführern zu den Lofoten abgebildet ist.

VI. Å i Lofoten

Unsere Hütte in Moskenes

Hinter Moskenes fuhren wir auf Empfehlung des Lonely Planet „Moskenesstraumen Camping“ an. Die Anlage liegt in der wirklich allerletzten Ortschaft auf den Lofoten, die den kurzen namen „Å“ trägt, zur Klarstellung aber Å i Lofoten genannt wird. Am Schlagbaum der Anlage empfing uns ein älterer Hamburger, der vor Jahren mal auf die Lofoten zum Angeln gekommen war und seither jeden Sommer dort lebt, als Hausmeister auf dem Campingplatz arbeitet und ansonsten eben nur angelt :-) Der Herr erzählte uns, es gäbe nur noch Hütten, das Camping hätten sie abgeschafft, weil die Camper immer soviel Dreck machten. :-)

Also blieb uns nur die Übernachtung in einer der 15 Hütten. Aber wie schon in Svolvaer: Volltreffer! Wir bekamen die mit Abstand am besten gelegene Hütte, in erster Reihe vom Meer, leicht erhöht auf einem Felsen, mit breiter Terrasse und Blick die Küste hinunter. Die Hütte war wirklich schwer zu toppen, selten hab ich irgendwo schöner gewohnt! Perfekt! Das war auch mit 85 EUR pro Nacht auch die teuerste Hütte der Tour, aber jeden Cent wert.

Innen war die Hütte eher rustikal, alles aus Holz, wie man es von irgendwelchen Schulfreizeiten kennt, und nicht mehr ganz taufrisch, aber wenn man so ein Wetter und so eine Terrasse hat, verbringt man eh nicht viel Zeit drinnen. Gerade weil hier oben das Phänomen Mitternachtssonne wirklich voll zur Geltung kam. Obwohl Mittsommer schon einige Wochen her war, war es trotzdem die ganze Nacht so hell, daß man z.B. problemlos lesen konnte. Es war wie immer total windstill und das Meer spiegelglatt, so daß wir bei angenehmen Temperaturen auf der Terrasse essen konnten, erst gegen 23.00 Uhr wurde es ein bißchen frisch.

VII. Wanderung zur Kvalvika-Bucht

Kvalvika-Bucht

Am nächsten Morgen stand eine weitere Wanderung aus unserem Norwegen-Wanderführer auf dem Programm, die abgebrochene am Vortag zählte ja nicht. Die Wanderung war als relativ leicht beschrieben und sollte zu einer der verlassenen kleinen Buchten an der Westküste führen, deren Siedlungen in den 1960ern aufgegeben wurden. Vorher hatten dort Familien eine Art Subsistenzwirtschaft mit ein bißchen Ackerbau und viel Fischfang und bis nach dem Krieg auch Tauschhandel mit „zivilisierten“ Dörfern betrieben. Da die Buchten aber alle nur zu Fuß oder mit Boot zu erreichen waren, haben im Laufe der Zeit eine Familie nach der anderen aufgegeben uns sich ein bequemeres Plätzchen gesucht.

Auf dem Weg zum Ausgangspunkt der Tour, ca. 30km nördlich von Moskenes, passierten wir noch einmal das Postkartendorf Reine und machten dort die obligatorischen Fotos. Von dort ging es über eine Brücke kurz wieder rüber nach Flakstadøya und dann wieder über eine Serie von kühn geschwungenen Brücken zum nördlichen Teil von Moskenesøya.

Wieder einmal waren wir von den Temperaturen hier oben überrascht, die Sonne knallte regelrecht runter. Zunächst ging es über Wiesen leicht bergauf zu einem Bergsee, dann auf einen kleinen Pass hinauf, von dem aus man bereits die untere Hälfte der Kvalvika (=“Walbucht“) sehen konnte. Auch hier war der – ansonsten für seine raue See bekannte – Nord-Atlantik wieder spiegelglatt und glasklar. Als wir runter zum Strand stiegen überflog uns ein Helikopter der norwegischen Küstenwache, der eine Runde durch die Bucht drehte und anschließend über den anderen Pass zurückflog.

Unten am menschenleeren Strand begrüßte uns eine kleine Herde Schafe, die dort offenbar ihren Sommerurlaub verbrachten. Bis auf 2-3m waren die Viecher durchaus zutraulich und neugierig. Am Strand selbst lag einiges an Treibgut herum: Alte Fischernetze, Bojen, Treibholz. Simone packte eine der bowlingkugelgroßen Gewichte für Fischernetze ein, um sie später mal für ein Bootshaus ihrer Eltern zu verwenden.

Der Strand war einfach unbeschreiblich schön mit seinem seichten Wasser, das von der Farbe fast karibisch anmutete. Die Farbe kam besonders deutlich raus, als wir das kleine Felsenstück, das die bucht in 2 Hälften teilt, weiter oben am steilen Hang überqueren mußten. An einer Stelle war dieser Exkurs sogar ein bißchen haarig, aber netterweise hatten die Norweger an dieser Stelle Fixseile installiert, an denen man sich runterhangeln konnte. An dem nördlichen Strandabschnitt waren sogar ca. 30 Menschen und sogar ein paar Topless Swimmer. Auch nicht das, was man da oben am Polarkreis so erwartet. Die ganzen Leute war über den anderen, nördlichen Pass direkt zu diesem Teil gekommen. Offensichtlich waren das aber keine Wanderer, sondern Badegäste, denn die meisten kamen in Flip-Flops oder Turnschuhen. Der zweite Pass war definitiv steiler als der erste, aber auch kein Problem, nach ca. 1,5h waren wir wieder an der Straße. Die 5km zurück zu unserem Auto mußten wir glücklicherweise nicht laufen, denn ein freundlicher Norweger in einem alten E-Klasse-Kombi nahm uns als Anhalter nach ca. 5min mit.

Nach diesem wunderbaren Tag hatten wir uns eine ordentliche Grillsession auf der Terrasse aber redlich verdient! Heute aber kein Köttbollar-Dürüm, sondern Lachs. Ach so, das muss man mal kurz erwähnen: Man sollte nicht meinen, daß in einer solchen Fischfanggegend Lachs oder anderer Fisch irgendwie günstig sei, auch wenn „Lofot Lachs“ auf der Packung steht und der Fisch direkt vor der Tür gefangen wurde, ganz im Gegenteil, bei den Preisen schlackern einem die Ohren. Besonders geräucherter Lachs, der mit irgendwelchen Kräutern mariniert ist, ist unglaublich teuer, 600 Gramm kosten locker 30,00 EUR. Zum Glück gab es aber „Lachs natur“ zu einem annehmbaren Preis.

Der Lachs auf unserem Grill und auch das Gemüse auf dem Tisch weckte das Interesse von ein paar sehr frechen Möwen, die uns dann den Abend Gesellschaft leisteten und auch für Möwen-Selfies bereitstanden.

VIII. Zurück auf´s Festland

Nach 5 Tagen auf den Lofoten mußten wir uns langsam mal auf den Weg Richtung Süden machen. Erstens waren es von da oben rund 2.500km bis Berlin, zweitens wollten wir uns ja noch ein paar Highlights in Mittelnorwegen und im Süden ansehen. Wir hatten 2 Tage vorher telefonisch Tickets für die Fähre von Moskenes nach Bodø gekauft, also von der Südspitze der Lofoten-Kette rüber auf´s Festland. Die knapp vierstündige Fährpassage kostete knapp 100 EUR, spart aber ein paar hundert Kilometer Strecke, was in Norwegen, wie schon erwähnt, einen ganzen Tag bedeutet. Während der Überfahrt war es wieder vollkommen windstill und so warm, daß wir uns irgendwann in den Schatten setzen mußten, es wollte einfach nicht aufhören mit dem Wetterglück!

Fazit zu den Lofoten? Ich war ja schon vorher der Auffassung, daß Norwegen das landschaftlich schönste Land in Europa ist, aber die Lofoten sind dann für mich sogar der schönste Teil Norwegens, besser geht´s kaum. Dazu ist alles sehr einfach zu bereisen, alles mit guten Straßen zu erreichen, alles zivilisiert,  sensationelle Unterkünfte, alle fahren extrem entspannt und wenn man dann noch so ein Wetter hat wie wir….Da war ich nicht zum letzten Mal (Planung für 2015 schon fast abgeschlossen)!

HIER geht´s weiter nach Fjord-Norwegen

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