Nordamerika, Outdoor, Reise-Tips, Wandern
Kommentare 1

Best Day-Hike ever! Buckskin Gulch, Utah

I. Soviel Auswahl in der Gegend!
Bei der Vorbereitung auf den Roadtrip durch den Südwesten der USA suchte ich nach lohnenswerten Wanderungen in den sog. Slot Canyons der Gegend. Natürlich gab es da schnell einen Favoriten: Jeder kennt die Bilder des berühmten Antelope Canyons mit seinen organisch anmutenden Formen und den spektakulären „Light Beams“. Eigentlich ist in dieser Gegend eine Tour durch diesen Canyon ein Muss, die Sache hat aber einen Haken: Man kann ausschließlich geführte Touren in den Lower und Upper Antelope Canyon machen. Und die lassen sich die Navajos, auf deren Land der Canyon liegt, teuer bezahlen. Eine 1,5h lange Tour schlägt mit 48 USD zu Buche, die Tour für ambitionierte Fotografen (also die mit DSLR und Stativ) kostete im April 2017 schon 98 USD, seit neuestem gar 198 USD. Das war mir schlicht zuviel Geld für eine Tour, bei der man mit Dutzenden von Leuten durch den nur knapp 400m langen Canyon marschiert.

Obwohl oder gerade weil ich seit 2 Jahren wieder meine Leidenschaft für Fotografie neu entdeckt und technisch aufgerüstet habe und entsprechend motiviert war, schwebte mir eher eine längere Wanderung durch einen Slot Canyon vor, bei der man alle Zeit der Welt hat für Objektivwechsel etc.. Über diverse Seiten im Netz, die Utah/Arizona/Nevada abdecken und über unseren Reiseführer bin ich dann ziemlich schnell auf die Buckskin Gulch gestoßen. Es gibt noch Dutzende andere Slot Canyons (siehe die hervorragenden Listen bei synnatschke.de und americansouthwest.net), aber die Buckskin Gulch reizte neben den beeindruckenden Bildern und dem relativ einfachen Zugang auch noch mit dem Superlativ „Längster Slot Canyon der Welt„, also war die Entscheidung schon früh gefallen.

Einen definitiven Superlativ hat die Buckskin Gulch für mich persönlich: Es war die schönste Tageswanderung, die ich je gemacht habe. Punkt! Die Gründe dafür erzähle ich Euch unter III.

II. Die Theorie
Die Buckskin Gulch liegt im Pariah Canyon/Vermillion Cliffs National Wilderness Area im südlichen Utah, nahe der Grenze zu Arizona. Die eigentliche Buckskin Gulch ist 21km lang, bevor sie auf den Pariah Canyon trifft. Weil der erste Teil der Gulch aber recht öde sein soll, beginnen die meisten Besucher (wie auch wir) ihre Wanderung am Wire Pass Trailhead. Die Wire Pass Narrows, ein Seitenarm der Buckskin Gulch, münden nach ca. 3km in die Buckskin Gulch (siehe Karte). Von dort aus geht es ca. 15km durch die Gulch bis zum Pariah Canyon, die ganze Strecke ist dann eine beliebte Mehrtageswanderung mit ca 50km Länge (Permit erforderlich). Wir hatten lediglich eine Tageswanderung vor und sind letztlich ca. 8km in die Gulch hinein und wieder zurück gewandert. Das hört sich nicht sehr viel an, aber das Terrain ist teilweise recht ruppig und man muss an jeder Ecke anhalten, staunen und Fotos machen.

Die Buckskin Gulch ist unglaublich abwechslungsreich. Schmale Passagen von gerade einmal Schulterbreite wechseln hinter der nächsten Ecke zu überhängenden Wänden, die fast höhlenartig wirken, dann wieder weitere Bögen. Die meiste Zeit ist der Canyon aber gute 3-6m breit, es gibt ab und zu Abschnitte, an denen sich die Gulch zu einem relativ breiten, „normalen“ Canyon von 50-100m Breite ausweitet. An diesen Abschnitten scheint dann sogar mal die Sonne, die übrige Zeit läuft man meist im Schatten. Eine der Besonderheiten der Buckskin Gulch ist aber definitiv die schiere Höhe der Felsen bzw. die Tiefe des Canyons: An manchen Stellen steigen die Felswände rechts und links über 150m hoch.

AUSGANGSPUNKT:
Ausgangspunkt für uns war der Wire Pass Trailhead, dieser liegt südlich des US Highway 89 zwischen Page, AZ und Kainab, UT. Vom Highway aus führt die Houserock Valley Road für ca. 13km zu einem gut ausgeschilderten Parkplatz, an dem man das Day Permit (6 USD pro Person) am Automaten zieht und hinter die Autoscheibe legt.

ACHTUNG!
Bei der Buckskin Gulch (und den meisten anderen Slot Canyons) ist es unbedingt erforderlich, vorher den Wetterbericht online zu checken und sich ggf. bei der Ranger Station nach der aktuellen Lage zu erkundigen, denn aufgrund der geografischen Besonderheiten sind Slot Canyons prädestiniert für Springfluten (engl.: Flash Floods). Zwar regnet es in dieser Gegend eher selten, aber WENN es regnet, dann wird das recht schnell bedrohlich und richtig gefährlich. Es kann auch sein, daß es in 60km Entfernung heftig regnet und das Wasser erst nach einem halben Tag in die Gegend des Pariah Canyon fließt. Wie es dann in der Buckskin Gulch aussieht, könnt Ihr Euch bei YouTube ja mal ansehen (Video-Link). Also, vorher checken, bei uns war allerdings eitel Sonnenschein weit und breit.

Aber jetzt endlich rein in die Buckskin Gulch!

III. Die Praxis
Vom Wire Pass Trailhead geht es erst einmal ein ausgetrocknetes Flussbett (engl.: „wash“) leicht bergan. Nach gerade mal 1,5km verengt sich Flussbett rapide und verschwindet zwischen Felsen in einem Hügel. Und dann geht´s los!

Auf dem Weg zur Buckskin Gulch

Direkt hinter der ersten Biegung, nach nicht einmal 100m, machen die Wire Pass Narrows ihrem Namen alle Ehre: Der Trail verengt sich auf vielleicht einen Meter Breite und die Sandsteinwände werden immer höher. In diesem ersten Teil ist das Wandern fast am schwierigsten, weil größere Felsbrocken am Boden liegen. Schon dieser erste Teil hat uns in großes Staunen versetzt, aber das war wirklich nur ein Vorgeplänkel.

Nach wenigen hundert Metern kamen Asta und ich an die einzige wirkliche Hürde des Tages: Ein ca. 4m hoher Absatz, verursacht durch einige verkeilte Felsbrocken. Glücklicherweise hatte irgendjemand aus Treibholz von vorangegangenen Springfluten eine Art Leiter gebaut, zu der man sich ca. 1,5m im „Schornsteinkletterstil“ (also Rücken an die eine Wand, Füße an die andere Seite) bis zum ersten Tritt runterschieben konnte. Für die Familie mit den 3 Kindern, die zur gleichen Zeit an der Stelle ankam, war das durchaus ´ne Hürde. Mit vereinten Kräften wurde das Gepäck runtergereicht, dann die Kinder „abgeseilt“. Das ganze war ein bißchen aufregend, deshalb hab ich auch vergessen, Bilder zu machen.

Die Kletterstelle, Handy-Foto vom Rückweg, also bergauf.

Nach einem weiteren Kilometer im engen Slot Canyon biegt man um eine felsige Ecke und erreicht die eigentliche Buckskin Gulch. Die majestätische „Mündung“ wird flankiert von einem gigantischen roten Sandsteinüberhang, an dessen Boden man Petroglyphen von Ureinwohnern findet.

Der Zusammenfluß von Wire Pass und Buckskin Gulch (hinten quer verlaufend)

An der „Mündung“ biegt man nach rechts in die Buckskin Gulch ab, zunächst geht es einige hundert Meter in einem weiten und damit sehr sonnigen Abschnitt weiter, bevor sich die Schlucht wieder schlagartig verengt. In dem dann folgenden Teil der Strecke stießen wir auf die ersten Wasserlöcher.
Auch hier hatten andere Wanderer vorgesorgt, indem sie größere Steine in die Pfützen geworfen hatten, auf denen man einigermaßen trocken weiterkam. Es gibt in der Mitte der Gulch (viel weiter als wir gewandert sind) übrigens die berüchtigten Cess Pools, ein ca. 30m langer Abschnitt, in dem auch im heißesten Sommer teilweise noch hüfttief brackiges und stinkendes Wasser steht. Wer also die gesamte Gulch plus Pariah Canyon durchwandern will, tut gut daran, eine Badehose mitzunehmen.

Die erste Wasserhürde, elegant umschifft.

Der dann folgende Canyon-Teil war besonders easy zu wandern, auf lehmig-sandigen Boden konnte man gut Strecke machen, wenn nur nicht dauernd diese Foto-Stops gewesen wären. Man kann buchstäblich alle zehn Meter ein neues, schönes Bild machen…und zwar in beide Richtungen….denn dauernd ändert sich das Spiel aus Licht, Formen und Farben. Aber auch das sollte noch nicht der Höhepunkt gewesen sein.

Sunny

Der nächsten Abschnitt war geprägt von höhlenartigen Felsformationen, die Überhänge waren teilweise so verschachtelt, daß man lange Strecken kam den Himmel sehen konnte. Dafür gab es kuriose Erosionsformen an den Seitenwänden. 

„Alien-Höhle“

Und hinter der nächsten Ecke wandert man wieder in einem tiefen „Schacht“ aus rotem, geschwungenen Sandstein. Diese Passagen waren für Asta und mich einer der schönsten, was die „organischen Formen“ der Gulch angeht.
Nebenbei: Wie man auf dem Foto sieht, besteht der Boden nur aus Sand. Wir haben uns immer wieder gefragt, wo all die Felsbrocken hin sind, die an vielen Stellen weiter oben fehlten, denn oft wirkte der Boden fast „aufgeräumt“, so wenig Geröll lag dort herum. Die Antwort ist natürlich klar: Vom Wasser zerkleinert und fortgespült, aber da war die Natur wirklich gründlich.

Nach diesem ganzen ganzen Farben- und Formenspiel öffnete sich der Canyon abermals und wir wanderten für ca. 1km durch eitel Sonnenschein. Hier am Ende des Canyons sieht man schon wieder den Eingang zum nächsten „Slot-Teil“.

Genau das macht die Buckskin Gulch so reizvoll: Die ständige Abwechslung und alles auf höchstem Staun-Niveau.

Das Schöne an der Gulch ist auch, daß man wenig Gesellschaft hat. Wir haben über den ganzen Tag verteilt nur ungefähr 25 Leute getroffen, die meisten davon bis zur Kreuzung Wire Pass Narrows/Buckskin Gulch, da drehen die meisten Tageswanderer schon um, warum auch immer.

Und gleich der nächste Slot-Abschnitt

Der nächste Slot-Abschnitt war relativ kurz und dann traten wir in einen neuen „offenen“ Teil, den ich nur mit „majestätisch“ bezeichnen kann. Topfebener Boden und senkrechte Felswände bis ca. 150m Höhe. Das ganze hatte etwas von einem Spaziergang durch Manhattan von den Dimensionen her.

5th Avenue. Oder so ähnlich.

Und ein bißchen was Kathedralenhaftes:

Beeindruckende Dimensionen

Der nächste Slot-Abschnitt war dann definitiv der schönste von den Formen und Farben her, alle paar Meter änderten sich die Farben von orange zu rot zu grau und wieder zurück zu orange.

Navajo Sandstone Galore!

Ein absoluter Traum zum Wandern!

Manchmal kann man fast denken, der Canyon sei hier zu Ende:

Und dann gibt es doch wieder einen (zunächst) „versteckten“, schmalen Eingang:

Aber an einem großen Geröllhaufen mitten in diesem offenen Canyon war für uns der Umkehrpunkt erreicht, wir wollten ja noch bei Tageslicht zurück in Page sein.

Wie gesagt, man kann andauernd Fotos in beide Richtungen machen, so beeindruckend ist die Buckskin Gulch. Daher war die Tatsache, daß wir den gleichen Weg zurücklaufen mußten, überhaupt nicht nervig. 

Der Rückweg ging allerdings dann doch deutlich schneller, hin hatten wir ca 5h gebraucht, der Rückweg gerade mal 2,5h.

Also, falls Ihr mal im südlichen Utah oder in Nord-Arizona unterwegs sein solltet und die gängigen Highlights und Hot Spots wie Monument Valley, Bryce, Zion und Grand Canyon schon gesehen habt und Ihr mal den Touristenhorden entgehen möchtet, dann wandert in die Buckskin Gulch. Mich hat dieser Day Hike mehr beeindruckt als Bryce Canyon und Grand Canyon. Wenn ich das nächste Mal in die Gegend komme, besorge ich mir vorher ein Permit für die Mehrtageswanderung und laufe die ganzen 51km durch Buckskin Gulch und Pariah Canyon.

Hier noch eine Google Map zu unserem Startpunkt. Wire Pass geht ziemlich genau nach Osten los, aber der großen, gut erkennbaren Kreuzung geht es dann Richtung Süden in die Buckskin Gulch:
 

HINWEISE FÜR FOTOGRAFEN:
Die Buckskin Gulch ist extremes Terrain für Fotografen! Am Boden des Canyons ist es relativ dunkel, so daß man – es sei denn, man schraubt die ISO weit hoch – mit Belichtungszeiten von 1/15sec oder schlechter arbeiten muss.
Dazu kommt als besondere Schwierigkeit die Tatsache, daß man (zumindest bei Aufnahmen im Hochformat, die sich hier einfach aufdrängen) doch meistens ein Stück vom Himmel mit im Bild hat. Und dieser Dynamikbereich überfordert die meisten Kameras dann doch. Ich hatte meine Nikon D750 (mit abwechselnd Nikon 24-120mm f4 und Walimex 14mm f2.8) dabei, die an sich für ihren großen Dynamikumfang gerühmt wird. Trotzdem haben ich bei unzähligen Aufnahmen mit vollkommen ausgefressenen Lichtern im Himmel zu kämpfen gehabt, was sich auch in Lightroom nur mäßig korrigieren ließ.
Retrospektiv betrachtet wäre die Lösung für dieses Dynamik-Dilemma gewesen: Entweder die Mitnahme des Stativs (das sehr gute, aber auch recht sperrige Gitzo meines Bruders hatte ich im Motel gelassen….) und die Aufnahme von Bracket-Serien, die man dann später in Lightroom oder Photomatix zu HDRs hätte zusammensetzen können. Oder der Einsatz eines Grauverlaufsfilters (GND 0.6 oder 0.9), um den oberen Bildteil mit dem Himmel künstlich abzudunkeln (Ein Steckfiltersystem von Haida habe ich mir leider erst nach dieser Reise zugelegt…). 
Was ich aber definitiv konsequenter hätte beachten sollen ist die Regel, daß das RAW-Format gut darin ist, Details in dunklen Bildteilen zu retten und nicht gut darin, Details aus überbelichteten Bildteilen (Himmel) wieder zurückzubringen (klappt meist gar nicht). Daher hätte ich noch konsequenter unterbelichten sollen um dann die Tiefen/Schwarz in Lightroom wieder hochzuziehen. 
Dennoch bin ich insgesamt ziemlich zufrieden mit den Bildern.

Ich hoffe, Euch hat die Lektüre gut unterhalten, vielleicht sogar inspiriert. Ich freue mich wie immer über konstruktive Kritik und Kommentare. 

Christian

1 Kommentare

  1. Bericht und Bilder sind wirklich großartig! Da kriegt man Lust, direkt mal wieder hinzureisen. Ich war dort im Jahr 1997, allerdings waren Fotografie Hard -& Software da noch vergleichsweise auf Steinzeitniveau. Immer wieder unterhaltsam, bei Dir vorbei zu schauen. Weiter so

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.