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4 berühmte Orte, die sich nicht lohnen – meine negative Bucket List

„Sag mal, warst Du schonmal in X und hast YZ besucht?“
„Ja, war ich, fand ich eher enttäuschend!“
„Ach echt, ich hab mir das immer total interessant vorgestellt!“

Solche Dialoge kommen vor, wenn sich eine Unterhaltung ums Reisen dreht. Es gibt bestimmte Traumziele, die jeder kennt, bei denen man bestimmte (positive) Erwartungen hat, aber bei denen der Funke bei mir nicht übergesprungen ist. Nur zur Klarstellung: Ich bin kein Nörgler, schon gar nicht, was Reisen angeht, bei mir kommt es viel häufiger vor, daß ich bei der Erwähnung eines Ortes oder Landes, das mich beeindruckt hat, sofort missionarischen Eifer entwickle, um meinen Gegenüber davon zu überzeugen, dort hinzufahren und sich selbst einen Eindruck zu verschaffen.

Dieser Beitrag soll so etwas wie meine negative Bucket List sein, natürlich vollkommen subjektiv und möglicherweise auch nicht ganz fair. Es wird viele Leute geben, die an exakt diesen Orten großartige Erlebnisse hatten und mir vehement wiedersprechen werden, aber zum Glück gefallen nicht immer allen Leuten die gleichen Dinge gleich gut.

1. Taj Mahal, Agra, Indien
Es gibt Sehenswürdigkeiten, die hat man schon tausende Male auf Bildern oder in Filmen gesehen. Aber natürlich will man sie irgendwann mit eigenen Augen sehen, den berühmten Ort und das ganze Drumherum selbst erkunden. Ich habe schon einige Orte, die auf irgendwelchen „Must-See-Listen“ stehen, besucht, manchmal erwartet man gar keinen großen „Flash“, gerade weil man sie schon so oft auf Bildern gesehen hat und dann hauen sie einen förmlich um, wenn man davor steht (bestes Beispiel bei mir: Ayers Rock/Uluru in Australien: A-tem-be-rau-bend in natura!). Dann gibt es die, die den Erwartungen, die man selbst aufgebaut hat, vollstens gerecht werden, dazu gehören bei mir viele Städte wie Kapstadt, Buenos Aires oder Moskau.

Und dann gibt es Orte wie das Taj Mahal in Indien.

Ja, das ist ein Mausoleum! Ja, es ist aus Marmor! Ja, der Marmor ist weiß! Ja, es hat schöne Verzierungen. Ja, das lange  Wasserbecken mit seiner Spiegelung eignet sich gut für ein Erinnerungsfoto.
Nein, es ist nicht sonderlich groß. Nein, es unterscheidet sich nicht groß von anderen muslimischen Bauten aus alter Zeit. Nein, innen ist es vollkommen unspektakulär. Nein, das Drumherum ist nicht schön. 

Taj Mahal, Agra, India edit2

GÄÄÄÄÄHN © Yann Forget / Wikimedia Commons

Das ist sowas wie die überspitzte Kurzfassung meines Besuchs im Jahr 1998. Das Taj Mahal wird seinem Hype einfach nicht gerecht. Es ist ein schönes Gebäude, keine Frage, kann aber gegen unzählige andere Monumente, die man so kennt, in meinen Augen überhaupt nicht anstinken. Der Kölner Dom, Angkor Wat, Notre Dame oder der Karnak-Tempel z.B. haben mich viel mehr beeindruckt. Das Areal des Taj Mahal ist dazu vollkommen überlaufen, sowohl von Touristen als auch von Leuten, die Dir entweder irgendwelche Services oder Waren verkaufen wollen, non-stop. Und sobald man den Blick von der strahlenden Fassade des Mausoleums abwendet, fällt der Blick auf den vollkommen verdreckten Flusses dahinter…. Ich glaube, 50% des Ruhms des Taj Mahals rühren von der Geschichte seiner Erbauung her: Der Mogul-Herrscher trauerte so sehr um seine verstorbene Lieblingsfrau Mumtaz Mahal, daß er ihr das schönste Denkmal seiner Liebe schenken wollte. Sein Reich ging fast pleite an den Baukosten. Als er noch ein zweites Taj auf der anderen Flußseite bauen lassen wollte, diesmal aus schwarzem Marmor, gab es eine Revolte. :-)

2. Tahiti, Französisch Polynesien
Tahiti, was für ein klangvoller Name! Bei der Erwähnung von Tahiti stellen sich bei den meisten Leuten sofort blumige Assoziationen zu Fletcher Christians Trauminsel aus „Meuterei auf der Bounty“, zu den Bildern von Gaugin und zum ultimativen Südsee-Paradies mit weißem Sandstrand, Kokospalmen und türkisfarbenem Wasser ein. Genau diese Vorstellungen und Erwartungen hatte ich auch, als ich mich entschied, auf meiner allerersten großen Reise allein nach dem Abitur 1990 in die Südsee und Neuseeland zu fliegen.

bora2

So sieht es NICHT auf Tahiti aus. Das hier ist Bora Bora.

Nun ja, die Realität sah ganz anders aus….Zunächst mal hat Tahiti so gut wie keine weißen Sandstrände, die Insel ist vulkanisch geprägt, daher sind die meisten Strände braun-grau. Im und unter Wasser war es – zumindest im Jahr 1990 – ähnlich enttäuschend, die meisten Korallenriffe waren abgestorben, überall grauer Kalk. Die Hauptstadt Papeete wollte auch so gar nicht dem Südsee-Klischee unter französischer Hoheit entsprechen, schäbiger Beton überall, viel Verkehr, kein wirkliches Zentrum, in dem man hätte spazieren gehen wollen. Dazu waren die meisten Einheimischen, mit denen ich Kontakt hatte, auf eine nervige Art „geschäftstüchtig“. Kulturelle Sehenswürdigkeiten waren ebenfalls kaum vorhanden. Ich bin einmal um die gesamte Insel getrampt, außerhalb von Papeete war Tahiti landschaftlich wirklich schön, grüne, dicht bewaldete Berge, ein paar kleine Wasserfälle, ab und zu ein etwas hübscheres Dorf. Aber ganz ehrlich, dafür muß man nicht um die halbe Welt fliegen.
Zur Ehrenrettung von Französisch Polynesien muss ich aber noch etwas klarstellen: Die unmittelbare Nachbarinsel von Tahiti, Moorea, und das 24h mit der Frachter-Fähre entfernt liegende Bora Bora erfüllen dann WIRKLICH so ziemlich JEDES Südsee-Klischee. Insbesondere Bora Bora ist fast schon überirdisch schön mit seinem Vulkan in der Mitte. dem Außenriff und der blausten Lagune, die man sich vorstellen kann. Dafür lohnt sich die (teure) Anreise dann wirklich, nur für Tahiti definitiv nicht.
Mein Rat an Leute, die einen tollen Urlaub an einem tropischen Traumstrand erleben wollen und nicht Unsummen ausgeben wollen, lautet daher nach wie vor: Thailand! 

3. Dubai, Vereinigte Arabische Emirate
„Stadt der Zukunft“, „Das „Über-Morgenland“, was gibt es nicht alles für blumige Umschreibungen für die Hauptstadt des gleichnamigen Emirats. Tatsächlich klingt das, was die Herrscher von Dubai mit ihrer Stadt so angestellt haben, um für die Zeit nach dem Öl vorzusorgen, auch erst einmal ziemlich beeindruckend. Ein Großprojekt nach dem anderen, von den künstlichen Inseln über das nobelste Hotel der Welt bis zum höchsten Gebäude der Welt, dazu Museen, Marinas, Geschäftszentren, Hochhäuser. Ich war dreimal jeweils auf der Durchreise kurz in Dubai und hab mich umgesehen, richtig Urlaub hab ich da nie gemacht, aber mir hat es gereicht.
Der ganze Glitzer kann über eins nicht hinwegtäuschen: Dubai ist hässlich, oberflächlich, vollkommen künstlich und hat keinerlei Charme. Auf jedem freien Grundstück in der Stadt sieht man, daß man sich – Überraschung! – eigentlich in der Wüste befindet, nur graues Geröll, Staub und Sand, sämtliches (weniges) Grün ist angelegt und wird permanent bewässert. Dazu sind viele Gebäude außen und innen von einer ausgesuchten Geschmacklosigkeit, Protzprunk der schlimmsten Sorte, man siehe nur die Lobby des Burj al Arab. Hinzu kommt, dass die Stadt von Mai bis Oktober eigentlich nicht bereisbar ist, denn dann sind die Temperaturen geradezu irrwitzig hoch, ich habe dort am Flughafen mal sage und schreibe 39 Grad Celsius erlebt und zwar um 1.00 Uhr nachts! Das wirkt sich auch auf das Stadtbild aus: Keiner geht zu Fuß durch die Stadt, fast alle bewegen sich auschließlich in ihren Autos von A nach B, fahren in die Tiefgarage und gehen dann in klimatisierte Gebäude. Als Tourist auf der Durchreise hat das zur Folge, daß man sich in Ermangelung von „flanierungswürdigen“ Straßen nur von einem langweiligen Shopping Center zum anderen hangelt. Wenn dann auch noch Freitag ist, geht vor 16.00 Uhr sowieso nichts, da hat fast alles zu….

Burj Al-Arab, Dubai

Ein Badeurlaub in Dubai wäre für mich der Horror: Zwar feudale Hotels im Dutzend, aber davor ein vollkommen öder, weil karger Strand, keine Palmen, keine Promenade, nix, alles künstlich, wer will da hin? Wem es reicht, im Urlaub am Pool zu liegen und ein paarmal shoppen zu gehen, der mag da gut aufgehoben sein, für mich ist das nichts.
Die einzige irgendwie sehenswerte Ecke von Dubai war die kleine Altstadt mit dem Gold Souk und das Ufer des überraschend großen Dubai Rivers, da kam sogar so etwas wie orientalisches Flair auf. Die Wüstentouren um Dubai herum sollen auch toll sein, aber in die Wüste kann ich auch anderswo fahren und hab noch interessante Ziele drumherum.

Das Standardfoto (anno 1996). Leider komplett in der südlichen Hemisphäre

4. „La mitad del mundo“, Äquator, Ecuador
Ecuador bezieht seinen Namen ja von der imaginären Linie rund um die Welt, daher muss der Durchlauf des Äquators durch das Land auch zelebriert werden! Das ganze findet unweit der Hauptstadt Quito statt: An der Stelle, die französische Geographen mal im Jahr 1736 festgelegt hatten, wurde der Äquator als rote Linie auf den Boden gemalt und daneben ein großes Denkmal mit einer Weltkugel obendrauf gebaut. Das ganze Areal ist ummauert und kostet Eintritt, es gibt Unmengen von relativ trashigen Souvenirläden und ansonsten eigentlich nichts sehenswertes. Mehr als die rote Linie, auf der jeder (ich natürlich auch) das „schau mal, ein Fuß in der südlichen, der andere in der nördlichen Hemisphäre!“-Foto macht, gibt es da nicht zu sehen.

Der eigentliche Gag ist aber: Die (magnetischen) Messungen der Franzosen waren ungenau, der eigentliche Äquator (mit GPS gemessen) liegt ca. 240m weiter nördlich. :-) Dort gibt es dann noch eine Linie mit dem „richtigen“ Äquator.

 

Welche Attraktionen haben Euch besonders wenig beeindruckt? Ich freue mich über Kommentare!

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