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Reisetagebuch Namibia – Woche 2

Reisebericht über die zweite Woche unseres Roadtrips durch Namibia. Solltest Du direkt auf dieser Seite gelandet sein:
HIER geht´s zur ersten Woche.

7. Spitzkoppe

Auf dem langen Stück durch die totale Einöde sieht man am Horizont schon aus ca. 70km Entfernung langsam die Spitzkoppe und ihren Nachbarberg auftauchen. Von Nahem sieht sie dann so aus:

Die Große Spitzkoppe

Die Spitzkoppe liegt nicht in einem Nationalpark, der Campingplatz wird von der Spitzkoppe Community betrieben. Man kann sich nach dem Einchecken beim Visitors Center frei einen der weit verstreuten Camping Spots aussuchen. Wir entschieden uns für einen direkt am Fuße der Großen Spitzkoppe und mit Aussicht auf die Ebene und machten den restlichen Tag rein gar nichts außer Lesen, Genießen und natürlich Grillen.

Unser Spitzkoppe Camping Spot
Blick in die andere Richtung

Namibia ist – wegen der dünnen Besiedlung – eines der Länder mit geringsten Lichtverschmutzung und eignet sich daher extrem gut für Astro-Fotografie. Ich hatte mich auf diesem speziellen und nicht ganz einfachen Gebiet der Fotografie bislang nur einmal kurz versucht (südlich des Grand Canyon, Resultate so mittel), hier an der Spitzkoppe stand die Milchstraße schön sichtbar über dem Horizont und ich hatte Zeit, Muße und (dank Internet-Recherche) das nötige Know-How, um mich an die richtigen Einstellungen heranzutasten. Wer sich für sowas begeistern kann, sollte das ruhig mal selbst in einer dunklen Gegend (z.B. in einem der Sternenparks in Deutschland) ausprobieren.

Die Milchstraße präsentierte sich zwar nicht direkt über der Spitzkoppe, dafür aber fotogen über den Felsen am Rand, die durch unsere weit entfernten Campingnachbarn noch leicht angestrahlt wurde.

(Für Foto-Interessierte: Aufgenommen mit Nikon D750, Samyang 14mm, ISO 3200, f2.8, 42sec)

(Nikon D750, Samyang 14mm, ISO 3200, f2.8, 20sec)

Am nächsten Morgen bekamen wir zum Frühstück Besuch:

Anschließend erkundeten wir noch ein bißchen die Felslandschaft rund um die Spitzkoppe, u.a. diese natürliche Felsbrücke.

8. Erongoberge

Schon bei Planung der Reise war klar, daß wir an einigen Tagen (gerade in der ersten Woche) ziemlich lange Strecken zu fahren hatten. Zwar macht das Fahren in Namibia Spaß, aber man will ja nicht nur im Auto sitzen. Deswegen hatten Asta und ich die Route von Swakopmund hoch zum Etosha in mehrere kurze Etappen unterteilt.

Die nächste Etappe führte uns daher auf läppischen 87km von der Spitzkoppe zur Omandumba Gästefarm in den Erongobergen.

Omandumba liegt in den nordwestlichen Erongobergen und im Nachhinein muss ich sagen, daß das das schönste Fleckchen Namibia war, das ich gesehen habe. Felsen, grüne Täler, eine sehr schön auf einem Hügel angelegte Farm, alles wie aus dem Bilderbuch.

Auf der Omandumba Gästefarm
Omandumba

Das Gelände der Farm selbst ist riesig, nach dem Check-In im Haupthaus mussten wir erst nochmal ca 5km durch den Busch fahren um zu unserem Camping Spot zu kommen. Omandumba hat nur 5 oder 6 Spots auf dem riesigen Gelände verteilt, wir waren also vollkommen allein. Dafür hatte der Camping Spot, eingebettet in einer Nische am Fuße eines kleinen Bergs, allerlei Annehmlichkeiten wie einen festen Tisch, eine richtige Spüle und sogar eine Outdoor-Dusche mit eigenem Warmwasserofen (in Namibia „Donkey“ genannt) zu bieten.

Camping Spot Omandumba
Einfaches und doch ein bißchen luxuriöses Ambiente

So ganz allein waren wir dann aber doch nicht, denn am Nachmittag tauchten Myriaden von Aggro-Mücken auf, die dann aber – anders als sonstige Mücken – bei Dämmerung zum Glück wieder verschwanden, so daß wir einen entspannten Abend am Lagerfeuer genießen konnten.

Na gut, ganz entspannt war der Abend dann doch nicht, denn bei Dämmerung fing eine Horde Affen auf dem Felsen hinter uns an, mächtig Krawall zu machen. Keine Ahnung, was die so zu streiten hatten, aber das Krakeelen, das sich auch ständig um uns herum verlagerte, führte dazu, daß sich bestimmte Mitreisende nachts nicht aus dem Zelt getraut haben. :-)

Einer der Krakeeler!

Weil es am Vorabend soviel Spaß gemacht hatte und es in den Erongobergen noch einsamer war, hab ich nochmal mein Glück mit der Milchstraße-Fotografie versucht:

(Nikon D750, Samyang 14mm, ISO 3200, f2.8, 25sec)

9. Mount Etjo Safari Lodge

Es folgte ein weiterer, schön kurzer Tagesritt (149km) von Omandumba zur Mt. Etjo Safari Lodge.

An Bahnübergängen in Namibia ist Vorsicht geboten, immerhin 1 Zug pro Tag!

Die Mt. Etjo Lodge ist einer der größten privaten Wildparks in Namibia, die eigentliche Lodge liegt an einem kleinen See und ist ziemlich feudal und teuer. Der (verstorbene) Gründer der Lodge, Jan Oelofse, war seinerzeit in den 1960ern weltberühmt, weil er quasi der Prototyp des Wildhüters und -fängers war und einige bahnbrechende Methoden zum Fangen von Wildtieren entwickelte. Oelofse war u.a. zuständig für die Jagdszenen in dem berühmten Film „Hatari“ mit John Wayne und Hardy Krüger.

Wir haben uns aber nicht in der Lodge einquartiert, schließlich hatten wir ja die Schlafmöglichkeit auf dem Dach immer dabei. Der Campground der Mt. Etjo Safari Lodge war allerdings der nobelste, den wir auf der ganzen Reise hatten. Die einzelnen Sites sind schön voneinander abgetrennt, alle liegen direkt am Ufer eines kleinen Sees und haben ein modernes und blitzsauberes Häuschen mit Dusche und WC, eine Küchenzeile im Freien und Tische am Seeufer.

Mt. Etjo Nobel-Camping

Nachmittags machten wir, was man eben in einer privaten Game Reserve so macht: Einen Game Drive!

Und bei Mt. Etjo wird einem da wirklich einiges geboten. Unser sehr unterhaltsamer Fahrer tuckerte mit uns in einem offenen Land Rover Safari-Mobil über das riesige Areal auf der Suche nach den Viechern, die Touristen eben gern sehen. Die ca. 15 Löwen der Lodge haben sich zwar rar gemacht, dafür bekamen wir neben unzähligen Giraffen, Antilopen, Zebras, Vögeln und Affen auch insgesamt 5 Nashörner zu sehen.

Ein freundliches Warzenschwein
Symmetrie-Zebras
Ein Dik-Dik, die kleinste Antilopenart
„Die 3 von der Tankstelle“

Nach ca. 1h Pirschfahrt trafen wir auf 3 Nashörner, ein Bulle mit 2 Kühen. Dem Bullen schien unsere Anwesenheit in ca 15m Entfernung nicht zu gefallen, also startete er einen kleinen Scheinangriff. Ich kann Euch sagen, wenn so ein Urzeittier mit ca. 500kg Körpergewicht mit gesenktem Kopf auf Euer Auto zurennt und dann ca. 5m entfernt abrupt stoppt, dann macht das schon Eindruck!

Der Bulle
Die Begleiterinnen
Gnus
Mt. Etjo
Noch ein Rhinozeros, diesmal allerdings vollkommen unbeeindruckt von uns und dem Auto

Wir können Mt. Etjo als Zwischenstop auf dem Weg Richtung Norden auf jeden Fall empfehlen, mal nicht selbst zu fahren ist eine willkommene Abwechslung und die Fahrer/Guides sind einfach viel geschulter, was das Entdecken von Tieren im Dickicht angeht. Der Aufenthalt dort ist nicht ganz billig, aber m.E. jeden Cent wert.

10. Sasa Safari Camp

Fahrtstrecke Mt. Etjo – Sasa Safari Lodge: 128km

Der nächste Tag sollte unser kürzester Fahrtag werden, von Mt. Etjo bis zum Sasa Safari Camp an den Ugab Terraces dauerte es gerade einmal 2h.

Mit Safari im eigentlichen Sinn hat die Lodge nicht viel zu tun, aber sie liegt traumhaft schön gelegen am Hang. Da kommt schon echtes „Afrika-Feeling“ auf, wenn man im Liegestuhl am Pool über die weite Ebene blickt. Wir hatten uns vorgenommen, alle paar Tage eine richtige Unterkunft zu buchen anstatt zu campen, daher bot sich Sasa als Zwischenstopp an.

Sasa Safari Camp

Den Rest des Tages verbrachten wir dann auch mit Rumhängen, Lesen und Schwimmen, bis dann abends ein ausgezeichneter Braai (Barbeque) für alle Gäste angesetzt wurde.

Blick vom Pool aus

11. Etosha Nationalpark

Fahrtstrecke Sasa Safari Lodge – Etosha N.P. (Okaukuejo Camp): 123km

In der nahegelegenen Provinzhauptstadt Outjo kauften wir Proviant für die nächsten 3 Tage (und Grill-Abende) im Etosha ein und rissen dann schnell die ca 100km bis zum Anderson Gate am Südrand des Etosha Nationalparks ab.

Der Etosha Nationalpark ist eines der größten Schutzgebiete im südlichen Afrika und wurde schon im Jahr 1907, damals noch vom Gouverneur der deutschen Kolonialisten, gegründet. Etosha umfasst heute die gigantische Fläche von über 22.000 Quadratkilometern, fast ein Viertel davon nimmt die Etosha-Pfanne ein, von der die Gegend ihren Namen hat (Etosha: „großer, weißer Platz“). Abgesehen von einer langen Strecke Richtung Westen verlaufen fast alle Straßen, die man als Tourist befahren kann, in der Nähe des Süd- und Ostrands der Pfanne. Das hört sich zunächst ein bißchen nach Einschränkung an, tatsächlich habt Ihr aber so viele Pads zur Erkundung zur Verfügung, daß Ihr tagelang beschäftigt seid.

Es gibt auch ein Video zu unserem Road Trip durch Namibia:

Nachdem wir am Anderson Gate unseren Eintritt bezahlt hatten, bogen wir erst einmal auf die Straße Richtung Westen ab, da wir in diese Gegend nicht mehr fahren würden, sondern uns über die nächsten 3 Tage über verschiedene Camps Richtung Osten bewegen würden.

Im Etosha Richtung Westen (Galton Gate)

Auf dieser Strecke ist man relativ schnell aus dem für Etosha typischen Buschwerk raus und kommt auf die großen, weiten Savannen mit unglaublichem Himmel, die einem bei „Afrika“ immer in den Sinn kommen. Dazu war alles schön grün und nicht braun und verbrannt wie im namibischen Winter. Natürlich ging es auch gleich wieder los mit den Wildtieren.

Wir begegneten Unmengen von verschiedenen Antilopenarten, Zebras, Gnus, Vögeln, einer Schildkröte, Schakalen u.v.a.m. Das mögen jetzt nicht so „spektakuläre“ Tiere wie die „Big Five“, also Löwe, Elefant, Nashorn, Leopard und Wasserbüffel, sein, aber jede Art hat ihren Reiz und die schiere Zahl der Tiere, die überall herumstehen oder -ziehen, hat ihren besonderen Reiz.

Meine Favoriten waren z.B. schon immer die Oryx-Antilopen (dt.: Spießbock), wunderschön gezeichnete, hochgewachsene Tiere, die immer ein bißchen so aussehen, als hätten sie sich gerade für irgendwas schick gemacht. Das hier ist wahrscheinlich mein Lieblingsfoto aus dem Etosha: Eine Oryx in einer fast unwirklich erscheinenden Landschaft (der Effekt liegt an der geringen Tiefenschärfe und Stauchung bei langen Tele-Objektiven):

Die hübsche Oryx-Antilope

Auf diesem Teil der Strecke liegt der sog. „Märchenwald“, ein kleiner Wald mit Rasen und bunten Blumenwiesen, sowas erwartet man in Etosha an sich nicht. Aussteigen und ein bißchen herumlaufen ging natürlich nicht, in Etosha darf man – aus nachvollziehbaren Gründen – sein Auto nur auf gesicherten Plätzen verlassen.

Der Märchenwald

Wir fuhren lieber wieder zurück in die weite Savanne und schauten, was da so kreuchte und fleuchte.

Zebras zum Beispiel:

Familienausflug
Etosha Roadblock
Hier bot sich Schwarz-Weiß irgendwie an :-)

Oder Antilopen:

Kuhantilopen
Oryx-Herde
Und Hunderte Springböcke.
Die sind für Etosha ungefähr das, was Tauben für Venedig sind

Am späten Nachmittag schlugen wir unser Lager im staatlichen Campingplatz in Okaukuejo auf, ein riesiger Campingplatz, der an Komfort und Atmosphäre nicht ganz mit den anderen, die wir bisher besucht hatten, mithalten konnte. In der Nacht hörten wir lautes Löwengebrüll, dank des umlaufenden Zauns bei allen Camps war aber nichts zu befürchten. Immerhin wußten wir jetzt definitiv, daß es Löwen in der Nähe gab, zu sehen bekommen hatten wir am ersten Tag keinen, aber das sollte sich bald ändern.

Der nächste Morgen bot einen spektakulär schönen Sonnenaufgang:

Okaukuejo Campingplatz

Ziemlich früh (für unsere Verhältnisse) brachen wir zur nächsten Pirschfahrt auf. Mit Hilfe der Karte klapperten wir unzählige staubige Ringstraßen und Sackgassen zu irgendwelchen Wasserlöchern ab, aber hier galt die alte Regel „Der Weg ist das Ziel“. Die Wasserlöcher waren fast alle schön gelegen, von saftig grünem Gras umgeben, zeichneten sich aber vor allem durch eins aus: Es waren dort so gut wie keine Tiere zu sehen.

Zur Erinnerung: Unsere Reise in Namibia fand kurz nach Ende der Regenzeit statt. Daher war überall im Park ausreichend Wasser vorhanden und die Tiere mussten zum Trinken nicht an die (oft künstlich angelegten und während der Trockenzeit bewässerten) Wasserlöcher wandern, sondern fanden überall verstreut kleine Tümpel. Wir haben jede Menge Tiere gesehen, aber eben verstreut und meist nur eine oder zwei Spezies auf einem Fleck, in der Trockenzeit ist das einfacher, da treffen sich eben alle Tiere am Wasserloch.

Insbesondere die Elefanten machten sich extrem rar, wir haben genau 2 Elefanten gesehen und die waren so weit weg, daß ich selbst mit dem 500er Tele kein vernünftiges Foto machen konnte. Wir haben uns gewundert, wie sich ein so riesiges Tier so gut verstecken kann. Am zweiten Tag erklärte uns dann ein Ranger, die allermeisten Elefanten würden zu dieser Jahreszeit in den Nordosten des Parks wandern, den man als Tourist nur zu einem kleinen Teil befahren kann.

Das EINZIGE Wasserloch, an dem wir Tiere gesehen haben.
Schakal
Steppenfalken („Greater Kestrel“)

Am zweiten Morgen kamen wir dann auch der eigentlichen Etosha-Pfanne etwas näher. Die Pfanne selbst ist platter Lehm, teilweise Salz und sehr leer. Aus irgendeinem Grund sind die eher kargen Wiesen an ihrem Rand aber sehr beliebt bei den Tieren, man sieht große Herden von Giraffen und Antilopen, die dort herumziehen. Auf dieser steppenartigen Einöde bekamen wir dann auch endlich die erste Löwin zu sehen, sie war leider in Eile und sehr weit weg. Aber ein Anfang war gemacht!

Die Etosha-Pfanne
Ein Schmuddel-Gnu

Um die Mittagszeit begegnete uns eine Herde von ca. 20 Giraffen, die wir lange mit Tele und Auto verfolgten. Was für ein grandioser Anblick, wenn diese majestätischen Tiere, die sich immer wie in Zeitlupe bewegen, über die Ebene ziehen! Lustigerweise wurde die Herde beständig von 2 Zebras verfolgt, von denen wir uns albern ausmalten, sie würden sich anscheinend auch für Giraffen halten, nur halt mit Streifen, während sie die ganze Zeit von den Giraffen gedisst werden!

Roaming the plains…
Giraffen, nach Größen sortiert!

Endlich Löwen!

Nur ein paar Minuten später stießen wir auf der Straße auf drei eng nebeneinander geparkte Autos. In Wildparks ein untrügliches Zeichen dafür, daß es etwas zu sehen gibt! Wir reihten uns also ein und die französische Familie zischte schon ganz aufgeregt „Lions!“ zu uns rüber. Asta kurbelte gleich mal das Fenster hoch, wir konnten zwar keine Löwen vor uns erkennen, aber sicher ist sicher. Es dauert immer eine Weile, bis man in dieser grün-gelb-braunen Landschaft erkennt, wer sich wo versteckt. Aber dann erhob sich die Löwin aus dem Gras, anscheinend hatte sie das Gerassel unseres Dieselmotors aufmerksam werden lassen.

Die erste Löwin!

Erst als sich die Löwin bewegte, sahen wir die beiden Jungtiere, die neben ihr versteckt im Gras lagen und jetzt auch die Köpfe hoben.

Die Löwin mit den beiden Jungtieren

Schon kurze Zeit später machte die Löwin das, was Löwen am besten können: Sich hinlegen. Jetzt hieß es warten, irgendwelche Geräusche zum „Aufwecken“ der Wildtiere gehören sich nicht, dachten wir. Die Franzosen neben uns sahen das anders, denn einer der Teenager-Söhne kletterte halb aus seinem Fenster und winkte der Löwin. Deren Mutter-Instinkte sprangen sofort an und sie auf und ließ uns nicht mehr aus den Augen. Es gab weiter links sogar noch ein Löwenmännchen, aber der rührte sich wirklich überhaupt nicht.

Hab-Acht-Stellung

Nach einer guten halben Stunde hatten wir genug gesehen und fuhren gut gelaunt nach diesem Erlebnis in der Abendsonne Richtung Camp Halali.

Auf dem Weg nach Halali

Camp Halali war mit seinen großen Kiesflächen eher noch ein bißchen trister als Okaukuejo, dafür war der Campingplatz aber ziemlich leer und der Grillplatz gut konstruiert. Was man halt so braucht in Namibia…

Halali Campsite

Dritter Morgen in Etosha:
Zunächst fuhren wir zum „offiziellen“ Etosha Lookout, einer kleinen Straße, die ein oder zwei Kilometer raus auf die Lehmpfanne führt, damit man auch mal selbst mitten in dieser Einöde stehen kann. Das Lookout ist der einzige Ort in Etosha, an dem man gefahrlos aus dem Auto steigen kann, denn auf die Pfanne verirren sich keine Tiere und wenn, dann würde man sie wirklich von sehr weit sehen können. Trotzdem behält man die Umgebung natürlich gut im Auge.

Der getreue Gevatter Hilux und wir
Der „große, weiße Platz“

Quasi unmittelbar nach dem Lookout stießen wir wieder auf ein paar geparkte Autos und diesmal sahen wir die beiden Löwen sofort, schließlich lagen sie keine 20m entfernt von der Straße. Es war wie immer: Die Löwin wachsam, der Löwe faul und träge.

Später am Tag fanden wir – ganz allein, ohne Stau – ein Nashorn! Das ist außerhalb der Trockenzeit in Etosha wirklich ein seltenes Glück!

Wie auf dem Foto gut zu erkennen ist, wurden dem Nashorn die Stoßzähne abgesägt, das wird zum Schutz vor Wilderern in Etosha bei allen Nashörnern gemacht.

Am Nachmittag kurvten wir durch die Feuchtgebiete nördlich von Camp Namutomi, in der man eine Abwechslung zu den eeeeeewigen Antilopen, Giraffen, Zebras und Löwen findet. :-)

 

Warzenschweine
Gelbschnabel-Tokos
Ein schönes Wasserloch, wie immer keine Tiere…
Gabelracke („Lilac Breasted Roller“)
Am Ostrand der Pfanne
Sattelstorch („Saddle Billed Stork“)
Feuchtgebiete

Die letzte Nacht campten wir im Fort Namutoni, endlich ein richtig schöner und grüner Campingplatz. Camp Namutoni ist übrigens ein Fort der deutschen „Schutztruppe“, wurde 1902 erbaut und bei kriegerischen Auseinandersetzungen mit Einheimischen mehrfach zerstört.

Camp Namutoni

Highlight: Beim Lösen der Zeltbefestigung auf dem Dach bin ich abgerutscht und irgendwie mit dem rechten Ringfinger hängengeblieben, Ergebnis: Strecksehne gerissen. Das passt also gut in die Reihe der Unfälle in Patagonien (Schulter gebrochen) und Äthiopien (Bänderriss im Knöchel)….

Letzter Morgen in Etosha und es ging gleich gut los:
Keine fünf Minuten außerhalb des Camps lag dieser prachtvolle Löwe in der Morgensonne. Und sich wie immer…..yep….keinen Zentimeter bewegt. Dennoch ein schöner Anblick.

Auf dem Weg zum Ostausgang am Von-Lindequist-Gate sammelten wir noch ein paar Fotos von anderen Tieren ein, die man nicht überall herumstehen sieht wie z.B. Strauße und die sehr umtriebigen Zebra-Mangusten (Mungos).

Strauß, zwar nicht selten, aber schnell
Zebramangusten

Als krönenden Abschluss fanden wir noch einen großen Löwen mit prachtvoller Mähne, der aber der allerfaulste von allen 8 Löwen, die wir gesehen haben, war. Daher haben wir relativ schnell aufgegeben, unseren Parkplatz an dankbare Nachfolger abgegeben und aus dem Park gefahren.

Etosha war definitiv mit Sossusvlei das absolute Highlight in Namibia, da hätten Asta und ich noch 2 oder 3 Tage länger rumfahren können, es gibt immer etwas neues zu entdecken. Beim nächsten Mal in Namibia plane ich dafür mehr Zeit ein.

Tipp: Sollten die Campingplätz im Etosha ausgebucht sein oder – was nachvollziehbar wäre – Euch nicht sonderlich gut gefallen, gibt es direkt vor den Toren des Parks zahlreiche private Lodges und Campingplätze, die meist besser ausgestattet und schöner gelegen sind. Ob es Euch gefällt, jeden Abend den Park verlassen zu müssen, müsst Ihr Euch aber überlegen. Wir waren mit unserer Variante zufrieden.

12. Waterberg Plateau

Als letzte Station hatten wir uns den Waterberg Plateau Nationalpark ausgesucht, geplant war, dort noch ein bißchen wandern zu gehen und dann am letzten Tag die ca. 320km bis nach Windhoek zurückzufahren um den Wagen abzugeben und entspannt zum Flughafen zu kommen.

Hier war die Staße noch okay

Anstatt von Etosha den schnellen Weg über die asphaltierte B1 zu nehmen, wollten wir östlich des Parks die B8 und dann die (nicht asphaltierte) D2512 nehmen, da die Strecke landschaftlich sehr schön sein soll. Das war sie auch, allerdings führt die D2512 viel über Farmgelände, das bedeutet, daß man alle paar Kilometer ein Tor auf- und zumachen muss, was ordentlich Zeit kostet.

Am Wegesrand

Dazu kam, daß dieser Tag unser einziger richtiger Regentag werden sollte. Ab der Hälfte der Strecke goß es aus Kübeln, sofort waren die kleinen Rinnsaale, die die Straße queren, zu Bächen angeschwollen. Da mit dem Hilux durchzufahren, macht sogar Spaß, allerdings wurde die Pad, die anders als in den Wüstenregionen weniger aus Kieseln als aus roter Erde besteht, bald richtig rutschig und es taten sich tiefe Spurrillen auf. Irgendwann merkte ich, daß das Auto im Zweiradbetrieb ständig mit dem Heck ausbrach, egal wie vorsichtig ich mit dem Gas agierte. Also wurde diese Strecke die einzige auf der ganzen Reise, in der wir tatsächlich mal den Allradantrieb dazuschalten mussten, was die restliche Fahrt dann deutlich stabiler machte.

Bei strömendem Regen kamen wir beim NWR-Campingplatz am Waterberg an, checkten ein und fuhren zu unserem weiter oben am Hügel gelegenen Spot. Die kurze Fahrt dort hinauf war ziemlich spannend, denn an mehreren Stellen konnte man sehen, daß sich der Weg durch die Wassermassen, die quer drüber liefen, schon auflöste. Wenn das so weiterging, säßen wir gewissermaßen in der Falle. Unser Campingspot verfügte über einen überdachten Grillbereich, so daß wir immerhin im Trockenen saßen. Aber es war kalt, der Blick gen Himmel versprach keine Besserung. Also beratschlagten wir, ob das der richtige Ort für den letzten Abend sein sollte. Die Beratung fiel kurz aus: Nix wie weg hier, lieber in die nächste Stadt, dort ein Quartier suchen und schön essen gehen.

Auf dem nassen Campingplatz

Gesagt getan, abbauen mussten wir nichts, denn wir hatten noch gar nichts aufgebaut. Wir entschieden uns, ins die etwas weiter nördlich gelegene Otjiwarongo zu fahren und buchten von unterwegs das (sehr empfehlenswerte) Bush Pillow Guest House.

Bush Pillow Guest House

Die Chefin des Guest House empfahl uns für das Abendessen das Casa Forno. Ein super Tipp für den letzten Abend in Namibia! Die italienische Küche interessierte uns weniger, dafür gab es das beste namibische Essen der ganzen Reise, u.a. Kudu Steak und Boeuf Stroganoff vom Oryx, das ganze in sehr gediegenem Ambiente.

Auf dem Weg nach Windhoek

Am nächsten Tag ging es bei sonnigem Wetter zurück nach Windhoek, die Mietwagenabgabe war eigentlich nur ein interessantes Gespräch über Politik und am Ende die Frage, ob es etwas zu berichten gäbe, was wir guten Gewissens verneinen konnten.

So, das war unser Reisebericht zu zwei Wochen Road Trip in Namibia. Ich hoffe, ich konnte Euch unterhalten und informieren, ich freue mich wie immer über Kommentare, Lob oder konstruktive Kritik.

Christian

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8 Kommentare

  1. Cooler Bericht und sehr geile Bilder! Und das mit der Milchstrassenfotografie hast du richtig geil hinbekommen!! Respekt! Ich hab mich auch mal dran versucht, ist aber bisher nicht wirklich was geworden…. das nächste mal vielleicht :)

  2. Angelika sagt

    Hallo Christian, der Etosha Nationalpark umfasste ursprünglich fast 100.000 km². Heute sind es nur noch 22.275 km². Er wurde somit nicht vergrößert, sondern nach und nach um ein vielfaches verkleinert.

    LG
    Angelika („Logi“ im Namibia Forum)

    • Christian sagt

      Hallo Angelika,

      danke für den Hinweis, Du hast vollkommen recht! Ich weiß nicht mehr, von welcher Seite meine falschen Informationen stammten, bei wikipedia findet man Deine Infos. Ich ändere das.

      Grüße
      Christian

  3. Bele sagt

    Hallo Christian, schöner Bericht! Am besten gefällt mir die riesige Giraffenherde!
    Deine unbekannten Vögel sind Gabelracke (Lilac Breasted Roller) und Sattelstorch (Saddle billed Stork). LG Bele („champagner“ im Namibia Forum)

    • Christian sagt

      Hallo Bele, meine neue Chef-Ornithologin! :-)

      Ich bin beeindruckt! Vielen Dank für Deine Hilfe, wirklich klasse und so schnell!

      Vielleicht weißt Du auch noch die Namen der beiden Kameraden unter dem Schakal und des kleinen Bunten über den Warzenschweinen (Etosha, unterer Teil), dann hätte ich alle?

      Grüße
      Christian

      • Bele sagt

        Das Bunte ist ebenfalls eine Gabelracke und die beiden Greife sollten Steppenfalken sein (Greater Kestrel), aber das Foto ist bisschen schwierig ;-) .
        Gruß Bele

      • Christian sagt

        Hallo Bele,

        danke nochmals! Steppenfalken klingt gut, das sind definitiv Greifvögel.
        Ja, die sind recht klein auf dem Bild, aber noch weiter croppen konnte ich das Bild nicht, sonst wäre es pixelig geworden. :-)

        Grüße
        Christian

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