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Nur für Schwindelfreie! Angels Landing Trail, Zion Nationalpark

Die ersten Tage im Südwesten der USA hatten wir überwiegend auf Highways, in Las Vegas und in kleineren State Parks verbracht. Im Zion National Park wollten Asta und ich dann endlich mal die Wanderschuhe schnüren und uns die Beine vertreten. Im Park gibt es zwei sehr berühmte und populäre Wanderungen: Die Zion Narrows und den Angels Landing Trail. Da die Narrows – man watet einige Kilometer durch den Canyon des Virgin Rivers – wegen des hohen Wasserstands Anfang April noch geschlossen waren, sollte es der Angels Landing Trail sein, nicht die schlechteste Alternative, immerhin wird der Hike in diversen Publikationen als „spektakulärste Tageswanderung der USA“ angepriesen. So ein Superlativ zieht natürlich (auch wenn mir die Buckskin Gulch noch besser gefallen hat, über die ich schon geblogged habe). 

I. Ein paar Fakten
Was den Tail so spektakulär macht, ist das letzte Stück des Trails, denn das führt auf einem stellenweise weinger als 1 Meter breiten Felsgrat steil auf einen Bergstock hinauf, der wie eine Kanzel in den Zion Canyon ragt, auf den eigentlichen „Landeplatz der Engel“. Hier gibt es – für die sicherheitsversessenen USA ungewöhnlich – nur rudimentäre Sicherungen in Form von dicken Metallketten, während es neben Dir gute 400m nahezu senkrecht bergab geht.

Das führt auch dazu, daß der obere Trail definitiv nur etwas für Leute ist, die mit Höhe keine Probleme haben. Hierauf weisen auch zahlreiche Schilder zu Beginn des Trails hin. Ich habe aber trotzdem Wanderer gesehen, die auf dem oberen Stück so unsicher wurden, daß sie die heiklen Passagen auf allen Vieren gekrabbelt sind. Es überrascht nicht, daß auf dem Angels Landing Trail regelmäßig Leute tödlich verunglücken, seit 2006 sind 7 Wanderer abgestürzt, der letzte nur einen Monat vor unserem Besuch, Anfang März 2017.

Zion Canyon

Trotz der haarsträubenden Wegführung ist der Trail aber unglaublich populär, schon im April war der Trail regelrecht überlaufen, was an einigen Kletterstellen zu längeren Staus führte.

Die Wanderung ist hin und zurück rund 8,7km lang, dabei sind 450 Höhenmeter zu überwindern, die reine Gehzeit sind ca. 4h, wer aber nur ansatzweise fotobegegeistert ist, kann nochmal 1-2 Stunden drauflegen, soviele Foto-Gelegenheiten bieten sich auf der kurzen Tour.

II. Let´s go!
Zunächst fuhren wir mit einem der Shuttlebusse vom Visitor Center zum Trailhead an der Haltestelle „The Grotto“. Dort überquert man auf einer Brücke den Virgin River und nähert sich auf gut ausgebauten Wegen dem Angels Landing.

Die „Kanzel“ von Angels Landing, vom Tal aus gesehen.

Über eine Serie von großen Serpentinen geht es relativ einfach den Hang hoch, hier wandert man noch auf einem gut ausgebauten Teilstück des West Rim Trail und genießt die Ausblicke in das sagenhaft schöne Tal.

Von unten muss man schon ziemlich genau hinsehen, um zu erahnen, wo an der steilen Felswand ein bequemer Wanderweg sein soll. Aber da haben die Park Ranger wirklich hervorrangende Arbeit geleistet, angelegt wurde der Trail schon im Jahr 1926.

In der Bildmitte kann man den aus dem Fels gehauenen Trail erkennen.

Nach dem ersten Anstieg gelangt man in den – vom warmen Sonnenlicht weitestgehend verschonten – Refrigerator Canyon, an den sich die „Walter´s Wiggles“ anschließen, 21 steile Serpentinen, die einen ordentlichen Höhengewinn versprechen. 

Walter´s Wiggles

Nach den Wiggles erreichten wir das „Scout´s Lookout“, ein sandiges Plateau, von dem aus der eigentliche Angels Landing Trail mit seinen ausgesetzten Kletterpassagen abzweigt. Viele Wanderer, die schon wissen, daß sie mit der Höhe Probleme bekommen würden, beenden hier ihre Tour und warten darauf, daß der trittsichere Teil ihrer Gruppe wieder zurückkehrt. Die Wartezeit können sich diese Wanderer mit Ausblicken wie diesem hier vertreiben:

Direkt danach folgt der „heikle Teil“ des Angels Landing Trails, der schmale Grat auf die Kanzel. Auf dem folgenden Foto kann man sehr gut sehen, wie ausgesetzt der Pfad ist (und wieviele Wanderer unterwegs sind). Bei dem Anblick der Wand links wurde uns schon mal kurz mulmig. Aber Umdrehen ging jetzt natürlich nicht mehr.

Das Foto habe ich an einer Stelle gemacht, an der man auf einem nicht mal 1m breiten Sims entlanggeht mit dem besagten Abgrund neben sich, das war auch die Stelle, an der ich Leute auf allen Vieren habe kriechen sehen. Asta und ich fanden aber das oberste Stück vor dem Gipfel am heikelsten, denn dort ist der Weg extrem steil und führt direkt an der Kante entlang.

Angels Landing mit dem „heiklen Teil“.

Wie gesagt, der Weg ist mit soliden Eisenketten versichert, aber man muss schon aufpassen, wie man wo hintritt. Erstaunlicherweise waren ziemlich viele Familien mit Kindern im Alter von vielleicht 10-12 Jahren unterwegs, die offenbar alle großen Spaß hatten.

Man darf sich eben nicht zu sehr von der schönen Landschaft ablenken lassen. Ich habe beim Fotografieren immer dreimal geschaut, wo ich stehe und wie weit die nächste Kante noch entfernt ist. 

Auch im oberen Abschnitt gibt es einfache Abschnitte wie diesen hier, fast eben (aber ausgesetzt):

Und dann gibt es solche Passagen:

Aber ich will hier niemanden abschrecken, mit ein wenig Achtsamkeit ist der Angels Landing Trail für jeden ohne Höhenangst gut zu meistern. Man muss sich nur darauf einlassen, an vielen Stellen direkt mit den Ketten zu „arbeiten“, dann sind die steilen oder sehr ausgesetzten Stücke gut machbar.

Auf dem Gipfelgrat. Oben in der Mitte das Scout´s Lookout, der „sichere Hafen“ für Leute mit Höhenangst.

Oben angekommen erwarten Euch dann diese Panoramablicke hoch und runter in den Zion Canyon, die den mühevollen Aufstieg vergessen machen.
Als kleines Extra kommen noch Dutzende von sehr neugierigen Chipmunks/Streifenhörnchen dazu, die den Gipfel bevölkern und um ihren Anteil am Proviant betteln.

Wie immer ging der Rückweg dann sehr viel schneller, trotz zahlreicher Fotostops waren Asta und ich nach ca. 1,5h wieder bei „The Grotto“. 

III. Fazit:
Um den Titel dieses Artikels noch einmal aufzugreifen: Nur für Schwindelfreie! Wer das ist, für den sollte der Angels Landing bei einem Besuch im Zion National Park ganz oben auf der Liste der Aktivitäten stehen. Die Wanderung ist zeitlich überschaubar, konditionell nicht sehr anspruchsvoll, die Wegführung ist absolut spektakulär und die Aussichten grandios. Allerdings sollte man den Trail nur bei stabilem Wetter in Angriff nehmen und ordentliche Wanderschuhe tragen, teilweise ist das Terrain rough. Wenn man früh genug vor Ort ist, lässt sich der Trail gut als Halbtagstour gehen, den Rest des Tages kann man dann mit einer entspannten Wanderung zum Eingang der Narrows verbringen.

Wer von Euch noch nicht ganz sicher ist, ob ich da mit der Ausgesetztheit bzw. Höhe vielleicht alles ein bißchen übertrieben habe, kann sich in diesem Video einen kleinen Überblick verschaffen, der Filmer hat eine ungewöhnliche Kameraposition gewählt, nämlich auf einer Stange über seinem Rucksack, gerichtet nach unten auf ihn. Dadurch kommen die ausgesetzten Stellen gut zur Geltung. Die beiden oben beschriebenen Stellen, der schmale Sims und die weniger als 1m breite Stelle auf dem Gipfelgrat seht Ihr bei 0:40min, 1:11min und 2:14min.

Wie sieht´s aus? Nix wie hin? Nix für Euch? Kennt Ihr schon? Wie immer freue ich mich über Kommentare, Anregungen, Kritik etc..

Cheerio
Christian

 

 

2 Kommentare

  1. Holger Kohlhepp sagt

    Klasse Bericht! Tolle Fotos! Gut dass das Video so klein vom Format her ist und die Musik eher beruhigend. Sonst hätte ich das nicht anschauen können :-) Kriege ja immer bei Aufnahmen der Huber-Buam ein ungutes Bauchgefühl. Aber für Leute die das können bestimmt überragend! Gruß, Holger aka Helga

    • Christian sagt

      Hallo Holger,

      danke für das Feedback. Ich war auch etwas überrascht, wie gruselig das auf dem Video aussieht, teilweise liegt das an dem Weitwinkelobjektiv, aber die eine 50cm breite Stelle hab ich noch gut im Kopf, da hab ich mich nicht getrauf zu fotografieren.

      Grüße
      Christian

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