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10 Highlights in Rumänien

Gleich vorweg: Ich halte Rumänien für das am meisten unterschätzte Reiseland in Europa. Die meisten Leute, denen ich von Rumänien erzähle, schauen mich ungläubig an, zu stark ist der Einfluss von Klischees, die meist noch aus der Ceausescu-Ära stammen („Armenhaus Europas“ o.ä.), zu wenig wissen die Leute, was Rumänien alles zu bieten hat.

Schlammvulkane bei Buzau

Ich erzähle dann immer begeistert von der landschaftlichen Schönheit Rumäniens, von der interessanten Geschichte, von der Vielfalt des Landes und auch vom unglaublich guten Preisniveau vor Ort. Und so langsam spricht es sich herum, daß Rumänien viel mehr zu bieten hat als Dracula.

Rumänien ist viel moderner, als man so denkt, Ihr findet aber noch viele Ecken, die schon ein wenig „aus der Zeit gefallen“ sind, Pferdefuhrwerke sind in manchen Gegenden weit verbreitet, verschlafene Dörfer mit Häusern aus dem 16. Jahrhundert wechseln sich mit geschäftigen Städten wie Cluj Napoca, Hermannstadt oder eben Bukarest ab.

Nach meiner dritten Reise durch Rumänien im Mai 2019 dachte ich, es wäre mal an der Zeit für eine Liste mit meinen 10 Highlights in Rumänien.

Here we go:

1. Kirchenburgen in Siebenbürgen

Siebenbürgen, besser bekannt als Transsilvanien, ist die Region, die sich – von Bukarest aus gesehen – hinter den Karpaten verbirgt und relativ genau die Mitte von Rumänien ausmacht. Die ganze Gegend ist unheimlich malerisch und Ihr findet hier viele der o.g. Orte, die „aus der Zeit gefallen sind“.

Das Sachsendorf Wurmloch (Valea Viilor)

Die Region ist historisch sehr interessant, denn hier lebten fast 850 Jahre lang fast nur Deutsche. nachdem der ungarische König ab ca. 1147 deutsche Bauern und Handwerker als Siedler angeworben und mit großen Privilegien ausgestattet hat.

Die Region ist bis auf ein paar Städte sehr dörflich geprägt, und wegen der Überfälle der Osmanen, die alle paar Jahre in die Gegend einfielen, bauten die Siebenbürger Sachsen alle paar Dörfer eine Kirche zu einer kleinen Festung aus, mit Wehrmauern, Zugbrücken, Türmen und allem Drum und Dran. In diese Mini-Festungen flohen dann die Bewohner der umliegenden Dörfer und warteten, bis die Osmanen wieder abzogen.

Anders als in anderen Gegenden in Osteuropa wurde das deutsche Erbe nach dem Krieg nicht „unter den Teppich gekehrt“, auch die Ortsschilder sind zweisprachig rumänisch und deutsch (und oft auch noch in Ungarisch) gehalten. In dieser Gegend könnt Ihr also auch heute noch in eine Kirche aus dem 14. Jahrhundert treten und fromme Sprüche wie diese hier lesen:

Von den ca. 150 Kirchenburgen, die bis heute erhalten sind, wurden 7 von der UNESCO in die Weltkulturerbe-Liste aufgenommen.

Ich habe mittlerweile 5 von den gelisteten besucht, dazu noch einige andere, die nicht auf der Liste stehen. Die meisten Kirchenburgen sind relativ klein und liegen in malerischen Sachsen-Dörfern, aber es gibt auch ein paar Ausnahmen, z.B. die Kirchenburg von Tartlau, die schon fast wie eine kleine Stadt wirkt mit ihren 3 Geschossen für „Familien-Appartments“ (s. Foto). In der Regel sind die Anlagen gut gepflegt, von Rumänen oder von einem der vielen Vereine von ehemaligen Siebenbürger Sachsen, die jetzt woanders leben.

Kirchenburg in Tartlau (Prejmer)
Typische Straßenszene in Siebenbürgen
Downtown Deutsch-Weißkirch (Viscri)

Praktische Infos:
Die wichtigsten Kirchenburgen liegen fast alle entlang der Straße von Hermannstadt (Sibiu) über Schäßburg (Sighisoara, auch sehr sehenswert!) nach Kronstadt (Brasov). Für diese (Halb-)Runde inklusive Schäßburg würde ich 2 Tage einplanen. Die einzelnen Kirchenburgen sind alle nicht überlaufen, manchmal muss man sogar jemanden aus dem Dorf anrufen, damit er einem die Tür aufschließt. Der Eintrittspreis beträgt meistens moderate ca. 2,00 EUR.

2. Donau-Delta

Und gleich weiter zur nächsten Region, die auf der Welterbe-Liste der UNESCO steht, zum Biosphärenreservat Donau-Delta. Klar, die Donau kennt jeder, aber man verbindet sie meistens mit Passau, Wien oder Budapest, kennt noch ein paar andere Länder, durch die der zweitlängste Fluss Europas fließt, aber nicht viele Leute wissen, daß die Donau im östlichen Rumänien (und zu einem kleineren Teil in der Ukraine) ihr Delta ins Schwarze Meer formt.

Donau-Promenade in Tulcea

Das Delta steht schon seit 1991 unter Naturschutz, seither sind keine neuen Siedlungen außer den bestehenden Fischerdörfern zugelassen, der Besucher findet entlang der 3 Hauptarme ca. 4.200qkm Naturschutzgebiet mit ganz unterschiedlichen Ökosystemen wie Röhrichten, Auenwäldern, Seen, Altarmen und Dünen.

Ausgangspunkt für Touren ins Delta ist für die meisten Besucher die Stadt Tulcea. Am Donau-Ufer der Stadt gibt es eine schöne Promenade und etwas weiter weg vom Zentrum viele alte Hafenanlagen, die zum Erkunden einladen, teilweise hat man ungehinderten Zugang, teilweise wird man weggeschickt. Da Tulcea an einem der Hauptarme des Deltas liegt, herrscht dort ziemlicher Schiffsverkehr.

Ausgemustertes „Rakjeta“-Tragflächenboot

Von Tulcea aus fahren die meisten Touristen auf einer Tagestour durch die Kanäle und Altarme in der näheren Umgebung. Wir haben uns 2015 für eine dreitägige Paddeltour von Tulcea zum Ort Mila 23 entschieden, Stichwort „Entschleunigung“.

Im Delta

Die Tour war insbesondere am zweiten Tag mit knapp 30km Paddeln nicht ganz ohne, aber dafür hatte man jede Menge Zeit für Abstecher in zugewachsene Seitenarme des Flusses und für Wildtierbeobachtung. Neben Seeadlern und Kranichen stießen wir auf diesen Marderhund, dem wir ein paar hundert Meter am Ufer entlang folgen konnten:

Marderhund
Seeadler

Die erste Nacht campten wir in einem vollkommen rudimentären Lager von Fischern, die sich wegen des Biosphärenstatus keine richtigen Häuser bauen durften und deshalb in Lehmhütten wohnten (auch im Winter!).

Dort gab es zum Abendessen Wildschwein vom Grill. Auf die Frage, wo denn das Wildschwein herkäme, räumten die – sehr rustikalen – Fischer ein, das hätten die 3 Hunde gerissen, denn man dürfe ja nichts schießen! Oha!

Auf einem der vielen vom Strom abgetrennten Seen.
In einem der kleineren Nebenarme

3. Salzbergwerk in Turda

Ganz im Norden von Siebenbürgen liegt in der Nähe der Stadt Turda (Thorenburg) einer der ungewöhnlichsten Orte, die ich je besucht habe: Ein ehemaliges Salzbergwerk, das mittlerweile den tiefsten Freizeitpark der Welt beherbergt.

Die 1. Halle

Schon zu Zeiten der Römer wurde hier Salz gewonnen, ab Ende des 17. Jahrhunderts gruben die Bergleute immer tiefer, bis der Betrieb schließlich um 1932 ganz eingestellt wurde.

Die „Hochkant-Halle“ mit dem kleinen See

Übrig blieben 3 bis zu 80 Meter hohe kathedralengroße Hallen, in deren kleinster sich langsam ein See bildete. Nach einigen anderen Nutzungsarten als Luftschutzbunker und Käselager kam man auf die Idee, aus dem Bergwerk einen Freizeitpark zu machen. Und das funktioniert ganz gut. Neben einem (kleinen) Riesenrad baute man Bowlingbahnen, Minigolfanlage, Restaurants in die Hallen, stellte Tischtennisplatten und Billardtische auf und setzte Boote in den kleinen See. Das ganze allerdings 120m unter der Erde.

Billard und Bowling, 120m unter der Erde

Aber trotzdem könnt Ihr noch überall erkennen, daß Ihr in einem Bergwerk seid, denn an jeder Ecke stehen Minengeräte herum und die Wände zeigen deutliche Grabungsspuren. Das ganze Ensemble hat ein sehr surreales Flair, teilweise fühlt man sich an Filme erinnert, die auf einer großen Raumstation spielen.

Ich habe ein kurzes Video in der Salina Tura gedreht:

Praktische Infos:
Das Bergwerk ist ganzjährig geöffnet und hat auch ganzjährig eine ähnliche Temperatur von 12-15 Grad, vergesst also nicht, etwas Wärmeres als T-Shirts anzuziehen. Der Eintrittpreis beträgt ca. 8,50 EUR (2019). Für den Besuch der Mine würde ich mindestens 2 Stunden einplanen.

4. Transfăgărășan Hochstraße

Um von Bukarest nach Siebenbürgen/Transsilvanien zu kommen, müßt Ihr über oder durch die Karpaten fahren. Dafür gibt es mehrere Optionen, ich empfehle Euch aber dringend, die Transfăgărășan (oder auch Transfogarascher) Hochstraße zu nehmen, die kurz hinter der Stadt Curtea de Argeș startet und in der Nähe von Hermannstadt/Sibiu endet.

Vidradu Damm

Die Transfăgărășan ist die spektakulärste Bergstrecke in Rumänien, die 3 Typen aus der britischen Fernseh-Show TOP GEAR meinen sogar, sie sei die „Best Driving Road in the World“. Wir waren zwar nicht mit einem Supersportwagen unterwegs, aber die Straße hat trotzdem einen Heidenspaß gemacht!

Kurz hinter Curtea de Argeș seid Ihr bereits „drin“ in den Karpaten und die Straße schlängelt sich durch ein Flußtal langsam hoch. Nach ca. 35km kommt Ihr durch einen Tunnel und landet direkt auf der „Deichkrone“ der gigantischen Vidradu-Talsperre. Dieser Staudamm ragt immerhin 166m hoch über den Talgrund hinaus und staut einen 10km langen See auf. An der Talsperre könnt Ihr bequem parken und dieses beeindruckende Bauwerk aus verschiedenen Blickwinkeln auf Euch wirken lassen.

Vidradu Talsperre

Anschließend folgt die Transfăgărășan für einige Kilometer dem Seeufer, bevor es dann richtig hoch hinaus geht. In unzähligen Serpentinen klettert die Straße immer weiter nach oben. Oberhalb der Baumgrenze stehen immer wieder Gruppen von halb wilden, sehr zutraulichen Eseln am Straßenrand herum, die gern für Fotos posieren (für sog. „Eselfies“ :-) ).

Die freundlichen Esel
Transfăgărășan Hochstraße
Kurz vor der Passhöhe

Am höchsten Punkt der Straße durchfahrt Ihr einen kurzen Tunnel und habt damit den Hauptkamm der Fogarascher Karpaten überquert. Direkt dahinter stoßt Ihr auf den touristisch voll erschlossenen Balea Lac (See), dort könnt Ihr Euch entweder an einer der zahlreichen Schaschlick-Buden stärken, nach Andenken shoppen oder eine der gut markierten Wanderungen in der Umgebung unternehmen.

Die Nordrampe der Transfăgărășan, im Hintergrund schon Transsilvanien

Direkt hinter Balea Lac führt die Transfăgărășan wieder in zahlreichen Serpentinen bergab, es gibt viele Haltemöglichkeiten, um den spektakulären Straßenverlauf zu bestaunen.

Praktische Tipps:
Für die Transfăgărășan Hochstraße (amtlicher Name: DN 7C) ab Bukarest bis Hermannstadt/Sibiu solltet Ihr 6-7 Stunden Fahrtzeit einplanen, das gibt Euch ausreichend Zeit für viele Fotostops und eine Pause am Balea Lac.
Achtung: Die Passhöhe ist eine zuverlässige Wetterscheide, ich bin die Strecke mehrmals gefahren und jedesmal war es auf der Nordseite, am Balea Lac, schlagartig grau, kalt und oft regnerisch, Ihr solltet also warme Klamotten griffbereit haben.
Außerdem ist die Straße wegen ihrer Lage und Streckenführung stark den Elementen ausgesetzt, oft liegt im oberen Teil noch im Juni Schnee und die Strecke ist gesperrt. Checkt also vorher im Internet, ob die Durchfahrt möglich ist.

5. Holzkirchen und Klöster in der Maramureș

Die Maramureș liegt ganz im Norden Rumäniens an der Grenze zur Ukraine. Die Gegend ist sehr ländlich geprägt, wie in Siebenbürgen findet man hier viele kleine Dörfer, die „aus der Zeit gefallen“ scheinen, viele Menschen leben heute noch in Holzhäusern, die – wie die dort typischen Garten-Tore – oft mit kunstvollen Schnitzereien verziert sind.

Noch mehr als in Siebenbürgen lohnt es sich hier, die kleinen Straßen zu befahren, denn hier findet Ihr immer wieder Szenen, die man anderswo in Europa schon lange nicht mehr kennt, Pferdekutschen, Heu-Ernte mit der Sense, Vieh auf der Straße, alte Bäuerinnen beim Plaudern auf einer Bank.

Typische Landschaft in der Maramureș

Berühmt ist die Maramureș neben der malerischen Landschaft vor allem für die überall zu findenden Holzkirchen, von denen die UNESCO im Jahr 1999 acht auf die Welterbe-Liste setzte.

Die ausgewählten Kirchen stammen alle aus dem 17. und 18. Jahrhundert, einige sind wirklich klein und alle sind innen mit bunten biblischen Szenen bemalt. Anders als in Siebenbürgen, wo der Protestantismus vorherrschte, sind die Kirchen orthodox geprägt, die Malereien sind demnach mit Zitaten in kyrillischer Schrift verziert.

Holzkirche von Ieud

Neben den einzelnen Kirchen findet Ihr in der Maramureș auch zahlreiche Klöster, die tatsächlich noch in Betrieb sind, das bedeutendste ist das Kloster von Bârsana, dessen Ensemble von Holz/Steinbauten ebenfalls auf der UNESCO-Liste steht.

Kloster Bârsana
Kloster Borsa Pietroasa vor dem Rodnei-Gebirge

Außer den eher lieblichen Hügellandschaften hat die Maramureș auch ernsthafte Bergzüge zu bieten, u.a. das Rodnei-Gebirge und eben das Maramureș-Gebirge an der ukrainischen Grenze. Allerdings sind hier nur wenige Wanderwege gekennzeichnet, Ihr braucht also schon einen gewissen Orientierungssinn und eine gute Karte oder App. Wir wollten im Mai 2019 zur Wetterstation auf dem Pietrosul Rodnei hochsteigen, mussten aber wegen zuviel Schnee kurz vor der Station umkehren.

Auf dem Piertrosul Rodnei

Praktische Tipps:
Für die Erkundung der Maramureș würde ich 2-3 Tage veranschlagen. Es gibt viele schöne Hotels, teils urig, teils sehr modern, da findet jeder etwas für seinen Geschmack.
Im Internet findet man gute Routenvorschläge, mit denen man die wichtigsten Kirchen nacheinander besuchen kann und zwischendrin noch genügend schöne Landschaft und verschlafene Dörfer zu Gesicht bekommt. Viele Besucher besuchen die Kirchen im Iza-Tal und Viseu-Tal auch im Rahmen einer Mountainbike-Tour, uns war dafür das Wetter im Mai leider zu unsicher.

6. Parlamentspalast in Bukarest

Im Zentrum von Bukarest steht DAS Monument des Größenwahns des rumänischen Diktators Ceausescu: Der Parlamentspalast.

Der Palast ist nach dem Pentagon in Washington das zweitgrößte Gebäude der Welt und dermaßen pompös, dass er schon bei der Annäherung zu Fuß Ehrfurcht gebietet. Besuchen kann man ihn nur im Rahmen einer Führung, die sich aber unbedingt lohnt!

Weil ich über den Parlamentspalast schonmal einen eigenen Artikel geschrieben habe, möchte ich es an dieser Stelle bei ein paar Fotos belassen.

Frontal
Eines der bescheidenen Treppenhäuser
Wenige Säle werden heute tatsächlich genutzt
Im Versorgungstrakt
Und noch ´ne Marmorhalle…

Praktische Informationen:
Der Palast ist 7 Tage die Woche für Besucher geöffnet, es sei denn, es findet gerade eine wichtige Konferenz in einem der Säle statt. Daher ist es wichtig, im Voraus auf der offiziellen Webseite eine Tour zu buchen, auch weil die Touren ziemlich beliebt und daher oft ausgebucht sind. Die Touren dauern 1,5-2,5 Stunden und kosten ca. 8,50 – 9,50 EUR (40-45 Lei). Es ist nicht möglich, den Palast ohne gebuchte Tour zu besuchen. WICHTIG: Ihr müsst Euren Pass oder Personalausweis mitbringen, sonst lassen sie Euch nicht rein.

7. Die Wassertalbahn

In der Maramureș gibt es noch ein weiteres, sehr spezielles Highlight: Die Wassertalbahn, die letzte noch betriebene Waldbahn in ganz Europa. Diese Waldbahnen wurden im 19. und frühen 20. Jahrhundert gebaut, um Holz aus entlegenen Tälern der Karpaten, Alpen, der Tatra und anderen Gebirgen zu transportieren. Nach und nach wurden die Bahnen wegen mangelnder Rentabilität geschlossen, von den früher rund 1.000km Waldbahn in Rumänien blieb nur noch die Bahnstrecke durch das Tal der Vaser übrig. Seit 2003 ist sie im Besitz einer österreichischen Holzfirma, eine großen Anteil am Betrieb hat aber der schweizer Verein „Hilfe für die Wassertalbahn“, der dafür sorgt, daß die meisten Fahrten auch heute noch mit historischen Dampflokomotiven betrieben werden.

Man muss kein Eisenbahn-Nerd sein, um auf dieser Strecke Spaß zu haben, denn das Wassertal ist landschaftlich wunderschön mit dem wilden Fluß in der Mitte, den bewaldeten Bergen und den idyllischen Dörfern zu Beginn der Strecke. Und einen Dampfzug mit Pfeifen, Zischen, Stampfen in 2m Entfernung vorbeifahren zu sehen und zu spüren, ist schon für sich ein Erlebnis.

Im Tal der Vaser

Der Zug zuckelt die 25km bis zum Umkehrbahnhof Paltit gemächlich entlang und schaukelt dabei so stark, daß man mit dem Topspeed von 12km/h gut leben kann. Die Waggons sind etwas moderner als die Lokomotiven, die aus den 1930er Jahren stammen (eine Dampflok wurde allerdings erst 1986 in Rumänien gebaut!), und sind teilweise ausrangierte Waggons der weltberühmten Bahn, die von Wengen zum Jungfraujoch im Berner Oberland fährt.

Feinstaub-Bilanz: Mangelhaft
Am Bahnhof Paltin

Nach ungefähr 2 Stunden Fahrt erreicht der Zug den Umkehrbahnhof Paltin, dort steigen alle aus, machen Fotos der eigenen Lok und der nächsten Züge, die vor oder hinter dem eigenen Zug in der Spur sind und holen sich den im Preis enthaltenen Grillteller. Nach ca. 1 Stunde Aufenthalt zuckelt der Zug dann in ca. 1,5 Stunden wieder zurück nach Viseu de Sus.

Praktische Tips:
Die ganze Tour kostet inkl. Essen lediglich ca. 20 EUR. Eine Buchung vorab per Internet ist dringend geboten, die Touren sind sehr gut ausgelastet. Wer noch nicht genug Eisenbahn für einen Tag hat, kann auch in einem Abteil eines alten Nachtzugwaggons übernachten, der auf dem Bahnhof von Viseu de Sus als Hotel fungiert (siehe Link).

8. Bärenreservat von Zărnești

Jeder kennt die Bilder von Braunbären in Kanada oder Alaska. Ihr wisst wahrscheinlich auch, daß es Braunbären in Rumänien gibt. Wisst Ihr aber auch, wieviele es gibt und – vor allem – wie beeindruckend groß diese Braunbären sind?

Der Poolbereich im Reservat

Im Bärenreservat von Zărnești könnt Ihr Euch selbst ein Bild von diese beeindruckenden Tieren machen. Das Reservat ist mit 69 Hektar das größte seiner Art auf der Welt. Es ist nicht etwa ein Wildtierzoo mit Auslauf, sondern es wurde im Jahr 2005 von einer engagierten Journalistin namens Cristina Lapis gegründet, um dort Braunbären aufzunehmen, nachdem sie aus Zwingern befreit wurden, wo sie zuvor als Touristenattraktion vor Restaurants o.ä. gehalten worden waren. Manche der Bären haben traurige Schicksale hinter sich, die den Besuchern eindringlich erläutert werden. Mittlerweile leben rund 90 Braunbären im Reservat, in den Wäldern der Karpaten leben noch ca. 5.000 weitere Bären in Freiheit.

Kletten und Pelz, das ist so ´ne Sache :-)

Ihr könnt das Reservat nur im Rahmen einer geführten Tour besuchen, Euer Eintrittsgeld fließt direkt in die Stiftung, die das Reservat betreibt. Ein Ranger führt Euch an den verschiedenen Gehegen entlang, in denen die Bären – je nachdem, wer sich mit wem versteht oder wer besonders geschützt werden muss – leben. Die Gehege sind teilweise sehr weitläufig, aber die Bären lungern gern in der Nähe des Zauns herum, weil von dort morgens das Essen angeliefert und über den Zaun geschippt wird.

Essen fassen!

Es ist sehr beeindruckend, 15 ausgewachsene Braunbären in nicht mal 10m Entfernung beobachten zu können. Wie fast alle größeren Wildtiere in Gefangenschaft ignorieren die Bären die Besucher hinter dem Zaun aber vollkommen. Wir hatten aber den Eindruck, daß sich die – vorher geschundenen – Bären im Reservat sehr wohlfühlen.

Weil sie alle zunächst in Gefangenschaft gelebt haben, sind sie nicht fit für das Leben in Freiheit und bleiben daher für den Rest ihres Lebens in Zărnești.

Praktische Tips:
Das Reservat befindet sich ca. 25km südwestlich von Kronstadt/ Brașov, die Zufahrt ist gut ausgeschildert, das letzte Stück der Straße ist nicht asphaltiert, aber für jedes Auto gut zu meistern.
Es finden täglich 3 Führungen statt (9:15, 10:15, 11:15). Auch hier empfehle ich, die Tour im Voraus zu buchen, denn im Sommer bekommt der Park viele Besucher. Die offizielle Seite des Reservats findet Ihr hier. Der Eintritt kostet für Erwachsene ca. 11,50 EUR (55 Lei).

9. Hermannstadt (Sibiu)

Und noch eins der 10 Highlights liegt in Siebenbürgen! Das historische Zentrum von Hermannstadt ist ein echtes Kleinod! Prachtvolle Plätze, Kirchen, Palais, verschlungene Gassen und jede Menge Patina erwarten Euch. Dazwischen jede Menge guter Restaurants und Kneipen, da ist der nächste Țuică (gesprochen Zuika, rumänischer Pflaumenschnaps) nicht weit.

Hermannstadt kann auf eine lange interessante Geschichte zurückblicken, bereits im 13. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zum Verwaltungs- und Handelszentrum im südlichen Siebenbürgen. Diese herausragende Stellung sieht man der Stadt heute noch durch ihre prachtvollen Bauten an.

Das historische Zentrum, die Oberstadt, liegt auf einer leichten Anhöhe über dem Rest der Stadt und wird von der Piața Mare, dem Hauptplatz, dominiert. An diesem riesigen Platz stehen die repräsentativsten Gebäude der Stadt und meistens findet dort irgendeine Veranstaltung statt. Im Mai 2019 haben wir die Bundeskanzlerin und andere europäische Regierungschefs auf dem Platz nur um ca 2h verpaßt.

Es lohnt sich aber, auch von den Hauptachsen der Stadt abzuweichen und die vielen kleinen Gassen zu erkunden, auf meiner ersten Reise habe ich z.B. deutsche Tischlergesellen in vollem Ornat (Zylinder, Schlaghosen, Weste) getroffen, die an einer der vielen Kirchen als Freiwillige Restaurierungsarbeiten verrichteten. Ein beträchtlicher Teil der Altstadt von Hermannstadt wurden vor 2007, das Jahr in dem Hermannstadt Europäische Kulturhautstadt war, saniert, aber es gibt noch genug Ecken mit „Charme“.

Auf dem Markt von Hermannstadt

Eine architektonische Besonderheit von Hermannstadt sind die „Dächer mit Augen“, die auf den meisten alten Häusern zu sehen sind.

„Augen-Dächer“
Am Rand der Oberstadt
Old School
Kirchen, von einem Kirchturm aus gesehen

Praktische Tips:
Für Eure Erkundungen in Hermannstadt solltet Ihr mindestens einen vollen Tag einplanen. Die Stadt eignet sich aber auch sehr gut als Ausgangspunkt für weitere Ausflüge z.B. auf die Transalpina-Hochstraße, zu den Kirchenburgen oder zum Wandern in den Fogarascher Alpen.

10. Die Schwarzmeerküste

Wer an Rumänien denkt, hat in der Regel keinen Badeurlaub vor Augen. Sicher gibt es da auch bessere Ecken am Schwarzen Meer, aber die Küste zwischen Constanța und der Grenze zu Bulgarien hat ihren ganz eigenen Charme. Ich war auf meiner ersten Reise in Rumänien die letzten 4 Tage an der Küste und für mich war es ein Highlight.

Am Stadtstrand von Constanța

Die wichtigste Hafenstadt Rumäniens, Constanța, hat zum einen riesige, teilweise recht marode Hafenanlagen, zum anderen einen schönen Kiesstrand, eine Steilküste, ein fotogenes (verfallendes) Casino, und eine hübsche Altstadt.

Das alte Casino

Die Altstadt war für mich im Jahr 2015 ein besonders schräges Erlebnis, denn zu dieser Zeit drehte der Star der Trash-Action, Steven Segal, dort gerade einen Film. Offenbar spielte der Film in einer Art verwahrlosten Diktatur, deswegen waren mehrere Straßenzüge mit Schrott, Propaganda-Plakaten, Toranlagen aus Holz und Felsbrocken aus Styropor dekoriert. Und das Beste: Wir durften einfach so mittendurch spazieren gehen.

Alles Kulisse
Alles aus Holz
Alles aus Styropor

Und schräg geht es weiter: Südlich von Constanța schließen sich ein gutes Dutzend Strandbäder mit klingenden Namen wie Olymp, Jupiter, Aphrodite, Juno an. Diese ganzen Orte wurden als Ferienparadiese für die Arbeiterklasse Rumäniens konzipiert und architektonisch seeehr sozialistisch geprägt. Teilweise sind die Anlage noch in Betrieb, teilweise stehen sie leer. Badesaison ist strikt bis zum 30. August des Jahres, danach sind die teils riesigen Anlagen verwaist.

An der Schwaaaaarzmeerküste, am RU-MÄ-NISCHEN STRAND…..
Sozialistische Hotelarchitektur

Und noch ein weniger südlich, unmittelbar vor der Grenze zu Bulgarien, liegt das kleine Örtchen Vama Veche. Der Ort war schon vor der Wende ein Ort für Alternative/Nicht-Linientreue. Heute heißt das, während der Saison (bis Ende August, s.o.) tummeln sich hier Tausende in Bretterbuden-Clubs und Bars direkt am Strand. Wir waren Anfang September da…. :-)
Aber trotzdem war es klasse in Vama Veche, denn die Küste ist wild-romantisch und daß man eine Grenze (in diesem Fall zu Bulgarien) am Strand überschreiten kann, hat man auch nicht alle Tage.

Die Küste nördlich von Vama Veche
Die Amüsiermeile von Vama Veche. In der Off-Season.
Die Küste direkt an der Grenze zu Bulgarien

So, das waren meine 10 Highlights in Rumänien. Hat Dich eines besonders „angelacht“? Kennst Du schon eins von der Liste? Reizt es Dich, nach Rumänien zu reisen? Falls ja, dann lass es mich in den Kommentaren wissen. Ansonsten freue ich mich wie immer über konstruktive Kritik, Lob und Hinweise.

Christian

P.S.: Die bekannteste Sehenswürdigkeit Rumäniens, das „Dracula-Schloß“ in Bran, habe ich ganz bewußt NICHT in die Liste aufgenommen. Das Schloß ist an sich ganz nett mit seinen Gemächern, Zinnen und engen Stiegen. Aber es ist eben auch die krasseste Touristenfalle Rumäniens, daher: Nope!

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3 Kommentare

  1. U.L. sagt

    Wenn ein so weitgereister Mann wie Du, Christian, innerhalb weniger Jahre dreimal nach Rumänien fährt, muss einen das aufhorchen lassen.
    Nach der Lektüre und dem Betrachten der Photos weiss man, warum.
    Und würde am liebsten gleich losfahren.
    Ein gelungener Bericht mit guten Photos und einem Text, der dem Leser Mensch und Tier, Landschaft und Umwelt, Architektur, Geschichte und Gegenwart des Landes nahebringt.
    Dazu noch viele Informationen praktischer Art mitgibt und auch noch humorvoll ist.

    Von wo werden die nächsten Highlights kommen?
    Wir sind gespannt.

    Herzlichen Dank!

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