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Dolomiten – Klettersteige für Einsteiger

Ihr wandert gern in den Bergen und würdet gern mal in etwas extremerem Gelände unterwegs sein, als man es als Wanderer normalerweise ist? In diesem Artikel zeige ich Euch, was Ihr an Equipment für den Einstieg braucht und nehme Euch mit auf drei einfache, aber spektakuläre Klettersteige in den Dolomiten.

Alpinisteig

Im Oktober 2017 entschieden Asta und ich uns relativ spontan, für ein paar Tage zum Klettern und Wandern in die Dolomiten zu fahren. Asta war zwar noch nie geklettert, fand die Idee aber gut und vertraute meinem Versprechen, auf dieser Tour nur Einsteigerrouten auszuwählen, bei denen sich die Kletterpassagen in Länge und Schwierigkeit im Rahmen halten würden.

I. Was braucht man für den Klettersteig?

Für Eure erste Tour auf einem Klettersteig braucht Ihr nicht viel Equipment. Neben guten Wanderschuhen (die meiste Zeit wandert Ihr in „normalem“ Gelände und braucht keine Sicherung) und üblicher Wanderbekleidung benötigt Ihr folgendes:

Klettergurt: Diese gibt es als Hüftgurt (feste Beinschlaufen, verbunden mit dem stabilen Gurt um die Hüfte) oder als Komplettgurt (hier ist noch ein Brustgurt mit in das System integriert, was im Falle eines Sturzes die Sicherheit erhöht).

Klettersteigset: Das Klettersteigset besteht aus der Anseilschlaufe, mit der man das Set am Klettergurt befestigt, einem sog. Bandfalldämpfer (Im Falle eines Sturzes wird der Fall so zuverlässig gebremst und endet nicht abrupt), sowie zwei Bändern, die in Ypsilonform mit dem Bandfalldämpfer verbunden sind und an deren Ende jeweils ein großer Karabinerhaken befestigt ist, mit dem Ihr Euch in das jeweilige Sicherungsseil einklinkt.

Ihr fragt Euch, warum es davon gleich zwei gibt? Das ist das Clevere an den Sets! Stellt Euch vor, Ihr quert eine steile Wand, mit Eurem Klettersteigset gesichert am fest verankerten Stahlseil. Jetzt kommt Ihr an einen der Haken, mit denen das Fixseil am Fels befestigt ist. Hättet Ihr nur einen Karabiner an Eurem Set, wärt Ihr beim Umhängen für einen kurzen Moment ungesichert. Durch die doppelte Ausführung umgeht Ihr dieses Risiko, denn ein Haken bleibt immer am Seil (beim Umhängen einer vor dem Haken, einer nach dem Haken). Die modernen Klettersteigsets sind mittlerweile mit Karabinern versehen, die sich einhändig spielend leicht öffnen lassen, aber gegen unbeabsichtigtes Öffnen gesichert sind.

Alpinisteig

Helm: Es versteht sich von selbst, daß man beim Klettern in felsigem Gelände einen Helm trägt.

Nicht unbedingt erforderlich, aber empfehlenswert, sind außerdem spezielle Klettersteig-Handschuhe, die etwas länger sind als Fahrradhandschuhe und Eure Finger beim Rutschen an den Stahlseilen schützen.

ACHTUNG: Es ist sinnvoll, vor dem ersten Klettersteig einen Einführungskurs (beim Alpenverein oder einem anderen Anbieter) zu besuchen, um sich mit Equipment und Technik vertraut zu machen. Man sollte wissen, wie der Gurt richtig angelegt und das Set eingebunden wird. Das sollte man sich vorher zeigen lassen und zuhause ausprobieren. Zumindest sollte man auf seinen ersten leichten Klettersteig jemanden mitnehmen, der weiß, was zu tun ist.

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II. Die Touren:

Nach diesem sehr groben Leitfaden für benötigtes Equipment möchte ich Euch einen Überblick über die 3 Touren, die wir in den Dolomiten gegangen sind, geben. Alle 3 Touren sind sehr gut als Klettersteige für Einsteiger geeignet.

Die Vorauswahl konnten wir schon zuhause mit der „Bibel für Klettersteige“, Eugen E. Hüslers „Leichte Klettersteige in den Dolomiten“ treffen. Ein bißchen Planung war nämlich erforderlich, denn viele der Seilbahnen, die im Sommer die lang(weilig)en Zustiege ersparen, operieren nur bis Ende September, welche davon Anfang Oktober noch in Betrieb sein würden, verriet uns das Internet.

Als Quartier entschieden wir uns für ein gemütliches Appartment in Cortina d´Ampezzo, weil der Hauptort der Dolomiten einfach strategisch am günstigsten zu unseren angepeilten Zielen lag und wir in diesem Städtchen auch davon ausgehen konnten, daß trotz Nebensaison zumindest ein paar Restaurants geöffnet sein würden.

Der große Unsicherheitsfaktor war natürlich – wie so oft – das Wetter. Anfang Oktober kann das durchaus schon richtig mies und kalt sein, in höheren Lagen fällt dann oft schon der erste Schnee. Und tatsächlich begann der Trip denkbar schlecht. Auf dem Weg vom Airport Memmingen, wo ich Asta abholte, in die Alpen regnete es wie aus Kübeln. Aber fast klischeemäßig änderte sich das Wetter auf dem Brennerpass schlagartig, kein Regen mehr und eitel Sonnenschein. Und so sollte es die nächsten fünf Tage in den Dolomiten bleiben, wir hatten ausschließlich „Kaiserwetter“.

1. Paternkofel über Innerkofler-De Luca-Steig und Schartenweg

Als erste Tour peilten wir einen der Klassiker der Dolomiten an:
Den Klettersteig auf den Paternkofel (2.749m) unweit der Drei Zinnen, eine landschaftlich unglaublich schöne Route an den Drei Zinnen vorbei, die sich zum größten Teil auf Pfaden und Tunnels aus dem 1. Weltkrieg bewegt.

Lago di Misurina, im Hintergrund Die Drei Zinnen

Viele der Klettersteige in diesem Teil der Alpen haben ihren Ursprung in dem unsäglichen Gebirgskrieg, den sich Österreich-Ungarn und Italien zwischen 1915 und 1918 in den Dolomiten lieferten. Wer etwas mehr zu diesem absurden Kapitel der Geschichte lesen möchte, kann dies HIER tun.

Der Paternkofel ist der direkte Nachbarberg der Drei Zinnen und schwingt sich im letzten Drittel ziemlich dramatisch auf. Der Berg war damals von großer strategischer Bedeutung, deshalb nahmen die Österreicher große Mühe auf sich, um einen fast 400m langen Tunnel in den Berg Richtung Gipfel zu fräsen und genau durch diesen Tunnel führt der mittlere Teil der Route (Stirnlampe nicht vergessen!).

Die Drei Zinnen

Startpunkt der Tour war die Auronzo-Hütte, die man über die (mautpflichtige) Straße von Misurina aus erreicht (2017: 27,00 EUR für Autos). Von dort aus geht es unterhalb der Drei Zinnen auf einem fast ebenen Weg Richtung Paternsattel, von dem aus man Richtung Drei-Zinnen-Hütte oberhalb des bequemen Hauptpfads weiterwandert, bevor man einen kurzen Anstieg Richtung Klettersteig nach rechts abbiegt.

Auf dem Anstieg zum Innerkofler-De-Luca. Im Hintergrund die Drei Zinnen.

Zunächst ging es vollkommen untechnisch durch ein paar kurzer Tunnelabschnitte. Hier ist eine Stirnlampe hilfreich, denn stellenweise ist es stockfinster im Stollen. Aber ab und zu gibt es auch Ausblicke:

Blick aus dem Stollen auf die Drei Zinnen
Der Eingang zum langen Stollen

Nach dem fast 400m langen Stollen wird es dann ernst: Zum ersten Mal müssen wir das Klettersteigset anlegen und ein ca. 4m hohes, fast senkrechtes Stück Fels überwinden. Aber direkt geht es schon wieder gemächlicher durch eine moderat steile Rinne schräg nach oben. Auch dort sind Sicherungsdrahtseile angebracht, diese Passage wäre aber auch ohne Seile machbar. Kurz darauf folgt ein zweiter kürzerer Stollen.

Nach der ersten Kletterpassage stellt sich Ruhe ein.
Der Ausgang des 2. Stollens

Unmittelbar nach dem 2. Stollen kommen wir an eine senkrechte Wand, die gewissermaßen die Schlüsselstelle am Paternkofel ist, eine kurze Querung vom Weg und dann eine Kletterstelle von ca. 30m Höhe. Die ganze Passage ist hervorragend mit straff gespannten Drahtseilen gesichert, die genau an der Ideallinie entlanglaufen. Wir müssen richtig klettern, d.h. die vorhandenen Felstritte und -spalten zum Aufstieg nutzen, sind aber im Falle eines Sturzes gut gesichert.

Genau DAFÜR geht man auf Klettersteige! Denn hier bewegen wir uns in Terrain, in das man als „einfacher Wanderer“ niemals gehen würde.

Das größte „Hindernis“ sind hier die anderen Kletterer, doch der italienische Alpenverein hat an dieser potentiellen Staustelle (im Sommer steigen täglich Hunderte auf den Paternkofel) „zweigleisig“ gearbeitet, es gibt eine Seilspur für den Aufstieg und eine für den Abstieg.

Der ca. 30m hohe Aufstieg vor dem Gipfel des Paternkofel

Asta meistert ihre erste „Bewährungsprobe“ mit Bravour, klettert schnell und konzentriert und hängt die Sicherungen um, als würde sie das jeden Tag machen.

Nach der Kletterpassage sind es nur noch wenige Höhenmeter über mäßig steiles Geröll, dann stehen wir auf dem Gipfel des 2.744m hohen Paternkofel.

Der Gipfel selbst ist fast eben, fällt aber auf der Westseite ein paar hundert Meter senkrecht nach unten ab, man muss als wirklich aufpassen, wo man hintritt. Wir lassen uns Zeit, genießen die Rundumsicht auf die Drei Zinnen und die übrigen Sextener Dolomiten, ich mache viele Fotos und lasse die Drohne ein paar Runden drehen.

Hier mein Drohnen-Video vom Gipfel:

Das obligatorische Gipfelfoto
Blick vom Paternkofel-Gipfel auf die Drei Zinnen
Die Sextener Dolomiten in ihrer ganzen Pracht

Nach ca. einer Stunde machen wir uns auf den Rückweg. An den Kletterstellen mache ich (mal wieder) die Erfahrung, daß der Abstieg in den Bergen oft schwieriger ist als der Aufstieg, gerade an der großen Kletterstelle, weil man schlechter sieht, wo man sichere Trittgelegenheiten hat.

Nach dem Tunnelteil biegen wir auf den sog. Schartenweg zum Paternsattel ab. Seinen Namen hat der Weg von den langen – eben – Scharten, die die Gebirgsjäger vor mehr als 100 Jahren quer in den Fels gehauen haben.

In der rechten unteren Ecke kann man die aus dem Fels gehauene Scharte erkennen
Einfach zu begehen, aber spektakulär
Auf den letzten Metern „im Gelände“

Den Rest des Weges reißen wir schnell auf der „Wanderautobahn“ zur Auronzo-Hütte ab. Auf der Rückfahrt nach Cortina wird es schon dunkel (Oktober!) und der Himmel zeigt sich uns noch kurz so:

Dolomiten-Kitsch

Fazit:
Der Innerkofler-De Luca-Steig auf den Paternkofel ist ein idealer Einsteiger-Klettersteig.
Die Route ist extrem abwechslungsreich, die Aussicht ist grandios, die Kletterpassagen sind selten und kurz und die „Schlüsselstelle“ kurz vor dem Gipfel ist spektakulär, aber nicht schwierig und bestens gesichert. Aber es muss klar sein, daß diese Tour nur für Klettersteigaspiranten geeignet ist, die keine Angst vor Höhe haben. Denn obwohl der Steig technisch einfach ist, gibt es doch einige „haarige“, also sehr ausgesetzte, Stellen. Wenn Dir solche Stellen nichts ausmachen, dann ist der Innerkofler-De Luca wahrscheinlich der perfekte Einstieg.
Wir haben für die ganze Tour gemütliche 7 Stunden gebraucht, wer sich ranhält, kann die ganze Tour auch sicher in 5 Stunden schaffen. Aber die Tour ist einfach zu schön, um sie „abzureißen“, bei diesem Bilderbuchberg und dem Anstieg kann man sich ruhig den ganzen Tag Zeit lassen.

2. Kaiserjägersteig – Kleiner Lagazuoi

Als zweiten Klettersteig haben wir uns diesen eher untechnischen Pfad ausgesucht, der wieder durch historisch interessantes Gebiet führt. Im 1. Weltkrieg war der Kleine Lagazuoi hart umkämpft, beide Kriegsparteien haben zahlreiche Stellungen am Berg verteilt und mehrere Tunnel gebohrt, um sich strategische Vorteile zu verschaffen. Daher ist der Berg heute noch mit Relikten dieser Kämpfe übersäht.

Nicht zu verfehlen!

Der Kaiserjägersteig gilt aus technisch eher leichter Steig, der größte Teil führt über Schutt- und Schrofengelände, es gibt nur eine Stelle, an der eine Sicherung mit Klettersteigset ratsam ist, sehr geübte und trittsichere Wanderer können diese Stelle auch ohne Sicherung meistern, für Einsteiger ist das aber definitiv NICHT zu empfehlen.

Die Vorhersage für diesen Tag zeigt uns am frühen Nachmittag einziehende Wolken und Schnee in den höheren Lagen. Deswegen nehmen wir vom Falzarego-Pass die Seilbahn auf den Gipfel, um den Kaiserjägersteig „andersrum“ zu gehen.

Oben erwartet uns eine mondäne Gipfelhütte mit riesiger Aussichtsterrasse, die aber vollkommen leer ist. Das wiederum verwundert allerdings überhaupt nicht, denn es ist trotz des strahlenden Sonnenscheins knapp unter 0 Grad. Aber der Ausblick auf die gegenüberliegende Marmolata, den höchsten Gipfel der Dolomiten, mit ihren Gletschern ist atemberaubend schön.

Die Marmolata

Der Kaiserjägersteig beginnt (bzw. endet) unmittelbar an der Gipfelhütte. Zunächst wandern wir auf dem breiten Gipfelrücken ein paar hundert Meter auf fast ebenem Gelände, während uns der eiskalte Wind in Sturmstärke um die Ohren pfeift. Na, das kann ja heiter werden!

Das Skigebiet hinter dem Lagazuoi-Gipfel

Aber sobald wir vom Gipfelrücken nach unten „in die Wand“ abbiegen, sind wir im Windschatten und es ist angenehm warm. Zunächst folgen wir einer Art Ziegenpfad durch schroffe Felslandschaft, der an einigen Stellen schon ziemlich ausgesetzt, aber ansonsten vollkommen harmlos zu laufen ist. Nach einer langen Querung beginnt der eigentliche Abstieg durch die ziemlich steile Flanke des Lagazuoi.

Von unten oder aus der Entfernung betrachtet, kann man sich gar nicht so richtig vorstellen, daß durch diese Felslandschaft ein wirklich einfacher Wanderweg führt.

Etwa auf der Hälfte des Weges kommt die fotogene Brücke, die ein breites Kar überspannt, ins Blickfeld:

Die berühmte Brücke

Unmittelbar vor der Brücke müssen wir die einzige etwas schwierigere Stelle meistern, ein kleiner Abschwung und eine Querung von insgesamt vielleicht 20 Metern Länge. Wie oben beschrieben, für Geübte ist diese Stelle auch ohne Klettersteigset zu meistern, aber erstens haben wir das Equipment ohnehin dabei und zweitens sicher ist sicher, denn zwischendrin sind einige höhere Stufen zu überwinden und an einer Stelle hängt man beim Festhalten am Seil doch ganz schön nach hinten über.

Die einzige Kletterstelle auf dem Kaiserjägersteig

Die Brücke ist bei diesem Kaiser(jäger)wetter natürlich ein guter Fotospot, also machen wir allerlei Quatsch.

Weil sich die für den frühen Nachmittag angekündigten Wolken so gar nicht blicken lassen wollen, setzen wir uns auf die luftige Bank, die der Alpenverein netterweise direkt hinter der Brücke auf eine Felskanzel montiert hat, genießen die Sonne und ich drehe nochmal eine Runde mit der Drohne.

Die spektakulären Aufnahmen vom Kaiserjägersteig findest Du in diesem Video ab ca. 1:43 (davor erneut der Paternkofel, der oben in einem separaten Video gezeigt wird):

Der Weg führt anschließend in zahllosen Serpentinen Richtung Falzarego-Pass, vorbei an verfallenen Stellungen und Unterschlupfen der österreichischen Truppen.

Fazit:
Der Kaiserjägersteig in unserer Variante ist eine einfache Halbtagestour in einfachem Gelände, aber mit spektakulären Ausblicken. (Wer mehr Zeit zur Verfügung hat, kann den Steig mit dem ca. 1km langen Kriegsstollen auch zu einem Rundweg über den Gipfel kombinieren läßt). Vielleicht ist der Steig als Einstiegstour noch besser geeignet als der Paternkofel, falls jemand sich wirklich erst an diese Art von Bergwandern herantasten möchte.

3. Der Alpinisteig

Als dritten Klettersteig wählten wir Alpinisteig aus, einen der absoluten Klassiker in den Dolomiten, der wenig technisches Klettern erfordert, dafür aber gute Kondition und Trittsicherheit, denn es gibt einige „haarige“ Stellen.

Die Tour startet in Sexten-Moos. Von dort aus sparen wir uns die ersten paar hundert Höhenmeter und fahren mit der Rotwandwiesenbahn bis zur gleichnamigen Hütte. Schon beim strammen Aufstieg hinter der Hütte zeigt sich der Oktober wieder von seiner schönsten Seite, die Lärchen an den Hängen haben bereits herbstliches Gelb angenommen und es ist keine Wolke am Himmel zu sehen.

Auf der Rotwandwiese

Nach ca. einer Stunde durch bewaldete Bergflanken führt der Weg steil bergauf in felsiges Terrain und wir kommen in ein langes, schattiges Kar, in dem auch im Oktober noch Altschnee vom letzten Winter liegt.

Noch in der Sonne, gleich geht der Schlamassel los…

An dieser Stelle führt der eigentliche Pfad nach rechts, was wir aber leider verpassen….
Wir folgen ein paar einsamen Fußspuren in den Schnee und sitzen auf einmal in der Falle, es geht kaum vor oder zurück. Der brettharte Schneehang ist steil genug, um ordentlich abzurutschen (was mir auch zwei-, dreimal passiert) und bietet zum Festhalten nur kleinere und größere Haufen losen Gerölls, die natürlich auch nicht wirklich zum Halten geeignet sind.
Das Ganze sieht auf dem Foto unten vielleicht gar nicht so steil aus, aber von diesem Schneefeld heil wieder runterzukommen, war schwierig und hat uns etliche Kratzer und blaue Flecken beschert.

Endlich runter vom Schneefeld!
Wieder auf dem eigentlichen Pfad

Aber auf „Regen“ folgt bekanntlich Sonnenschein: Direkt nach diesem kleinen Drama-Intermezzo überschreiten wir einen Mini-Pass und werfen einen ersten Blick auf das obere Fischleintal mit Elferkofel und Zwölferkofel.

Grob gesagt, führt der Weg an der linken Talseite unterhalb des Elferkofels entlang, quert unterhalb des Zwölferkofels (Bildmitte) und führt dann auf der rechten Talseite wieder talauswärts.

Das obere Fischleintal mit dem Zwölferkofel

Direkt hinter dem kleinen Pass kommt eine erste, kurze Kletterpassage, bei der wir uns aber nur um 2,3 Felsen herumhangeln müssen. Hier stößt man auch wieder auf einige Relikte aus Kriegszeiten.

Stacheldrahtreste, anscheinend aus dem 1. Weltkrieg

Etwa eine Stunde wandern wir ohne große Höhenveränderung durch Schrofengelände, bis wir schließlich einen ersten Blick auf den spektakulärsten Teil des Alpinisteigs werfen können:

Das Salvezzaband, ein teilweise weniger als einen Meter breites Felsband, das die italienischen Gebirgsjäger („Alpini“) in den Fels gesprengt haben, und das in ordentlicher Höhe nahezu waagrecht durch die Wand verläuft.

Das Salvezzaband

Nach weiteren 30 Minuten und der Querung eines weiteren Altschneefelds stehen wir am Beginn des Salvezzabands. Aus der Ferne sah das Felsband fast filigran aus, jetzt, wo wir selbst darauf gehen, stellen wir fest, daß es eigentlich ganz entspannt zu wandern ist, an den wirklich schmalen Stellen sind wieder Sicherungen angebracht, die wir dann auch benutzen.

Was man hier aber wirklich haben muss, ist Schwindelfreiheit, denn nicht einmal einen Meter neben uns geht es bald 200 Meter senkrecht in die Tiefe. Leider ist das Band viel zu schnell durchlaufen, das hätte noch etwas länger sein können. Definitiv eine der atemberaubendsten Passagen, die ich je gewandert bin!!!

Hier im Hochformat kann man die exponierte Wegführung ziemlich gut sehen, viele unserer Freunde sagten bei diesem Foto nur „Im LEBEN nicht!“

Findet Ihr die beiden anderen Bergsteiger auf dem Salvezzaband?
Am Beginn des Salvezzabands

Nach einer halben Stunde auf dem Band kommen wir an das „Innere Loch“, neben den Drei Zinnen sicherlich das berühmteste Fotomotiv der Dolomiten. Man kann den aus dem Fels gehauenen Pfad gut erkennen:

Das „Innere Loch“

Anschließend wandern wir noch eine Weile über Geröllfelder, bis der Pfad in einem weiten Bogen nach Westen unterhalb der Zsigmondy-Hütte dann wieder Richtung Talausgang führt.

Wieder einmal hat alles länger gedauert und wir laufen die letzte Stunde bis zur Talschlußhütte in der Dämmerung. Und dann zum krönenden Abschluß noch eine halbe Stunde in der Dunkelheit bis zum Auto.

Das obere Fischleintal

Fazit:
Der Alpinisteig ist zurecht so berühmt! Die gesamte Tour bietet grandiose Ausblicke, ist abwechslungsreich und überwiegend einfach zu wandern, die luftige Passage vor, auf und nach dem Salvezzaband sicherlich eine der spektakulärsten Routen, die man als „Nicht-Profi“ in den Dolomiten begehen kann.
Die Tour ist mit ca. 960 Höhenmetern hoch/runter und rund 7 Stunden Länge richtig fordernd, ich empfehle, möglichst früh, also spätestens um 8 Uhr, von Sexten-Moos aus zu starten.

Der Alpinisteig hat uns doch ziemlich geschlaucht, daher faulenzen wir den letzten Tag in Cortina und fahren nur am späten Nachmittag zum Fotografieren auf den Passo di Giau.

Passo di Giau
Passo di Giau
Passo di Giau

Ich hoffe, ich konnte Euch ein bißchen neugierig machen auf Klettersteige!

Wäre das etwas für Euch? Oder bleibt Ihr beim normalen Wandern? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.

Christian

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5 Kommentare

  1. Lieber Christian,
    Die Bilder vom Paternkofel zu den Drei Zinnen sehen spektakulär aus! Wenn ich nicht solche Höhenangst hätte, würde ich auch gerne mal einen Klettersteig machen. Wir haben dafür die Drei Zinnen Runde gemacht. Wenn Du magst, schau mal den Link an den ich Dir hinterlassen habe.
    Viele Grüße,
    Sanne

  2. Der Bericht ist wirklich toll. Wir wollen schon lange mal einen Klettersteig ausprobieren und dank deines Artikels wird das demnächst auch umgesetzt !

    • Christian sagt

      Das würde mich sehr freuen, wenn das die letzte Inspirarion wäre.
      Dann am besten noch das Equipment über den Link kaufen, damit das auch mal jemand macht :-)
      Falls Du noch Tipps brauchst, lass es mich wissen.

  3. Franz Limacher sagt

    Lieber Christian,
    Super Berichte und Fotos! Wer weiss vielleicht wagst Du Dich zum Schluss an die Badile Nordkante!
    LG Franz Limacher

    • Christian sagt

      Lieber Franz,

      danke für Dein Feedback. Bis zur Badile-Wand ist es noch ein weiter Weg…..

      Grüße
      Christian

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