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Run, Turtle, Run! Tortuguero Nationalpark, Costa Rica

Tortuguero Banner

Die letzte Station auf unserer Reise durch Costa Rica (Nov./Dez. 2016) sollte der Tortuguero Nationalpark im Nordosten des Landes an der Karibikküste sein. Hier könnt Ihr lesen, was Asta und ich dort alles erlebt haben und es gibt ein paar praktische Tipps.

Der Tortuguero Nationalpark ist vom Rest des Landes ziemlich gut abgeschottet, es gibt keine Straße in den Park, der gleichnamige Ort an der Küste ist nur per Boot oder Flugzeug erreichbar.

Anziehungspunkt für uns Touristen im Park ist die reiche Tier- und Pflanzenwelt, die der Regenwald und die Flüsse zu bieten haben, aber die Hauptattraktion sind wohl die Meeresschildkröten (spanisch: „Tortuga“), die zu bestimmten Zeiten am Strand ihre Eier im Sand ablegen. Und natürlich ihre geschlüpften Jungtiere, die dann einige Wochen später über den Strand ins Meer rennen (hierzu später!).

1. Anreise nach Tortuguero

Wir sind auf dem Wasserweg nach Tortuguero gekommen. Dazu fährt man zunächst in den kleinen Ort La Pavona und parkt sein Auto dort auf einem der großen Parkplätze in der Nähe des Bootsanlegers (Kosten: 10 USD/Tag), es gibt aber auch öffentliche Busse, die La Pavona ansteuern.

Kurios: Eine Brücke für den automatisierten Bananentransport (s. blaue Beutel),
die als temporäre Schranke gelegentlich über die Straße gekippt wird.

Sobald genügend Passagiere da sind, fährt eines der Boote los, neben den Touristen nutzen auch viele Einheimische mit ihren Einkäufen die Bootsverbindungen (Kosten Boot: ca 5 USD inkl. Gepäck).

Der kleine Bootsanleger am Fluss
Der Boots“hafen“ von La Pavona

Die Fahrt von La Pavona bis in den Ort Tortuguero dauert ca. 1,5 Stunden und ist allein für sich schon eine Attraktion, denn die Fahrt geht auf dem gemütlich dahinfließendem Rio la Suerte mitten durch den Regenwald, bevor man dann kurz vor Tortuguero auf die breite Laguna de la Penitencia einbiegt.

Der Fluss durch den Dschungel
Rio la Suerte

Obwohl es sich um ein richtiges Bootsshuttle und nicht um eine „Touri-Cruise“ handelt, hält der Kapitän zwischendurch auch mal an, wenn es am Ufer etwas zu sehen gibt, so wie diesen ca. 2m großen Kaiman:

Kaiman am Ufer
Kaiman

2. In Tortuguero

Schon am Bootsanleger von Tortuguero bekommt man eine Idee davon, wie entspannt das Leben hier sein muss. Alles grün, Kokospalmen, Bananenpflanzen, bunte Häuser, keine Autos, hier ticken die Uhren anders.

Am Hafen
Am Bootsanleger von Tortuguero
Sozusagen das Hafengelände
Downtown Tortuguero, Fahrradfahrer
Downtown Tortuguero
Downtown
Downtown Tortuguero

Etwa 10 Minuten Fußmarsch durchs Dorf und über einen Fußballplatz brachten uns zu unserem vorab gebuchten Hotel El Icaco, das wir uneingeschränkt empfehlen können. Es liegt direkt am Strand, hat eine entspannte Atmosphäre und schöne Zimmer.

Hotel
Hotel El Icaco
Hotel am Strand
Hotel El Icaco

3. Turtle-Alarm!

Mittlerweile war es schon spät am Nachmittag, also nix wie ab an den Strand. Der Strand an diesem Teil der Küste ist fast schwarz, normalerweise finde ich solche Strände eher mäßig attraktiv, dieser hier war aber spektakulär schön. Kilometer in beide Richtungen kein Haus sichtbar, Palmen, rollende Wellen und wenig Menschen.

Strand bei Tortuguero
Strand bei Tortuguero
Am Strand von Tortuguero

Überall unter den Bäumen am Strand sah man die Löcher, die die Schildkröten vor ein paar Wochen gegraben hatten, um dort ihre Eier abzulegen, bevor sie selbst wieder zurück ins Meer krabbelten. Leider waren wir (Anfang Dezember) eigentlich ein bißchen zu spät für das Schlüpfen der Mini-Schildkröten und den anschließenend „Turtle-Run“ ins Meer angekommen, aber wir hielten die Augen offen.

Leeres Nest im Sand
Schildkrötennest (leer), Eierschalen

Irgendwas hatte aber ich im Hotel vergessen und lief schnell nochmal die paar hundert Meter zurück, um es zu holen, Asta blieb am Strand. Und genau auf diesem kurzen Rückweg sah ich auf einmal eine Gruppe von 7 oder 8 Menschen, die sich aufgeregt zwischen Wald und Meer hin- und herbewegten.

Ziemlich schnell sah ich, was die Leute so in Aufregung versetzte:
Es war tatsächlich noch ein Nest übriggeblieben war und die winzigen Schildkröten traten jetzt ihren kurzen Marsch ins Meer an. Etwa 15 Mini-Schildkröten rannten aus der Sandkuhle um ihr Leben in Richtung Meer, denn überall am Himmel kreisten große Vögel, die offenbar wußten, dass es zu dieser Jahreszeit am Strand leichte Beute geben würde.
Es war beeindruckend, wie schnell und zielsicher sich so kleine Tiere, die gerade erst aus ihren Eierschalen geschlüpft sind, bewegen können, das Fotografieren war gar nicht so einfach!

Frisch geschlüpfte Schildkröten
RUN, TURTLE, RUN!

Ich winkte und pfiff nach Asta, aber sie war zu weit weg um mich zu bemerken. Also mußte ich dieses Schauspiel wenigstens mit der Kamera und in einem Handyvideo dokumentieren, in wenigen Minuten wären alle Schildkröten im Wasser verschwunden. 3 Engländer und ich machten aus, dass wir die Kleinen auf jeden Fall gegen die potentiellen gefiederten Beutegreifer aus der Luft abschirmen würden, aber die trauten sich gar nicht an die Gruppe heran. Ein klarer Verstoß gegen die Regeln der Natur, aber wer würde sich hier anders verhalten?

Baby-Schildkröte
Titelschildkröte!

Während ich der kleinen Schildkröte Geleitschutz gab, konnte ich sie auch filmen:

Asta kam leider erst an, als alle Mini-Schildkröten schon ins Wasser gekrabbelt waren, das ganze Schauspiel dauert keine 3 Minuten. Und es sollten die letzten Schildkröten-Babies sein, die wir sehen würden…

Am Strand von Tortuguero
Am Strand von Tortuguero

4. Bootstour in Tortuguero

Am nächsten Morgen stand die obligatorische Bootstour in den Regenwald auf dem Programm. Unser Guide Rubio paddelte zwei italienische Touristen und uns zunächst über den breiten Fluss, um dann in einen der vielen kleinen Nebenarme des Rio Tortuguero einzubiegen. Es regnete leicht, aber das machte nicht viel, schließlich waren wir im Regen(!)wald und es war warm.

Wie schon auf anderen, ähnlichen Touren hat mich die Fähigkeit von solchen Natur-Guides beeindruckt, inmitten der grünen Wand am Ufer immer wieder Tiere aufzuspüren, wo wir rein gar nichts außer grün sehen.

Auf dem Fluss
Auf dem Rio Tortuguero
In einem Seitenarm des Flusses. Dichter Regenwald
In einem der Seitenarme

Ich hatte den Eindruck, die Tour ist nach Spezies aufgeteilt, denn zu Beginn gab es überwiegend Vögel zu sehen. Die Vögel waren alle ziemlich einfach zu entdecken, meistens saßen sie wie auf dem Präsentierteller auf einem Ast oder Baumstumpf im oder am Fluss.

Blaureiher (Blue Heron), skeptisch dreinblickend
Nacktkehlreiher
Nacktkehlreiher (Bare-Throated Tiger Heron)
Schlangenhalsvogel (Anhinga)
Schlangenhalsvogel (Anhinga)

Anschließend kamen wir in die Affen-Abteilung.

Auch die konnten wir meistens selbst schnell erspähen, denn Affen machen meistens Krach, wenn sie sich bewegen und rütteln ihre Umgebung ordentlich durch.

Brüllaffe
Brüllaffe (desinteressiert)

Während Brüllaffen auch gerne mal allein unterwegs sind, scheinen die Kapuzineraffen sehr soziale Tiere zu sein, meist sahen wir gleich ein Dutzend in den Bäumen rumturnen.

Kapuzineraffe im Baum
Kapuzineraffe

Tja, und dann sahen wir diesen durchnässten Kapuzineraffen vorsichtig auf einem Ast ganz nah über dem Wasser balancieren.

Gerade als ich die Kamera einsatzbereit hatte, griff sich der Affe einen großen Smaragd-Basilisk, der vor ihm auf dem Ast saß und biß ihm kurzerhand den Kopf ab, bevor er sich in aller Ruhe den blutigen Rest schmecken ließ.

Kapuzineraffe beim Fangen der Beute
Waidmanns Heil!
Kapuzineraffe mit Beute
Hier ist der Kopf noch dran

Ich wußte zwar, daß diese Affen keine reinen Vegetarier sind, aber sie ein großes Tier verschlingen zu sehen, war doch ein bißchen grausig.

Kapuzineraffe mit Beute
Hier ist der Kopf nicht mehr dran. Die Beine auch nicht mehr.

Weiter ging es mit der Reptilien- und Amphibien-Abteilung in einem anderen Seitenarm, der außerdem spektakulären Dschungel bot:

Dschungel
Welcome to the Jungle!
Ein kleiner Kaiman

Der Guide entdeckte noch einen Smaragd-Basilisk (mit Kopf) am Ufer, der in dem ganzen Grün so gut getarnt war, daß wir ihn wirklich erst entdeckten, als wir noch ca. 2m entfernt waren.

Ein Smaragd-Basilisk, eine Leguanart.
Noch ein Smaragd-Basilisk, intakt
Wasserschildkröte
Wasserschildkröte
Unser Guide
Unser Guide Rubio

Nach der Tour gingen wir noch ´ne Runde auf einem der „Naturlehrpfade“, die parallel zum Strand laufen, spazieren. Dort gab es allerdings außer viel Grün, ein paar Vögeln und Blattschneiderameisen nicht allzu viel zu entdecken.

Was es aber gab: Die aggressivsten Moskitos der gesamten Reise, ohne das DEET von ein paar Franzosen, die wir unterwegs trafen, wäre ich da nicht lebend rausgekommen.

Auf dem Lehrpfad
Den Namen weiß ich leider nicht
Blattschneiderameisen
Blattschneiderameisen

Den Rest des Tages verbrachten wir im Ort in verschiedenen Cafés und bummelten die Hauptstraße rauf und runter. Da das unser vorletzter Abend in Costa Rica sein sollte, schenkten wir uns weitere touristische Aktivitäten und genossen das Nichtstun.

Downtown
Downtown Tortuguero
Fischer mit Fang
Petri Heil!
Weihnachtsdeko unter Palmen
Weihnachtsdeko unter Palmen

Das waren unsere Tage in Tortuguero.

Hat Euch die Lektüre Spaß gemacht? Falls ja, laßt es mich in den Kommentaren wissen, ebenso konstruktive Kritik, Hinweise, whatever.

Christian

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10 Kommentare

  1. Oooooooooh, ein Lebenstraum von mir, einmal Schildkrötenbabies ins Wasser laufen sehen. Ich war damals in Brasilien, da hat es leider nicht geklappt. Obwohl wir zu richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen sind. Das ist bestimmt ein unvergessliches Erlebnis kann ich mir vorstellen. Costa Rica muss eh klasse sein und die Fotos und der Bericht verstärken das Gefühl noch. Tausend Dank fürs zeigen und auch für das Gänsehautvideo!

    Lieben Gruß,
    Andreas

    • Christian sagt

      Hallo Andreas,

      das war schon ein ziemliches Highlight, vor allem, weil wir eigentlich zu spät dran waren und die Horde offenbar die letzten am ganzen Strand waren, die sich auf den Weg gemacht haben.
      Freut mich, daß es Dir gefallen hat!
      Grüße
      Christian

  2. Ein sehr schöner Bericht, wenn auch ein bisschen fies mit dem Affen Es ist faszinierend was man alles auf so einer kleinen Bootstour sehen kann. Besonders würden mich aber auch die kleinen Schildkröten beim Schlüpfen interessieren.

    Liebe Grüße Josefine von

    fineontour

  3. Wow, die Fotos sind der absolute Knaller (der Bericht natürlich auch). Ich werde mich mal noch ausführlich auf deiner tollen Seite umschauen!!! Viel Spaß weiter auf Reisen.

  4. Hallo Christian,
    wow, das ist ja mal ein richtig lesenswerter Artikel. Costa Rica steht schon seit sehr langem auf unserer Liste. Bin mal gespannt, wann es endlich klappt. Das war sicher ein tolles Erlebnis die kleinen Schildkröten dabei zu beobachten. Tut mir wegen Asta (sehr schöner und außergewöhnlicher Name) sehr leid. Das wäre für sie ein unvergessliches Erlebnis gewesen.

    Liebe Grüße, Selda

    • Christian sagt

      Hallo Selda,
      und noch jemand, der Asta bedauert :-) Aber über den Kommentar zu ihrem Namen freut sich sich!

      Grüße
      Christian

  5. Ei. Richtig toller Beitrag! Schade, dass Asta die Schildkrötenbabys nicht sehen konnte. Hoffentlich bekommt sie irgendwann nochmal die Chance dazu :) Wir haben bisher sowas auch noch nicht sehen können, wir waren leider immer ein paar Monate zu spät an solchen Stränden. Irgendwann klappt es bestimmt. Eure anderen Bilder sind auch der Hammer, vor allem die Tierbilder – richtig gut! :) Liebe Grüße Jess von Jesterontour.com

    • Christian sagt

      Hi Jess,
      danke für das Feedback und das Lob zu den Fotos.

      Dass sie die Kleinen verpasst hat, darüber ärgert sie sich heute noch.

      Euch wünsche ich viel Spaß auf der weiteren Reise!

      C.

  6. Der_Praktikant sagt

    Mal wieder wunderschöne Bilder, ein interessanter Ort und ein Händchen für den richtigen Moment!

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